Vietnam Ho Chi Minh goes Private Equity

Private Equity und die aufstrebenden Länder der Welt wie Vietnam, das passt nicht zusammen. Es passt doch, findet Hans Christian Jacobsen von der dänischen Fondsgesellschaft Bankinvest. Das Unternehmen investiert vor Ort.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Jacobsen, ein Däne, der Private-Equity-Gelder in Deutschland einsammelt und sie in Vietnam anlegt; wie passt das zusammen?

Jacobsen: Recht gut. Vietnam hat einen enormen Geldbedarf.

mm.de: Wegen der Finanzkrise?

Jacobsen: Die Kreditkrise hat alle Länder weltweit getroffen. Und im Falle Vietnams kommt noch dazu, dass dort wirtschaftliches Know-how gefragt ist.

mm.de: Und das machen Sie von Dänemark aus?

Jacobsen: Nein, das wäre etwas schwierig, ähnlich wie aus Deutschland. Wir arbeiten mit Partnern vor Ort, die das Land gut kennen.

mm.de: Wie viel China steckt eigentlich in Vietnam?

Jacobsen: Vietnam war lange kommunistisch, wenn auch nicht so lange wie China. Im kollektiven Gedächtnis, wenn Sie so wollen, sind also noch die freieren Zeiten davor verankert. Die Vietnamesen sind aber ebenfalls sehr fleißig und lernwillig, jeder baut sein eigenes Unternehmen auf. Allerdings fehlt es dann oftmals am entsprechenden Fachwissen, zum Beispiel in Sachen Buchhaltung. Bei jenen Unternehmen, in die wir investieren, dringen wird daher darauf, dass zum Beispiel SAP-Systeme installiert werden. So können wir das Unternehmen besser kontrollieren.

mm.de: Haben Sie dort viele Konkurrenten?

Jacobsen: Nein, nicht wirklich. Es gibt gut zwei andere, die das ernsthaft betreiben.

mm.de: Woran liegt das. Vietnam ist doch populär, ebenso wie Südafrika oder Ägypten, die Sie ja gleichermaßen abdecken.

Jacobsen: Es ist dort sehr fremd, es ist kommunistisch geprägt, und es ist riskant. Zumindest der Hinweis auf das Risiko gilt auch für Ägypten und Südafrika.

Schnäppchenzeit

mm.de: Sprechen wir kurz über Südafrika - ist da gar nichts zu spüren von einer pulsierenden Aufbruchstimmung wegen der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010?

Jacobsen: Nein, dort gibt es viele Unsicherheitsfaktoren, nicht nur die politischen. Deswegen haben wir dort derzeit kein Geld investiert, ebenso wenig in Ägypten.

mm.de: Es bleibt also bei Vietnam. An was für Unternehmen kann man sich dort denn beteiligen? Aus westlicher Sicht fallen einem da am ehesten Rikschas ein ...

Jacobsen: Gar nicht so schlecht. Interessant sind dort die Konsumgüter, mit denen man vom Binnenkonsum profitieren kann. Dazu kommt der Konstruktionsbereich, Alufenster zum Beispiel oder Stahlrohre. Und der Bereich der Finanzunternehmen natürlich.

mm.de: Und warum soll der Anleger sein Geld gerade jetzt in diese Region tragen?

Jacobsen: Da gilt das Gleiche wie bei den Aktienmärkten - es ist billig, dort einzusteigen. Noch vor einem Jahr gehörte das Land zu den teuersten Börsen der Welt, das ist jetzt anders.

mm.de: Wie stark ist Ihr Einfluss in jenen Unternehmen, an denen Sie sich beteiligen?

Jacobsen: Es gibt Konkurrenten, die übernehmen große Teile und können so ihre Auffassung durchdrücken, das machen wir nicht.

mm.de: Warum nicht? Das würde doch vermutlich vieles einfacher machen.

Jacobsen: Vielleicht. Aber Vietnam ist noch immer ein Land, das dem Kommunismus recht frisch entwachsen und auf jeden Fall weit von unseren Vorstellungen einer Gesellschaftsordnung ist. Dort gibt es Regelungen, die Beteiligungen von über 49 Prozent verbieten. Wir bleiben daher so zwischen 20 und 30 Prozent.

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