Börsenschluss Prügel für Dow und Dax

Nach sechs Handelstagen mit satten Gewinnen gab es am Donnerstag einen Rückschlag an den Märkten. Eine Gewinnwarnung von Daimler setzte den Autotiteln zu, ein schwacher Ifo-Index nährte Angst vor einer Rezession. Und aus den USA gab es Bad News vom Immobilienmarkt. Das setzte auch den Dow Jones mächtig unter Druck.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag zahlreiche negative Nachrichten verdauen müssen und mit Verlusten geschlossen. Nachdem der Dax  an den sechs Handelstagen zuvor um rund 500 Punkte zugelegt hatte, schloss er mit einem Minus von 1,46 Prozent auf 6440 Punkte. Spürbar belastete dabei der hohe Kursverlust der Daimler-Aktie .

Der MDax sank um genau 3 Prozent auf 8309 Zähler. Der TecDax  büßte satte 3,36 Prozent auf 721 Punkte ein.

"Schon der Ifo-Index war nicht positiv und hat die Stimmung im Dax belastet, die Gewinnwarnung bei Daimler hat den Anlegern dann den Rest gegeben", sagte Händler Ascan Iredi von der Postbank. Nach Ansicht der UniCredit etwa signalisiert der Einbruch des Ifo-Geschäftsklima-Index, der als wichtigster Frühindikator für Deutschland gilt, ein recht hohes Rezessionsrisiko. Außerdem waren die Hausverkaufsdaten aus den USA im Juni schlechter als erwartet ausgefallen.

Die US-Börsen haben auch wegen nach enttäuschender Quartalszahlen großer Konzerne am Donnerstag Verluste verzeichnet. Schwache Geschäftsberichte von Ford  und Dow Chemical  schürten die Sorge, dass der Optimismus der vergangenen Tagen verfrüht gewesen sein könnte.

Auch die Talfahrt am Ölmarkt, die zuletzt die Kurse unterstützt hatte, erreichte ihr vorläufiges Ende: Der Ölpreis stieg im Handelsverlauf um mehr als ein Prozent auf etwa 126 Dollar je Barrel (159 Liter).

Für schlechte Stimmung sorgten auch einige Wirtschaftsdaten: So waren zuletzt die Anträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend stark angestiegen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte  gab 1,4 Prozent auf 11.474 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 1,2 Prozent auf 1266 Zähler.

Ford schockiert Anleger

Ford schockiert Anleger

Der Technologie-Index Nasdaq notierte bei 2305 Punkten 0,9 Prozent schwächer. Weil die US-Bürger wegen der hohen Benzinpreise keine spritschluckenden Geländewagen mehr kaufen, fuhr Ford im Frühjahr überraschend einen Verlust von 8,7 Milliarden Dollar ein. Die Anleger waren entsetzt, die Ford-Aktie fiel gut 12 Prozent.

In Deutschland senkte der Stuttgarter Autobauer Daimler trotz starker Halbjahreszahlen sein Ziel für den Überschuss im laufenden Jahr deutlich. Händler sagten, dass die Gewinnwarnung ein weiteres Anzeichen sei für eine sich abschwächende Konjunktur.

Daimler hatte sein von 7,7 auf 7,0 Milliarden Euro gesenktes Ziel beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit steigenden Rohstoffpreisen, einem starkem Euro und einer sich abkühlenden Weltkonjunktur begründet. Die Aktien brachen daraufhin um 9,61 Prozent auf 38,47 Euro ein. Volkswagen , BMW  und MAN  wurden ebenfalls durch die Daimler-Aussagen belastet und verbuchten Kursrückgänge zwischen 2,8 und 5,5 Prozent.

Telekom will Aktien zurückkaufen

Telekom will Aktien zurückkaufen

Die Aktien der Deutschen Post  drehten nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus und gaben trotz positiv bewerteter Eckzahlen zum zweiten Quartal um 0,38 Prozent auf 15,94 Euro nach. Der Logistikkonzern hatte am Mittwochabend überraschend Zahlen vorgelegt und im abgelaufenen Jahresviertel trotz eines schwächeren Wachstums in der Luftfrachtsparte und im Expressgeschäft den operativen Gewinn zweistellig gesteigert. Commerzbank-Analyst Frank Skodzik bezeichnete die Zahlen als "sehr solide".

Die Aktien der Deutschen Telekom  hielten sich mit 1,03 Prozent auf 10,76 Euro im Plus. Laut Analysten gab die während einer Pressekonferenz zum Verkauf der Tochter DeTeImmobilien bestätigte Jahresprognose Auftrieb sowie Aussagen über ein Aktienrückkaufprogramm, das beim Bonner Telekommunikationskonzern derzeit intern diskutiert wird. Zudem stützten gute Quartals- und Kundenzahlen von US-Wettbewerbern.

Bundesliga-Deal nützt Premiere

Bundesliga-Deal nützt Premiere

Die Anteilsscheine von Merck KGaA , die am Vortag um mehr als 7 Prozent eingebrochen waren, erholten sich wieder etwas und stiegen an der Dax-Spitze um 4,55 Prozent auf 78,52 Euro.

Im MDax setzten sich die Papiere von Premiere  im Handelsverlauf an die Spitze und stiegen um 3,57 Prozent auf 11,90 Euro. Das Bundeskartellamt hat das Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2011/2012 untersagt. Nun droht der drei Milliarden Euro schwere Vertrag der DFL mit der Kirch-Tochterfirma Sirius zu platzen. "Damit steigt die Exklusivität der Berichterstattung für Premiere wieder", sagte ein Händler.

Die Aktien von Wincor Nixdorf  gaben nach Zahlenvorlage des Geldautomaten- und Kassensystemherstellers um 2,58 Prozent auf 48,77 Euro nach. Wincor trotzte im bisherigen Jahresverlauf der Finanzkrise und dem schwachem US-Dollar und steigerte Umsatz und Gewinn weiter. Analysten beurteilten die Zahlen insgesamt jedoch als "überraschungslos".

Auch europaweit verbuchten die wichtigsten Börsen Verluste: Der EuroStoxx 50  gab um 0,97 Prozent auf 3354 Punkte nach. In Paris und London zeigten sich die Indizes ebenfalls schwach.

Der Kurs des Euro in Dollar  fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,5677 (Mittwoch: 1,5741) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,6379 (0,6353) Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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