Tengelmann Keine Einigung mit Edeka

Supermarkt-König Erivan Haub hat den geplanten Teilverkauf seiner Märkte an Edeka abgesagt. Das Angebot sei zu niedrig gewesen. Nun wollen sich die Mülheimer selbst sanieren.

Mülheim - Die Supermärkte erhalten nach Angaben Tengelmanns einen einheitlichen Marktauftritt und werden unter "A&P Kaisers's Konzept" firmieren. Das Unternehmen will sich mit 700 bis 800 Filialen auf die Kernregionen Berlin, Rhein/Main und München konzentrieren. Die Geschäfte sollen offenbar mit dem Gewinn aus dem Verkauf der niederländischen Tochter Hermans Groep und der Textilkette Takko saniert werden.

200 Märkte sollen geschlossen werden. Dabei seien im schlimmsten Fall zehn Prozent der 35.000 Arbeitsplätze in der Supermarktsparte von Tengelmann betroffen, sagte der Geschäftsführer für den Lebensmitteleinzelhandel Deutschland, Peter Zühlsdorff.

Die Maßnahmen kosten Tengelmann nach Zühlsdorffs Angaben einen "ansehnlichen dreistelligen Millionenbetrag".

Die 108 großflächigen Märkte Grosso und Magnet plant das Handelsunternehmen, in einem offenen Bieterverfahren zu veräußern. Von der Metro werde in den nächsten Tagen ein Angebot erwartet, insgesamt seien aber wenigstens sechs Bieter aus dem In- und Ausland an den Geschäften interessiert, sagte Zühlsdorff.

Von den 1.300 Supermärkten würden derzeit rund 900 schwarze Zahlen oder eine rote Null schreiben. Unter den weiteren Filialketten in Deutschland werde die Drogeriemarktkette kd in diesem Jahr nach der seit 1997 laufenden Restrukturierung schwarze Zahlen vorweisen. Der Diskounter Plus jedoch werde im Geschäftsjahr 1999/2000 (per 30. Juni) einen nicht unerheblichen Verlust einfahren. Spätenstens im Jahr 2001/02 würden aber auch hier wieder Gewinne erwartet.

Insgesamt hat die Tengelmann-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust erwirtschaftet. Ursache seien hohe Restrukturierungsrückstellungen. Dem darbenden Geschäft in Deutschland steht dagegen eine Expansion im Ausland gegenüber. Die Zahl der Plus-Märkte in Europa soll in den kommenden Jahren von 3.500 auf 5.000 Filialen mit 20 Milliarden Mark Umsatz wachsen. Die Baumarktkette Obi will 2000 in China erste Filialen eröffnen und rechnet weltweit in den nächsten drei Jahren mit einem jährlichen Umsatzplus von 20 Prozent.

Der expansive Textildiskounter KiK hat 1998/99 den Umsatz um 35 Prozent und startete im vergangenen Jahr seine Internationalierung mit Filialen in Österreich. In Nordamerika strebt die Great Atlantic & Pacific Tea Co (A&P) unter Leitung von Christian Haub ein Umsatzwachstum innerhalb von drei Jahren von 25 Prozent an.

Zunächst hatte das Familienunternehmen den Verkauf der beiden Supermarktketten an Edeka vorgesehen. Doch Edeka sei nur an den profitablen Standorten interessiert gewesen und habe darauf bestanden, auch Grosso und Magnet zu bekommen. Mindestens 400 kränkelnde Märkte hätte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub behalten müssen.

"Es tut uns leid, dass die Zusammenarbeit nicht geklappt hat". Mit diesen Worten kommentierte Gerhard Peter, Vorstand der Edeka Zentrale die Entscheidung der Tengelmann-Gruppe. Edeka habe die Möglichkeiten lange analysiert, und während der Verhandlungen sei ein Vertrauensverhältnis zwischen den Partnern entstanden. "Die Chemie passte zusammen", betonte Peter. Trotzdem sei die nüchterne Betrachtung der wirtschaftlichen Interessen in das Edeka-Angebot eingeflossen, welches Tengelmann letztendlich als nicht ausreichend angesehen habe.

"Nun müssen wir wieder zur Tagesordnung übergehen", sagte Peter, der damit rechnet, dass der Konzentrationsprozess in der Branche noch lange nicht abgeschlossen ist. Jeder rede mit jedem. Edeka habe aber diesbezüglich keine konkreten Projekte in der Vorbereitung. Für das Jahr 2000 steht für den Vorstand bei Edeka die weitere Verbesserung der Organisation und der EDV im Vordergrund. Außerdem sollen der "bestehende große Wettbewerbsvorteil" ausgebaut und die selbstständigen Einzelhändler weiter gestärkt werden.

Die Gewerkschaft HBV begrüßte die Sanierungspläne. Man werde umgehend mit der Tengelmann-Führung die neuen Pläne beraten.