Oberoi-Kolumne Schnäppchen statt Sommerloch

Die Börse ist in diesen Tagen nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Fondsmanager Sanjay Oberoi kann der Korrektur dennoch etwas Positives abgewinnen. Geldanlage zu Schnäppchenpreisen - wie im Falle ElringKlinger.
Von Sanjay Oberoi

Frankfurt am Main - Wer in diesen Tagen auf die Indizes der hiesigen Aktienmärkte blickt, dürfte voller Wehmut an den Juli 2007 zurückdenken. Da stellte der Dax  bei 8152 Zählern sein noch immer gültiges Rekordhoch auf. Immerhin vier lange Jahre haussierten die Börsen rund um den Globus, dann setzte vor ziemlich genau einem Jahr eine Phase mit erheblicher Marktvolatilität ein.

Seitdem beherrscht das Thema Finanzmarktkrise nun die Märkte - in den vergangenen Wochen mehr denn je. Mehr als 20 Prozent hat der Dax 30 in den vergangenen zwölf Monaten bereits verloren. Auch die anderen Indizes der Dax-Familie ließen zweistellig Federn.

So stark wie in diesem Halbjahr haben die deutschen Börsen in den vergangenen zehn Jahren noch nie verloren. Auf Sicht eines Jahres befinden sich sogar alle vier bedeutenden deutschen Aktienindizes im Bärenmarktstatus, der durch Verluste von mehr als 20 Prozent gekennzeichnet ist.

Ist die Lage aber nun tatsächlich so schlecht wie die Stimmung? In meinem Alltag als Fondsmanager spielt das eine eher untergeordnete Rolle - ich bin ein langfristig orientierter Anleger. Folglich interessieren mich ausschließlich Unternehmen, von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin. Und die ändern sich nicht durch eine Kurskorrektur an der Börse. Im Gegenteil: Historisch betrachtet bieten Kursabschläge, wie wir sie in den vergangenen Wochen erlebt haben, oft interessante Einstiegsgelegenheiten, da sich Anleger in solchen Phasen übereilt von Qualitätsaktien trennen.

Ein solcher Fall scheint mir zum Beispiel bei dem baden-württembergischen Automobilzulieferer ElringKlinger  gegenwärtig vorzuliegen. Die Aktie des Konzerns aus dem SDax  hat in den letzten sechs Monaten knapp 20 Prozent an Wert verloren. Das mag nicht zuletzt am Vertrauensverlust liegen, mit dem Anleger alle Aktien aus der Automobilbranche seit Jahresbeginn abstrafen: Angesichts einer lahmenden Konjunktur und eines steigenden Ölpreises werden diese Papiere ohne differenziertes Urteil abgestoßen. Im vergangenen halben Jahr büßten beispielsweise die Aktien von Daimler über 25 Prozent an Wert ein.

Das Kreuz mit der Sippenhaft

Das Kreuz mit der Sippenhaft

Aktien werden oft in Sippenhaft genommen - dabei sind sie häufig besser, als die Mehrheit glaubt. So kann der bereits 1879 gegründete Autozulieferer ElringKlinger über Jahre ein so beständiges organisches Wachstum vorweisen wie derzeit kaum ein Konzern aus dem kriselnden Sektor.

Seit 2000 hat ElringKlinger den Umsatz praktisch verdoppelt - von 312 Millionen auf 608 Millionen Euro im letzten Jahr. Das Ebit, der Gewinn vor Steuern und Zinsen, hat sich sogar mehr als vervierfacht - von 25,4 Millionen auf nunmehr 114,9 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007.

Und die Story stimmt: Millionen Autos sind täglich mit der Technologie von ElringKlinger unterwegs. Das in Dettingen an der Erms ansässige Unternehmen ist weltweit operierender Erstausrüster für Zylinderkopf- und Spezialdichtungen, Gehäusemodule und Abschirmteile für Motor, Getriebe und Abgasanlagen. Mit dieser breiten Produktpalette hat sich ElringKlinger internationales Prestige sowie ein großes Stück Unabhängigkeit erarbeitet: Der SDax-Konzern beliefert weltweit die großen Player der Automobilindustrie - von Audi  bis Suzuki .

Gut aufgestellt, konservativ bewertet

Besonders gut gefällt mir, dass ElringKlinger in einem hart umkämpften Markt zulegen kann. Die Anfang 2008 veröffentlichten Quartalszahlen überzeugen erneut. Der Umsatz stieg um mehr als 6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum, während das Ebit um mehr als 18 Prozent zulegte. Und die Wachstumsperspektiven sehen weiter gut aus. Für das nächste Jahr haben die Schwaben bereits ein neues und günstigeres Dieselfiltermodell als die Konkurrenz angekündigt.

Dieses Geschäftspotenzial reflektiert der Aktienkurs gegenwärtig nicht hinreichend. Im Gegenteil: Bei aktuell nur noch rund 16 Euro nach dem jüngst vollzogenen Aktiensplit hat ElringKlinger in den vergangenen drei Monaten ein Drittel seines Börsenwerts verloren. Die Aktie des schwäbischen Unternehmens ist mit einem KGV von 12 zudem konservativ bewertet.

Das gegenwärtige Niveau ruft damit den wertorientierten Investor in mir auf den Plan - und auch den Antizykliker. Entsprechend habe ich meine Positionen aufgestockt, sodass ElringKlinger per Ende Juni zu den zehn größten Aktien meines Fonds zählt.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.