Wochenausblick Unter dem Damoklesschwert

Anleger müssen sich auf eine unruhige Woche an der Frankfurter Börse gefasst machen. Technische Analysten glauben zwar, dass der Dax ein wenig Schwung aufgenommen hat. Doch ausgerechnet jetzt werden die neuesten Geschäftsdaten wichtiger amerikanischer und deutscher Unternehmen veröffentlicht - und Experten fürchten wenig Gutes.

Frankfurt am Main - Deutschlands Aktienmarkt wird in der kommenden Woche noch keine nachhaltige Wende schaffen, glauben Marktexperten. Im Gegenteil, noch wirke das kleine Beben nach, das Anleger in Frankfurt am Main Mitte der vergangenen Woche geschüttelt hatte: Deutschlands Aktienleitindex Dax  war kurzzeitig unter die Marke von 6000 Zählern gefallen und hatte damit den tiefsten Stand seit zwei Jahren markiert.

"Bei den Kursbewegungen der letzten Tage ist es einfach zu sagen, dass wir weiterhin mit hohen Schwankungen rechnen", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. Nicht zuletzt, weil Amerikas Topfirmen in der kommenden Woche ihre neuesten Geschäftszahlen vorlegen müssen - und Experten daraus hoffen ablesen zu können, wie sattelfest Amerikas Konjunktur denn nun wirklich ist.

So werden schon am Montag die Bank of America , Apple  und Texas Instruments  Details ihrer jüngsten Geschäftsentwicklung offenlegen. Yahoo  folgt am Dienstag, Amazon  und Boeing  am Mittwoch und 3M sowie Eli Lilly am Donnerstag an. Besonders hochgesteckt sind die Erwartungen der Analysten an sie allerdings ohnehin nicht mehr. "Die Anleger werden insbesondere auf Hinweise achten, ob die US-Banken in Zukunft weitere Abschreibungen vornehmen müssen", sagte Marktstratege Roland Ziegler von BHF Capital Management.

Nach Angaben von Thomson Reuters  gehen die meisten Analysten davon aus, dass die im S&P500-Index gelisteten Firmen im Schnitt für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von 16 Prozent ausweisen müssen. Die Gewinne der Finanzinstitute dürften deutlich stärker um 76 Prozent gefallen sein.

Etwas besser sieht es für Deutschlands Topfirmen aus, die ebenfalls einen Blick in ihre Bücher gewähren werden. Mitte der Woche legen die Automobilunternehmen Daimler  und Volkswagen  sowie die Pharma- und Chemiegruppe Merck  vor. Die Darmstädter haben nach Analystenschätzungen wegen der Nachfrage nach Schlüsselmedikamenten und Flüssigkristallen einen operativen Ergebnisschub verbucht. Am Freitag schließlich folgt der Halbleiterkonzern Infineon .

Deutschlands zittrige Konjunktur

Deutschlands zittrige Konjunktur

Sollten die amerikanischen und deutschen Unternehmensschwergewichte zumindest passable Gewinne erzielt haben, könnte sich der Dax nach Expertenmeinung sogar ein Stück weit bekrabbeln.

"Auf Wochensicht sehen die Indizes an den wichtigsten Börsen zumindest aus technischer Sicht sehr gut aus. Dem Ausverkauf in der ersten Wochenhälfte folgte eine steile Erholung in der zweiten. Wenn die Indizes positiv in die neue Woche starten, ist mit Anschlusskäufen zu rechnen", sagte Thomas Nagel, technischer Analyst bei Equinet. "Es ist aber zu früh, um Entwarnung zu geben", sagte Markus Reinwand, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "Die 6000-Punkte-Marke könnte noch einmal getestet und auch unterschritten werden."

Die Gefahr dürfte - je nach Börsenumfeld - vor allem am kommenden Donnerstag bestehen. Dann wird das Münchener Ifo-Forschungsinstitut seinen neuesten Geschäftsklimaindex veröffentlichen, Deutschlands bedeutendstes Konjunkturbarometer. "Und der wird nach unten zeigen", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. "Der Ölpreis, der hohe Euro-Kurs  und die Finanzkrise werden auch im Juni Spuren hinterlassen haben", ist sich auch Helaba-Experte Reinwand sicher.

Unter dem Strich rechnen die Experten nicht damit, dass sich der Dax in der kommenden Woche entscheidend erholen wird. Zu unsicher sind weiterhin die Konjunktur- sowie Unternehmensdaten. Und der Ölpreis bleibt offenbar auf ungesund hohem Niveau: Nach einem kleinen Rücksätzer von 145 Dollar je Barrel (159 Liter) auf zuletzt rund 130 Dollar hat sich der Preis für den Rohstoff offenbar schon wieder stabilisiert. Und das treibt die Inflation weltweit kontinuierlich an.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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