Infineon Attraktiver Übernahme-Kandidat

Die Siemens-Tochter hat im Geschäftsjahr 1999 die Gewinnschwelle erreicht. Das erhöht den Wert des Börsenkandidaten und kommt vor allem dem Aktienkurs der Mutter zu gute.

München - Wie der Halbleiterhersteller am Dienstag in München mitteilte, kletterte der Konzernjahresüberschuss auf 69 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 33 Prozent auf das Rekordniveau von 4,24 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 1997/98 hatte das Unternehmen noch einen Fehlbetrag von 790 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Aufgrund seiner guten Ergebnisse könnte Infineon nach eigenen Angaben im Kalenderjahr 1999 von Rang zehn auf Rang acht der weltgrößten Halbleiterhersteller vorrücken.

Positiv wirkte sich die Nachricht vor allem beim Aktienkurs von Siemens aus. Bis zum frühen Nachmittag legte das Papier über fünf Prozent zu - zum Erstaunen einiger Analysten, die den Wert von Infineon eigentlich schon im Siemens-Kurs enthalten sahen. "Die Märkte haben ein kurzes Gedächtnis", kommentiert Theo Kitz von Merck Finck. Die vorgelegten Zahlen seien im wesentlichen schon im bereits bekannten Siemens-Ergebnis enthalten gewesen.

Attraktiver Übernahme-Kandidat, wenn Siemens geht

Siemens werde seinen Anteil an Infineon vermutlich erst in rund eineinhalb Jahren unter 50 Prozent reduzieren. Ohne eine beherrschende Mehrheit von Siemens wäre Infineon nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher bereits in den ersten Monaten nach dem für März 2000 geplanten Börsengang ein "attraktiver Übernahmekandidat". Mit dem Börsengang werde eine "signifikante Kapitalerhöhung" verbunden sein, sagte er. Die Kapitalausstattung durch Siemens sei schon bisher sehr großzügig gewesen, daran dürfte sich nichts ändern.

Voraussichtlich keinen Verlust mehr

Die Ausrichtung auf Wachstumsmärkte und Produktivitätsverbesserungen habe sich bewährt, erklärte Schumacher. Zudem habe sich der Halbleitermarkt insbesondere zum Ende des Geschäftsjahres belebt. Diese Entwicklung werde sich voraussichtlich fortsetzen. Der Preis für Halbleiter-Speicherbausteine, die DRAMs, der zuletzt auf bis zu 16 Dollar/Mbit nach oben geschossen sei, werde sich unterhalb von zehn Dollar/MBit einpendeln. Das liege deutlich über dem Tiefststand von vier Dollar im Frühjahr 1999.

Im Geschäftsjahr 1999/2000 werde Infineon daher voraussichtlich keinen Fehlbetrag mehr ausweisen, meinte Schumacher.

Umsatzplus über Branchen-Durchschnitt

Die Erwartungen für die beiden ersten Quartale sollten aber nicht "in den Himmel schießen", warnte er am Dienstag in München. Ziel für das Unternehmen sei eine Verzinsung von elf Prozent auf das eingesetzte Kapital.

Mit einer Umsatzsteigerung von 33 Prozent liege Infineon deutlich über dem Branchenwachstum. Die größte Zuwachsrate wurde mit einem Plus von 86 Prozent im Bereich Speicherbausteine erzielt. Ebenfalls deutlich aufwärts ging es in den Bereichen Sicherheits- und Chipkarten-ICs (plus 33 Prozent) und Chips für Drahtlose Kommunikation (plus 24 Prozent).

Infineon will im März 2000 an die Börse gehen. Nach Epcos ist das Unternehmen die zweite Siemens-Tochter, die den Börsengang plant.