Heideldruck Ausblick lässt Kurs stürzen

Die Aktien von Heidelberger Druck sind nach der Vorlage von Quartalszahlen um bis zu 11 Prozent gefallen. Ein Händler sprach von einer "Gewinnwarnung". Das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen. 500 Stellen werden gestrichen.

Stuttgart - Heidelberger Druck  rechnet nicht mit einer raschen Besserung der Auftragslage und tritt deshalb bei den Ausgaben auf die Bremse. Bis Frühjahr 2011 sollen rund 500 Stellen vor allem in der Verwaltung gestrichen werden, teilte der vor allem in Deutschland produzierende weltgrößte Druckmaschinenhersteller am Donnerstag in Heidelberg mit.

Die Produktion in den Niedriglohnländern Slowakei und China sowie in den USA will der mit dem starken Euro kämpfende Konzern ausbauen. Innerhalb von drei Jahren sollen die Ausgaben um 100 Millionen Euro gesenkt werden. Dazu soll der vermehrte Einkauf von Stahl, Kunststoff und Elektronik außerhalb des Euro-Raums beitragen. Die gleiche Summe muss das stark exportabhängige Unternehmen jedoch zunächst für Personalabbau, Standortverlagerungen und Umstrukturierungen ausgeben. Daher sei frühestens im Geschäftsjahr 2011/12 (Ende März) mit einer spürbaren Entlastung und mit einer Besserung der Ertragslage zu rechnen.

Die Investoren zogen die Notbremse und schickten die Aktien zeitweise um 12 Prozent auf 11,88 Euro nach unten - den tiefsten Stand seit vielen Jahren. Vor einem Jahr kostete das Papier noch 40 Euro. Mit dem umfangreichen Maßnahmenpaket, das auch eine Kürzung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung vorsieht, stimmt der Vorstand seine Aktionäre auf längere Durststrecke ein. Die auch durch vermehrte Internet-Werbung unter Druck geratene Branche stehe "vor einer anhaltenden Seitwärtsbewegung", räumte er ein. "Mit einem spürbaren Aufschwung der Branche rechnet Heidelberger Druck vorerst nicht", lautet das Fazit nach der Branchenmesse Drupa, die im Juni zu Ende gegangen ist.

Auf der alle vier Jahre stattfindenden Schau erhielt Heidelberger Druck zwar zahlreiche Aufträge für seine neuen Maschinen für den Verpackungsdruck, der als Wachstumsmarkt gilt und in den nächsten sechs Monaten die Auslastung sichert. Der Auftragseingang im ersten Quartal (April bis Juni) lag mit 1,1 bis 1,15 Milliarden Euro aber nur auf dem Niveau des Drupa-Jahres 2004. Damals hatte die Branche eine schwere Krise hinter sich und stand vor einem Aufschwung.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schlugen die Messekosten, der Produktionsanlauf der neuen, großformatigen Druckmaschinen und die verhaltene Nachfrage negativ durch. Der Umsatz sank nach vorläufigen Angaben auf 640 bis 660 Millionen Euro von 742 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Wie erwartet rutschte Heidelberger Druck mit einem Betriebsverlust von 35 bis 40 Millionen Euro in die roten Zahlen.

Vor Jahresfrist war noch ein Betriebsgewinn von 26 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Im dem bis März 2009 laufenden Geschäftsjahr sei mit einem Rückgang von Ergebnis und Umsatz zu rechnen, erklärte das Unternehmen. Bereits im zurückliegenden Jahr hatten der starke Euro und die Konjunkturabkühlung in den USA Heidelberger Druck die Geschäfte vermiest.

Heidelberger Druck rechnet in seinem zweiten Geschäftsquartal (Juli bis September) nicht mit einem Verlust. "Davon gehen wir nicht aus", sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe am Donnerstag in einer Telefonkonferenz auf die Frage, ob im zweiten Quartal erneut ein Betriebsverlust anfallen werde. Der Aktienkurs, der am Morgen um bis zu 11 Prozent eingebrochen war, erholte sich bis zum Vormittag auf minus 5 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.