Staatsfonds Schmusekurs der Schwergewichte

Staatsfonds sind finanzielle Schwergewichte, die den potenziellen Investitionszielen weltweit Angst machen. Darum arbeiten die Fonds nun an einer Regelung, die Transparenz und damit Vertrauen schaffen sollen.

Singapur - Kiribati hat sie und Abu Dhabi, Angola und Singapur: Staatliche Vermögensfonds, die angehäufte Reichtümer zum Wohl künftiger Generationen anlegen. Seit die finanziellen Schwergewichte darunter strauchelnden Banken mit Milliardenspritzen unter die Arme gegriffen haben, sind sie in den Schlagzeilen. Die einen sehen in den Sovereign Wealth Fonds (SWF) willkommene Retter in der Not, die anderen fürchten finstere Einflüsse fremder Staaten auf Schlüsselindustrien. An diesem Mittwoch und Donnerstag arbeiten Fondsvertreter in Singapur an der Imagepflege: Bis Herbst wollen sie Richtlinien vorstellen, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

Die neue Internationale Arbeitsgruppe zu Staatsfonds wurde im Frühjahr vom Internationalen Währungsfonds (IWF) eingerichtet, als die hitzigen Debatten über die Rolle der Fonds in Panikmache ausarteten. Zu den 23 Mitgliedern gehören die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Adia-Fonds mit geschätzten 875 Milliarden Dollar im Portfolio der größte Spieler ist, sowie China, Iran, Kuwait und Singapur. "Die andere Seite" ist in Singapur auch vertreten. "Es wird ein Meinungsaustausch mit Vertretern einiger Empfängerländer stattfinden", teilte die Arbeitsgruppe mit.

Die milliardenschweren Staatsfonds sind in jüngster Zeit als Retter angeschlagener Finanzinstitutionen ins Blickfeld gerückt. Der Abu-Dhabi-Fonds stieg mit 7,5 Milliarden Dollar bei der New Yorker Citigroup ein, der Singapurer GIC-Fonds mit 10,8 Milliarden Dollar bei der Schweizer UBS. Die China Investment Corp. kaufte sich mit fünf Milliarden Dollar bei Morgan Stanley ein, der zweite Singapurer Fonds Temasek für fünf Milliarden Dollar bei der Investmentbank Merrill Lynch. Auch der kuwaitische Fonds ist bei der Citigroup im Geschäft, ebenso GIC.

Es bestehe "Sorge, dass Länder (wie China und die OPEC-Staaten) ihren Marktzugang für finanziellen Einfluss mit politischen Zielen ausnutzen könnten", warnte der Geheimdienstberater von US-Präsident George W. Bush, Mike McConnell, im Februar im US-Kongress. Der EU-Binnenmarkt-Kommissar Charlie McCreevey sprach sich dafür aus, Investitionen von Staatsfonds zu bremsen, deren Intentionen nicht klar seien. Deutschland müsse vorbereitet sein auf unerwünschte Investoren, die keine marktbasierten sondern politische Interessen verfolgten, sagte auch Bundesfinanzminister Peter Steinbrück.

Schattenseiten der Transparenz

Schattenseiten der Transparenz

Der Einfluss der milliardenschweren Staatsfonds im weltweiten Finanzsystem ist noch klein. 3,8 Billionen Dollar verwalten sie nach Schätzung des unabhängigen SWF-Instituts derzeit, verglichen mit weltweiten Finanzanlagen im Umfang von schätzungsweise 190 Billionen Dollar. Doch schon in sechs, sieben Jahren dürften sie viermal so viel Geld einzusetzen haben wie heute, schätzt der IWF.

Mit den Richtlinien, an denen die Staatsfonds-Vertreter in Singapur unter dem Vorsitz von Hamad al Suwaidi vom Abu Dhabi-Fonds arbeiten, sollen die Wogen geglättet werden. Die Maßnahmen bleiben freiwillig, doch ist die Hoffnung, dass die Verpflichtung auf Mindeststandards bei Transparenz etwa über Organisationsstruktur und Investmentstrategie eine Art Gütesiegel werden kann. "Ziel ist, den freien Fluss von Investitionen über Ländergrenzen und offene, stabile Finanzsysteme zu erhalten", heißt es in der Arbeitsgruppe.

Das mit der Transparenz ist so eine Sache. Das SWF-Institut listet die rund 45 Staatsfonds mit einem Transparenz-Index auf, bei dem nur Norwegen und Neuseeland zehn Punkte bekommen. Die beiden Singapurer Fonds kommen auf sechs und sieben Punkte, der Abu-Dhabi-Fonds nur auf drei. "Wenn man alle seine Absichten deutlich macht, können die anderen vorhersagen, was man vorhat, und einem zuvorkommen", erklärte der Vorsitzende des Singapurer GIC-Fonds, Staatsgründer Lee Kuan Yew in einem Fernsehinterview gewisse Transparenzvorbehalte.

Christiane Oelrich, dpa

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