Taylor Wimpey Baukonzern fleht um Geld

Die Krise am britischen Immobilienmarkt zieht immer weitere Kreise. Die Aktie des Bauunternehmens Taylor Wimpey brach um die Hälfte ein, nachdem der Konzern das Geld für die dringend benötigte Kapitalerhöhung nicht zusammen bekam. Das Unternehmen sieht für die Zukunft der gesamten Branche schwarz.

London - Dem britischen Bauunternehmen Taylor Wimpey droht das Geld auszugehen. Zuvor war es dem Vorstand wegen der Hypotheken- und Häusermarktkrise nicht gelungen, die für eine Kapitalerhöhung benötigten Mittel einzutreiben.

Die mit den Banken ausgemachten neuen Kreditlinien setzten eine Kapitalspritze durch Aktionäre voraus, teilte das Unternehmen am Mittwoch in London mit. Zugleich räumte Taylor Wimpey ein, dieses Geld bisher nicht aufgebracht zu haben. Die Aktie brach daraufhin um die Hälfte ein. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Taylor Wimpey 4,71 Milliarden Pfund (5,93 Milliarden Euro) Umsatz.

Unternehmenschef Pete Redfern will mit insgesamt 500 Millionen Pfund die Lücken in der Bilanz füllen. Er zeigte sich am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz optimistisch, das frische Geld in "naher Zukunft" unter Dach und Fach zu haben. Derzeit bewege sich das Bauunternehmen noch im Rahmen der mit den Banken ausgemachten Spanne, betonte er. Ohne eine Kapitalerhöhung könnte Taylor Wimpey die Kreditlinien im kommenden Jahr aber überziehen.

Für die weitere Entwicklung der Branche zeigte sich Taylor Wimpey kritisch. Der britische und amerikanische Häusermarkt werde sich bis Jahresende voraussichtlich nicht mehr erholen. Die Märkte dürften frühestens 2009 wieder Fuß fassen, hieß es.

Eine Umfrage signalisierte am Mittwoch, dass der britische Häuserbau im Juni so drastisch schrumpfte wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Die Aktien der Rivalen Barrat und Persimmon stürzten um jeweils rund 20 Prozent ab.

Die Immobilienkrise in Großbritannien hat Taylor Wimpey bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen: Die Reservierungen für neue Eigenheime liegen fast 50 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, die Bestellungen und Fertigstellungen gut 30 Prozent. Der Marktführer entstand erst im vergangenen Jahr aus der Milliardenfusion zwischen Taylor Woodrow und George Wimpey.

Wegen der Krise schließt das fusionierte Unternehmen 13 der 39 Regionalbüros und trennt sich von 900 Mitarbeitern. Über die geplanten Abschreibungen von 550 Millionen Pfund auf das britische Geschäft hinaus schließt Taylor Wimpey weitere Belastungen nicht aus. Zur Jahresmitte verzeichnete das Bauunternehmen ein Drittel weniger Aufträge als vor einem Jahr.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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