Finanzkrise Selbstkritische Fondsmanager

Auch Fondsmanager leiden unter der Finanzkrise. Laut einer Studie werden sogar Zweifel an den eigenen Fähigkeiten laut. Doch ohne die in Verruf geratenen Derivate wird es in Zukunft nicht funktionieren, heißt es in der Branche.

Hamburg - Fondsmanager sind auch nur Menschen. Auf diesen einfachen Nenner lässt sich eine Studie von der Beratungsgesellschaft KPMG bringen. Wenngleich man es dort nicht so schlicht ausdrücken würde, sondern eher im diplomatischen Beraterjargon. "Es gibt ein weitverbreitetes Gefühl, dass die Fondsbranche erneut bewerten müsse, welches Geschäft sie ausübt und welche Risiken sie eingeht", lautet die vereinfachte Übersetzung aus dem Englischen.

Ein vergleichsweise deutliches Wort zur rechten Zeit. Denn die Fondsbranche hat sich von der Finanzkrise nicht lösen können. Sicher gibt es einzelne Manager, denen es gelungen ist, die Gelder ihrer Kunden zu schützen und zu mehren. Das hängt mit deren individuellen Fähigkeiten zusammen, aber auch mit der Anlageklasse, in der ein Fondsmanager aktiv ist. Der Verwalter eines Goldportfolios tut sich in der aktuellen Situation leichter als der Manager eines Dax-Fonds.

Gleichviel, auch 60 Prozent der befragten Anlageexperten glauben, dass das Vertrauen in Fondsmanager wegen der Kreditkrise zurückgegangen ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Achillesferse Nummer eins ist das Maß, mit dem Fondsmanager sich mit derivativen Strategien eingelassen haben. KPMG hat herausgefunden, dass 57 Prozent der Fondsfirmen Derivate in ihren Portfolios halten. Und ein Drittel jener Firmen, die mehr als zehn Milliarden Dollar verwalten, haben einen signifikanten Anteil in Derivate investiert, so die Studie. Aber 20 Prozent von ihnen räumen ein, dass sie keine Experten für diese Papiere im eigenen Haus hätten.

Achillesferse Nummer zwei ist der Umgang mit dem Risiko. KMPG stellt ein weitverbreitetes Gefühl fest, dass die Fondsfirmen ihre Art des Umgangs mit dem Risiko überdenken sollten. Immerhin vier von zehn befragten Unternehmen sagen, sie hätten ihre Form der Risikomessung bereits in den vergangenen zwei Jahren formalisiert. Ein ähnlich großer Anteil plant das in den kommenden zwei Jahren. Das gleiche Bild bei Bewertungsfragen - ein Drittel hat das bereits getan, ein weiteres Drittel will das machen.

Appetit auf Risiko ist verschwunden

Die Sorge um die zwei Achillesfersen soll dazu führen, dass die Welt der Fondsmanager sich ändert. Der Konservatismus der Anleger - immerhin 70 Prozent der Investoren sagen, der Risikoappetit sei gesunken - zwänge die Fondsmanager dazu, zu zeigen was sie können. So werden zum Beispiel neue Produkte kommen. KPMG spricht von Allwetterstrategien oder Lebenszyklusmodellen. Trotz allem gehen die Befragten davon aus, dass die Bedeutung der Fondsbranche steigen wird. In Zahlen: 55 Prozent glauben, dass in zwei Jahren mehr Geld in den Fonds stecken wird.

KPMG wäre kein Beratungsunternehmen, wenn es aus diesen Ergebnissen nicht seine eigenen Schlüsse zöge. Ohne Derivate und vergleichbare Investments geht es heutzutage nicht mehr. Erfolgreiche Firmen werden daher lernen müssen, besser damit umzugehen. Der Ratschlag der Berater: Erfahrene Investmentbanker sollten ihr Derivatewissen in die Fondsfirmen einbringen. Und es müsste mehr Geld ins Risikomanagement gesteckt werden.

Und zu guter Letzt eine Empfehlung, die mit etwas Fantasie sogar als leise Kritik am hohen Derivateeinsatz verstanden werden könnte - die Firmen sollten mehr auf die Kunden achten. Wenn diese einfache Produkte wollten, sollten sie sie auch bekommen.

manager-magazin.de

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