Wochenausblick Bernanke am Ball

Die kommende Woche wird spannend - nicht nur für Fußballfans, die mit der deutschen Nationalmannschaft um den Einzug ins Endspiel der EM zittern, sondern auch an den Börsen. Die Anleger richten ihren Fokus vor allem auf den Ölpreis, die Zinsentscheidung in den USA und neue Konjunkturdaten.

Frankfurt am Main - "Das wird mit Sicherheit keine langweilige Woche", prognostizierte MM-Warburg-Chefvolkswirt Carsten Klude. Ein Krisengipfel zum Thema Öl am Wochenende, ein Börsengang und Impulse von Seiten der Konjunktur werden erwartet.

Wichtig wird vor allem der Mittwoch, wenn - kurz vor dem Fußballspiel in Basel - die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekanntgibt. Noch haben die Anleger nichts zu befürchten, sind Experten sicher. Zwar hat Fed-Chef Ben Bernanke der Teuerung den Kampf angesagt und damit längerfristig eine Straffung der Geldpolitik angekündigt, gleichzeitig jedoch ließen Vertreter der Notenbank durchblicken, dass eine Zinserhöhung wegen der Konjunkturflaute jetzt noch nicht auf der Agenda steht. "Eine Zinserhöhung wäre eine Riesenüberraschung", sagte Klude.

Der Blick in die USA hatte schon in den vergangenen Tagen die Richtung am deutschen Aktienmarkt vorgegeben. Der dreifache Verfall am Terminmarkt sorgte am Freitag für starken Druck auf die Kurse, so dass der Dax  mit 6615 Punkten zum Wochenschluss gut 2 Prozent unter dem Niveau der Vorwoche lag und sich weiter von der Marke von 7000 Punkten entfernte. "Was uns definitiv weiter fehlt, ist die Fantasie für einen Dax jenseits der 7000 Punkte", sagt LBBW-Aktienstratege Steffen Neumann.

Nach Xetra-Schluss in Deutschland ging es auch an der New Yorker Börse weiter abwärts, was den Handelsauftakt am Montag belasten dürfte. Der Dow Jones sank auf den tiefsten Stand seit März. Nicht nur der wieder gestiegene Ölpreis habe belastet, sondern auch Sorgen über eine erneute Verschärfung der Kreditkrise, hieß es am Markt.

Der Dow Jones  schloss mit minus 1,83 Prozent auf 11.842 Punkte. Im Wochenvergleich verlor der Index 3,8 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index ging mit einem Abschlag von 1,86 Prozent auf 1317 Zähler ins Wochenende. Der Technologie-Index Nasdaq Composite  fiel um 2,27 Prozent auf 2406 Punkte und büßte damit im Wochenverlauf 2,0 Prozent ein.

Ölpreis dürfte die Märkte weiter belasten

Helfen könnte zwar der Ölpreis. Bei einer günstigeren Entwicklung sei es "jederzeit möglich", dass der Dax wieder deutlich anziehe. Allerdings folgte der heftig schwankende Ölmarkt diesen Wünschen zuletzt nicht. Von dem von Saudi-Arabien initiierten Krisengipfel in Dschidda am Wochenende erwarten sich Experten wenig. Nicht einmal vier Stunden sind für den offiziellen Teil des Treffens der wichtigsten Ölförderländer und größten Ölverbraucher eingeplant - einschließlich der Rezitation von Suren des Korans.

Saudi-Arabien hat zwar höhere Fördermengen angekündigt, war in der Opec aber auf Widerspruch gestoßen. Sollte am Sonntag nicht eine überraschend hohe Fördermengenausweitung jenseits der von Saudi-Arabien avisierten beschlossen werden, dürfte der Ölpreis kurzfristig ein potenzieller Belastungsfaktor bleiben - vor allem für Aktien aus Branchen wie Auto und Logistik, heißt es bei der LBBW.

Ifo-Index und US-Konjunkturdaten

Unter den Konjunkturdaten steht in Europa der Ifo-Index im Mittelpunkt. Im Mai hatte er mit einem Anstieg überrascht. Für Juni wird aber ein Rückgang erwartet: Von Reuters befragte Experten sagen im Schnitt einen Rutsch auf 102,3 von 103,5 Punkten voraus.

Aus den USA kommt eine Vielzahl von Daten zum Immobilienmarkt: der S&P/Case-Shiller Index, die Neubauverkäufe und Daten zur Zahl wiederverkaufter Häuser. Zum Wochenabschluss werden die persönlichen Konsumausgaben der Amerikaner und der Index der Uni Michigan veröffentlicht.

Stühlerücken im MDax

Die Quartalsberichtssaison in Amerika geht in eine Extrarunde. Für deutsche Investoren dürften besonders die Zahlen von Nike  und Oracle  interessant sein.

Ab Montag müssen sich die Investoren auf neue Namen in den deutschen Aktienindizes einstellen: Der Sanierer Arques Industries  muss den Platz im MDax  für den Schmierstoffhersteller Fuchs  Petrolub räumen. Daneben taucht mit dem chinesisch-deutschen Börsenkandidaten Sinosol am Mittwoch ein ganz neuer Name am deutschen Aktienmarkt auf.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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