Kreditkrise Aktion gegen 400 Beschuldigte

Die US-Justiz ist im Zusammenhang mit der Kreditkrise gegen mehr als 400 Verdächtige vorgegangen. Auch prominente Ex-Manager der Hedgefonds von Bear Stearns wurden in New York verhaftet. Nach Ansicht der Ermittler setzte der Immobilienboom mehr kriminelle Energie frei als die Internetblase zur Jahrtausendwende.

Washington - Durch Hypotheken-Betrügereien sollen die Beschuldigten einen Schaden von rund einer Milliarde US-Dollar (645 Millionen Euro) angerichtet haben. Auch zahlreiche Banken sind im Visier der Behörden. Die monatelangen Ermittlungen im Zuge der Finanzkrise erreichen damit einen neuen Höhepunkt.

Die fieberhaften Ermittlungen des FBI unter dem Codenamen "Heimtückische Hypothek" liefen seit Monaten. Mitte der Woche schlug die US-Bundespolizei dann in einer landesweiten Geheimaktion mit allein 60 Festnahmen und zahlreichen Razzien zu.

Seit März seien damit in einer Welle von Verhaftungen und Anklagen mehr als 400 Verdächtige im Zusammenhang mit Kreditbetrug ins Netz gegangen, bilanzierte Vize-Justizminister Mark Filip stolz. Schon jetzt glauben die Strafverfolger: Die kriminellen Machenschaften, die mit zur weltweiten Finanzkrise führten, dürften noch größer sein als beim Zusammenbruch der "New Economy".

Die bislang aufgedeckten Hypothekenbetrügereien erschüttern die USA bis ins Mark: Wie keine andere Volkswirtschaft der Welt lebt Amerika auf Pump - vom Staat bis zum kleinen Hausbesitzer. "Hypothekenbetrug ist eine ernsthafte Bedrohung unserer Wirtschaft, unseres Immobilienmarktes und für den Seelenfrieden von Millionen von amerikanischen Hausbesitzern", sagte Vize-Justizminister Mark Filip.

Die Anklagewelle zeigt nun, dass nicht nur die ausschweifende Hypothekenvergabe fast ohne Sicherheiten zur Kreditkrise führte. Auch unzählige kriminelle Kredithaie brachten das System zum Einsturz - mit bis heute schweren weltweiten Folgen. Die Finanzkrise hat damit laut Beobachtern eine neue Dimension erreicht.

"Gerechtigkeit wird geschehen"

"Gerechtigkeit wird geschehen"

FBI-Direktor Robert Mueller wählte deutliche Worte: "Wir ermitteln, verfolgen und Gerechtigkeit wird geschehen", sagte er am Donnerstag in Washington. Landesweit ermitteln 40 spezielle Task Forces der Bundespolizei in einer konzertierten Aktion mit Justiz und anderen Behörden in aktuell 1400 Fällen. Die Verdächtigen sollen Immobilien bewusst falsch bewertet, Unterlagen gefälscht und viele Vorschriften einfach missachtet haben. Zu den Beschuldigten zählen Immobilienmakler, Anwälte, Finanzierer und auch Kreditnehmer.

Die meisten Betrugsfälle stehen in Verbindung mit kaum besicherten Hypotheken für Kreditnehmer mit zweifelhafter Bonität ("Subprime"). Der reihenweise Ausfall dieser riskanten Subprime-Kredite bewirkte die bis heute anhaltende Finanzkrise. Weltweit mussten Banken deswegen bislang rund 400 Milliarden Dollar abschreiben. Mindestens noch einmal so viele Wertberichtigungen dürften folgen.

Besonders skrupellos gingen den Behörden zufolge zwei Hedgefondsmanager der Investmentbank Bear Stearns vor. In einer E-Mail soll Banker Matthew Tannin (46) seinem Kollegen Ralph Cioffi (52) laut Berichten lange vor dem spektakulären Scheitern ihrer Fonds unter anderem geschrieben haben: "Der Suprime-Markt sieht verdammt hässlich aus." Die Anleger ließen sie im Dunkeln. Derweil sollen sie eigenes Geld aus den Fonds abgezogen haben. Anleger verloren im Sommer 2007 rund 1,4 Milliarden Dollar.

Ihr früherer Arbeitgeber Bear Stearns stürzte später spektakulär fast in die Pleite. Ein Notverkauf der Bank an J.P. Morgan Chase  folgte - die Wall Street und mit ihr die Finanzmärkte weltweit standen deswegen im Frühjahr unter Schock. Tannin und Cioffi wurden am Donnerstagmorgen vom FBI in ihren Wohnungen festgenommen und müssen sich jetzt in New York vor Gericht verantworten. An der Wall Street dürften nun manche Banker zittern und noch einmal ihre alten E-Mails prüfen. FBI-Direktor Mueller warnte unmissverständlich: "Die Ermittlungen laufen weiter."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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