EZB Kleine Schritte, große Wirkung

Spekulationen, die Europäische Zentralbank könnte die Geldpolitik in mehreren Schritten deutlich straffen, haben einen klaren Dämpfer erhalten. Auslöser sind Äußerungen von EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi.

Mailand - Smaghi hält eine kleine Zinserhöhung für eine mittelfristig effektive Teuerungsbremse. Aus Sicht der EZB dürfte bereits eine Straffung um 25 Basispunkte genügen, um die Inflation in einem Zeitraum von 18 bis 24 Monaten unter die Marke von zwei Prozent zu drücken, sagte Bini-Smaghi der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" vom Dienstag.

Damit dämpfte der Italiener Spekulationen, die Zentralbank könnte die Geldpolitik in mehreren Schritten straffen. Eine Anhebung des wichtigsten Kapitalmarktzinses im Juli gilt am Finanzmarkt inzwischen als ausgemachte Sache.

In den vergangenen Tagen war wegen der hohen Teuerungsrate in der Euro-Zone ebenfalls über eine Serie von Zinsanhebungen spekuliert worden. Nach den Äußerungen Bini Smaghis gab der Euro zum Dollar um rund einen halben Cent auf rund 1,55 Dollar nach.

Auch in den USA wird weiter über die folgenden Zinsschritte gemutmaßt. Die Spekulationen über US-Zinserhöhungen in den kommenden Monaten sind nach Einschätzung führender Wirtschaftszeitungen allerdings übertrieben. Es sei äußerst wahrscheinlich, dass die Fed die Zinssätze bei ihrem nächsten Treffen am 24. und 25. Juni unverändert belasse, hieß es am Dienstag im "Wall Street Journal". Zwar sei eine Erhöhung im August nicht ausgeschlossen, entsprechende Markterwartungen seien jedoch "zu aggressiv".

Auch die "Financial Times" bezeichnete die Erwartungen größerer Zinsschritte als übertrieben. US-Zinsfutures zeigen, dass Investoren im August weitgehend von einer Erhöhung des Schlüsselzins um 0,25 Basispunkte auf 2,25 Prozent ausgehen. Vor Jahresende sind im Schnitt Zinserhöhungen um insgesamt 75 Basispunkte eingepreist.

Dem hielt das "Wall Street Journal" entgegen, dass die Fed zwar ihre Wachsamkeit im Hinblick auf die Inflation demonstrieren wolle, gleichzeitig aber der Wirtschaft Zeit geben wolle, sich von den jüngsten Turbulenzen am Häusermarkt und auf den Finanzmärkten zu erholen. Die Fed werde sich daher kommende Woche vermutlich etwas deutlicher als im Mai zu den Inflationsrisiken äußern, die vom Markt erwartete Zinserhöhungen wohl aber kaum schon im August oder vorher beschließen, berichtete die Zeitung.

manager-magazin.de mit Material von reuters