Holzmann Binder geht, Hinrichs kommt

Der zeitweise bekannteste Manager der Republik, Heinrich Binder, wird sich die Sanierung des Baukonzerns von aussen ansehen. Neuer Holzmann-Chef wird Konrad Hinrichs, bis 1996 beim Konkurrenten Züblin.

Frankfurt - Heinrich Binder hat den Aufsichtsrat laut einer Ad-hoc-Mitteilung vom Donnerstag gebeten, zum 14. Dezember aus dem Vorstand ausscheiden zu können. Nachfolger wird Konrad Hinrichs.

Die über 30-jährige Erfahrung des designierten Vorstandsvorsitzenden der Philipp Holzmann AG, Konrad Hinrichs, in der Baubranche wird bei dem Konzern hoch eingestuft. Seine Kompetenz sei "unschätzbar", sagte Holzmann-Sprecherin Petra Rob. Der Aufsichtsrat habe jemanden haben wollen, der über Erfahrung im Baugeschäft verfügt.

Hinrichs war nach drei Jahren bei dem Münchener Unternehmen Polensky & Zöllner zwischen 1966 und 1996 bei der Ed Züblin AG, Stuttgart, tätig, davon 17 Jahre im Vorstand. Von 1988 bis Ende 1996 war der heute 62-jährige Vorstandsvorsitzender von Züblin.

Bis Ende 1996 hatte Hinrichs, der seit 1984 an der Universität Stuttgart über "Angebots- und Vertragswesen im Auslandsbau" lehrt, zudem als Mitglied einen Sitz im Präsidium des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Der Arbeitnehmer-Vertreter im Holzmann-Aufsichtsrat, Jürgen Mahneke, sagte über den designierten Vorstandsvorsitzenden Hinrichs: "Er ist von Haus aus ein Bauingenieur und hat eine klare Vorstellung davon, wie er das Restrukturierungskonzept umsetzen will." Laut Mahneke wird es durch den Wechsel an der Konzernspitze keine Veränderungen an dem Konzept geben.

Frühere Wirtschaftsprüfer-Testate bleiben

Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag zudem den Auftrag erteilt, neben den bereits laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unverzüglich zivilrechtliche Maßnahmen gegen ehemalige Mitglieder der Unternehmensführung einzuleiten.

Der Bericht und die Prüfungsfeststellungen des Sonderprüfers Ernst & Young ließen "zweifelsfrei erhebliche Pflichtverletzungen früherer Vorstandsmitglieder und leitender Mitarbeiter" erkennen, so das Unternehmen.

Ferner habe sich der Aufsichtsrat am Donnerstag die Ursachen erläutern lassen, die zu einem voraussichtlichen Jahresverlust von rund 2,4 Milliarden Mark geführt haben, heißt es in der Mitteilung. Der Gesamtbetrag der Verluste werde im Jahresabschluß 1999 ausgewiesen und von einer Öffnung früherer Abschlüsse nach heutigem Kenntnisstand Abstand genommen, so der Aufsichtsrat.

Die Bestätigungsvermerke der KPMG für die Vorjahre stünden deshalb nicht in Frage. Der Aufsichtsrat erklärte, er "unterstreicht nachhaltig die gegebene Sanierungsfähigkeit des Unternehmens".

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