Wirtschaftskriminalität Empfehlungen

Der organisatorische Rahmen eines Unternehmens bildet die Basis möglicher präventiver Maßnahmen. Deshalb müssen in einem ersten Schritt die Unternehmensstruktur und -prozesse analysiert und optimiert werden.

Zur Identifizierung möglicher Maßnahmen ist es hilfreich, die einzelnen Stufen der Risikosteuerung zu betrachten.

Effiziente Kontrollmechanismen sind notwendig, um die Einhaltung organisatorischer Vorgaben zu überwachen. So reduzieren beispielsweise ein konsequent umgesetztes "Vier-Augen-Prinzip" und eine strenge Funktionstrennung das Risiko, daß Mitarbeiter dem Unternehmen einen finanziellen Schaden zufügen.

Ein homogenes Wertemanagementverbessert das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter. Je wohler sich ein Arbeitnehmer in seiner Firma fühlt, desto loyaler verhält er sich.

Dennoch verbleibt ein Restrisiko, insbesondere im Hinblick auf kollusives Verhalten von Mitarbeitern und Unternehmensexternen. Es kann nie völlig ausgeschlossen werden, daß zum Beispiel mehrere Arbeitnehmer gemeinsam die implementierten Kontrollmechanismen umgehen. Wie dieses Restrisiko behandelt wird, ist Teil des unternehmerischen Risikomanagement. Beispielsweise kann das Risiko, Vermögensschäden durch eigene Mitarbeiter zu erleiden, mit einer Vertrauensschadenversicherung reduziert werden. Oder das Restrisiko wird im Unternehmen als Maßnahme der Bewußtseinsschärfung aktiv kommuniziert.

Checkliste

KPMG Integrity Services hat eine Kurzanalyse zur Identifizierung von Riskobereichen entwickelt. Ziel der sogenannten Risikoprofilanalyse ist es, Schwachstellen in der Organisation des Unternehmens zu identifizieren und daraus resultierende wesentliche Risiken zu bestimmen.

Beispielhaft sind nachfolgend einige ausgewählte, besonders relevante Fragestellungen aufgeführt.

Bereich: Fragestellungen

Einkauf/Vertrieb: Gibt es klare Richtlinien für die Einholung mehrerer Angebote oder etwa die Durchführung von Ausschreibungsverfahren? Verfügt das Unternehmen über einen Verhaltenskodex für Einkäufer?

Produktion: Gibt es eindeutige Anweisungen für die Identifizierung und Behandlung von Ausschußproduktion?

Personalwesen: Wird bei der Einstellung auf einen lückenlosen Lebenslauf geachtet?

Investition/Finanzierung: Erfolgt ein Soll-/Ist-Vergleich zwischen Vorkalkulation und tatsächlichen Kosten der Inve-stition?

Rechnungswesen: Ist die Bearbeitung von Zahlungsvorgängen von der Verbuchung der Geschäftsvorfälle personell getrennt?

Lagerhaltung und Inventur: Erfolgt unmittelbar bei Anlieferung eine Kontrolle der Zugänge auf Übereinstimmung mit der Bestellung hinsichtlich Art, Qualität und Menge?

Organisation: Sind die leitenden Mitarbeiter über Warnzeichen für dolose Handlungen umfassend informiert?

EDV: Werden Zugriffsrechte ausschließlich nach dem "Need to Know-Prinzip" vergeben und Paßwörter regelmäßig geändert?

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