Conti Rätselhafter Kursrutsch

Während die Werte am Neuen Markt kräftig zulegen, gewinnen die Dax- und MDax-Titel nur mit Übernahme-Phantasie. Viele andere wie der Reifengigant aus Hannover verlieren - und werden so selbst zu Übernahmekandidaten.

Hannover - Das Unternehmen verfügt über eine sinnvolle Strategie, die Zukunftsaussichten sind glänzend und die Ertragslage kann sich durchaus sehen lassen. Aber die Börse honoriert die Bemühungen der Continental AG, Hannover, nicht und lässt den Wert praktisch links liegen.

Am Mittwoch verlor die Conti-Aktie erneut knapp fünf Prozent an Wert und überschritt nachhaltig den Jahrestiefstand vom August. Das sich für Conti daraus ergebende Problem: Bei einer Börsenkapitalisierung von mittlerweile nur noch 2,6 Milliarden Euro und einem free float von deutlich über 50 Prozent ist der Reifenhersteller billig zu haben und anfällig für Übernahmen.

"Natürlich kann die gute strategische Position der Conti und ein vorübergehend niedriger Börsenkurs das Unternehmen für eine feindliche Übernahme interessant erscheinen lassen", räumte der Conti-Vorstandsvorsitzende Stephan Kessel im kleinen Kreis ein. Konkret sieht er die Gefahr aber nicht, "zumal es nicht im Interesse unserer Aktionäre ist". Erhebliche Zweifel hat Kessel auch, "ob eine feindliche Übernahme unseren Kunden, den Automobilherstellern, gleichgültig wäre.

Schon einmal Pirelli abgewehrt

Gleichwohl, Conti muss aufpassen, nicht in die gleiche Situation wie 1987 zu kommen. Damals hatte das Unternehmen nach der Übernahme von General Tire eine Bilanzkonstellation vorzuweisen, die die Pirelli & C. SpA, Mailand, zu einem feindlichen Übernahmeversuch veranlasste. Kessel erklärt dazu: "Im übrigen ist bei Continental nach dem Abschmettern einer Übernahme durch Pirelli Selbstbewusstsein und eine stärkere Orientierung auf den Shareholder-Value eingekehrt".

Es mag sein, dass Kessel sich nicht so pessimistisch zu den Aussichten der Automobilindustrie äußert wie viele andere, da negative Ausblicke kein Labsal für den Börsenkurs sind. Er selbst vermag auf dem europäischen Automobilmarkt keine Krise zu erkennen. "Es mag einzelne Hersteller geben, die Probleme haben", sagte Kessel. Aus der Sicht von Conti aber könne von einer allgemeinen Schwäche der Autokonjunktur keine Rede sein. "Einen Absatzrückgang sehe ich derzeit nicht", zeigte er sich zuversichtlich.

Autoelektronik als zweites Standbein

Das Unternehmen selbst sieht er für die Zukunft bestens gerüstet. Langfristig könne Conti "nur erfolgreich sein". Die Strategie, neben dem Reifen ein zweites Standbein rund um das elektronische Fahrwerk aufzubauen, sei überzeugend. "Selbst wenn die Autokonjunktur sich 2000/2001 abschwächen sollte, wird Conti von dem wachsenden Bedarf an Elektronik im Auto profitieren".

Eine weitere Möglichkeit, sich gegen feindliche Übernahme zu wappnen - wenn es der Börsenkurs schon nicht hergibt - sind eigene Akquisitionsbestrebungen. Aktuell gebe es hier aber keine Gespräche oder Verhandlungen. Nachgesagt wird Conti ein Interesse an dem Bereich Automotive Systems von Mannesmann, der im kommenden Jahr abgespalten werden soll. Das im Markt sicherlich "interessante Kombinationen dabei" wären, streitet Kessel nicht ab.

Michael Brendel, vwd

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