Solardeal Bosch schluckt Ersol

Der nächste Deal in der Ökoenergiebranche ist perfekt. Der Erfurter Solarzellenhersteller Ersol wird vom weltgrößten Autozulieferer Bosch übernommen. Die Stuttgarter zahlen eine üppige Übernahmeprämie. Die Ersol-Aktie schießt deshalb nach oben. Das Kursfeuerwerk erfasst auch die anderen Solarwerte.

Hamburg - Bosch übernimmt zunächst 50,45 Prozent der Anteile an dem Solarzellenhersteller und zahlt dafür 546,4 Millionen Euro an den Ersol-Eigner Ventizz. Daraus erhält der Finanzinvestor 101 Euro je Ersol-Aktie. Das ist ein Aufschlag von 63,3 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Freitag. Damit wird Ersol mit knapp 1,1 Milliarden Euro bewertet. Der Vertrag sei bereits geschlossen, teilten Bosch und Ersol  mit.

Für die restlichen Ersol-Papiere werde Bosch ein öffentliches Übernahmeangebot vorlegen. Ersol-Chef Claus Beneking kündigte seinen Rücktritt für die kommenden Monate an. Die Kartellbehörde müsse dem Kauf des Aktienpakets noch zustimmen, hieß es weiter.

Der hohe Aufschlag löste am Montagmorgen ein Kursfeuerwerk bei den Solarwerten aus. Die Ersol-Aktie schnellte um 63,1 Prozent auf knapp 101 Euro in die Höhe. Solon-Papiere  legten um gut 10 Prozent zu, Conergy  um 9 Prozent, und Solarworld  verteuerten sich um 6,6 Prozent.

Schon Ende vergangener Woche hatten Solarwerte deutlich Auftrieb bekommen. Sie profitierten dabei von der Entscheidung der Bundesregierung, die Förderung für Strom aus Solaranlagen nicht so stark wie erwartet zu kürzen. Im vergangenen Jahr hatte der Übernahmekampf um den Windkraftanlagenhersteller Repower  Phantasien in der gesamten Branche beflügelt.

Bosch will mit dem Erwerb nach eigenen Angaben das Geschäft im Bereich regenerativer Energien stärken. "Dieses Geschäft wollen wir in Richtung Photovoltaik gemeinsam mit Ersol ausbauen, einem erfolgreichen Unternehmen auf diesem Gebiet. Wir setzen dabei in starkem Maße auf das Know-how und die Erfahrung der Führungskräfte und Mitarbeiter von Ersol", sagte Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung.

Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz mit Systemen zur Nutzung regenerativer Energien 750 (Vorjahr: rund 500) Millionen Euro erreichen. Für das Geschäftsjahr 2010 seien Erlöse von 1,2 Milliarden Euro geplant. Diese Prognosen beinhalteten noch nicht die Ersol-Umsätze, betonte ein Sprecher am Montag auf Anfrage. Bislang beträgt der Jahreskonzernumsatz der Stuttgarter gut 46 Milliarden Euro.

Ersol setzte 2007 mit gut 800 Mitarbeitern rund 160 Millionen Euro um und plant für dieses Jahr eine Umsatzverdopplung. Das in Erfurt ansässige Unternehmen hatte das im ersten Quartal bereits geschafft. Aufgrund von guten Geschäften im Ausland verdoppelte sich der Umsatz auf 52,4 Millionen Euro. Operativ verdiente Ersol mit 7,7 Millionen Euro 79,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

manager-magazin.de mit Material von dpa und Dow Jones

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