Prognose Auch 2000 gehen Aktien gut

Für das nächste Jahr erwarten Analysten nur leicht steigende Zinsen und bleiben für Aktien optimistisch. Nur Crash-Prophet Roland Leuschel warnt: Wenn die Japaner mal ihr Spargeld aus den USA abziehen...

Frankfurt - Zins- und Aktienprognosen für 2000 haben Konjunktur, trotz der Schieflagen vieler Prognostiker vor einem Jahr. Das Forum Institut für Management veranstaltet seit Jahren Anfang Dezember in Frankfurt ein Zins- und ein Aktien-Forum. Im Dezember 1998 guckten fast alle in die falsche Richtung; die Teilnehmer auf dem Podium gingen - schon angesteckt von der Deflationsangst - davon aus, dass die damals niedrige Umlaufrendite (Bund) von 3,7 Prozent in einem Jahr eher noch niedriger liegen wird, sie stieg dagegen auf fünf Prozent. Wer nun zerknirschte Zins- und Börsenpropheten erwartet hatte, lag auch schief.

"Zum Glück lag ich mit meiner Zinsprognose daneben. Hätte ich richtigerweise steigende Zinsen gesehen, hätte ich nicht den Mut zu Aktien gehabt und die Superhausse versäumt", so Heiko H. Thieme (Thieme Associcates und vormals Deutsche Bank Capital New York) am Dienstag. Für 2000 sieht Thieme nun nochmals sinkende Zinsen und sagt zu den "Aktien 2000": Ja zu New York und Frankfurt, Vorsicht zu Japan (zu großer Vertrauensvorsprung für Yen und Aktien heute).

Und weil Y2K bevorsteht, prognostiziert Entertainer Heiko Thieme gleich den Dow in 100 Jahren auf 8.000.000. Norbert Walter (Deutsche Bank) erwartet für 2000 eher steigende Zinsen, Ulrich Hombrecher (WestLb) leicht steigende Zinsen mit Tendenz "seitwärts".

Bundesbank-Chefökonom Hermann Remsperger übte "verbale Enthaltsamkeit" und machte keine Zinsprognosen, hieß aber Wachsamkeit der Geldpolitik im Eurosystem angesichts der monetären Expansion und des Ölpreisanstiegs mit dem Risiko von Sekundäreffekten für geboten.

Sachverständigenratmitglied Prof. Juergen Donges war hier eine Spur deutlicher, er sprach offen von weiteren Zinserhöhungen durch den EZB-Rat im nächsten Jahr, wobei er auch die Renditen anziehen sieht. Hombrecher erkennt für 2000 aus heutiger Sicht nur einen EZB-Zinsschritt nach oben auf 3,25 (3,00) Prozent, Walter gleich drei auf 3,75 Prozent. Walter zum Rentenmarkt: "Die Renditen steigen weiter, aber das Schlimmste ist vorbei."

Beim Aktien-Forum entgegnete dem Superoptimisten Thieme der Skeptiker (er nennt sich Realist, andere bezeichnen ihn als Crash-Propheten) Roland Leuschel: "Sollten die Japaner, und es gibt konkrete Anhaltspunkte dafür, ihre Wirtschaft in den nächsten Jahren wieder in Schwung bekommen, und sollten die Japaner nicht nur ihre Spargelder im Lande anlegen, sondern sogar einen Teil ihrer Sparguthaben aus Amerika abziehen, dann - ja dann - ist 'Crash Time'". In seinem Risiko-Szenario sieht Hombrecher ein ähnliches "explosives Gemisch", wenn in den USA das Soft Landing nicht gelingt beim riesigen Leistungsbilanz-Defizit und der schwachen Sparneigung der US-Bürger.

"Es ist möglich, dass die nächste Krise aus einer Richtung kommt, die heute noch ganz unvorhergesehen ist", sagte Klaus Friedrich (Dresdner Bank) und denkt an Protektionismus und an die Politik; "die Bilder aus Seattle waren höchst beunruhigend". Schon die Möglichkeit aber, dass die Liberalisierung des Welthandels ins Stocken geraten oder gar den protektionistischen Rückwärtsgang einlegen könnte, sollte uns zu denken geben. "Hier liegt eine Gefahr für die Finanzmärkte, und dies insbesondere für die 'unschuldigen Dritten', die Emerging Markets." Aber der Optimismus überwog sowohl beim Zins- als auch beim Aktien-Forum.

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