Bear Stearns 85-jährige Bank in zehn Minuten aufgelöst

Bear Stearns existiert nicht mehr. Die Aktionäre der New Yorker Investmentbank genehmigten auf einer kurzen Hauptversammlung den Notverkauf an den Wettbewerber J. P. Morgan. Der Fall von Bear Stearns ist das bisher spektakulärste Opfer der Kreditkrise. Gleichzeitig hat die Rettung im März den Märkten Vertrauen zurückgebracht.

New York - Nach 85 Jahren der Unabhängigkeit schlüpft die US-Investmentbank Bear Stearns unter das Dach von J. P. Morgan Chase & Co.  Auf einer nur zehn Minuten dauernden Hauptversammlung stimmten die Aktionäre zu 84 Prozent für eine Übernahme der Bank durch den einstigen Konkurrenten für eine Milliarde US-Dollar. Im Januar 2007 hatte Bear Stearns noch einen Marktwert von 20 Milliarden Dollar.

Im Zuge der Kreditkrise war Bear Stearns in eine Vertrauenskrise geschlittert. Marktteilnehmer hatten ihre Kreditgeschäfte mit Bear Stearns zurückgefahren und die Bank an den Rand einer Insolvenz gebracht. In einer gemeinsamen Rettungsaktion Mitte März hatten die US-Notenbank und J. P. Morgan einen Zusammenbruch abgewendet.

Nach der Zustimmung der Aktionäre wird das Geschäft am Freitag abgeschlossen. J. P. Morgan wird für eine Milliarde Dollar an Verlusten im Zusammenhang mit Bear Stearns' Geschäften geradestehen. Die Notenbank erklärte sich für die Begleichung von bis zu 29 Milliarden Dollar weiterer Verluste bereit, um das Bankensystem zu stabilisieren.

Die Retter vereinbarten am Donnerstag zudem, Aktiva von Bear Stearns im Volumen von 30 Milliarden Dollar bis zum 26. Juni zu verkaufen. Die Zeit bis dahin sei nötig, um eine geschmeidige Übertragung des Portfolios angesichts seiner Größe zu ermöglichen, sagten die Beteiligten.

Unterdessen hat es J. P. Morgan schwer, die Mitarbeiter von Bear Stearns bei der Stange zu halten. Bis jetzt haben schon 50 der etwa 400 Broker dem Haus den Rücken gekehrt und sind zur Konkurrenz gewechselt. Diese lockt mit enormen Gehaltsaufschlägen vor allem erfolgreiche Händler an. Auch J. P. Morgan bemüht sich jetzt verstärkt um die besten Köpfe und bietet Gehaltssteigerungen und höhere Boni an. Ziel dabei ist sogar eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl. 1000 Broker sollen den Privatkundenbereich von Bear Stearns wieder auf die Beine bringen.

Am Mittwoch hatte das "Wall Street Journal" berichtet, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Vorgänge rund um die Beinahe-Insolvenz von Bear Stearns untersuchen wolle. Dazu würden derzeit die Handelsdaten der vergangenen Wochen vor der Rettungsaktion hinsichtlich ungewöhnlicher Abweichungen überprüft. Nach Angaben der Zeitung sind signifikante Bewegungen bei Geschäften mit Credit-Default Swaps (CDS) feststellbar. Diverse Marktteilnehmer hätten im Vorfeld solche Geschäfte stark reduziert, was die Liquiditätslage von Bear Stearns zusätzlich verschlimmert habe.

manager-magazin.de mit Material von dow jones

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