Ökostrom Koalition verschont Solarunternehmen

Die Koalition hat sich auf die künftige Förderung des Ökostroms verständigt und die Solarbranche von drastischen Einschnitten verschont. Die Solarbranche ist erleichtert: Analysten raten bei Solartiteln allerdings zur Vorsicht.

Frankfurt am Main/Berlin - Nach einer Dauersitzung in der Nacht zum Freitag änderten Union und SPD die Pläne der Regierung nur wenig. Die von Teilen der Union geforderte drastische Kürzung der Hilfen für die Solarbranche wurde abgewehrt, die Windstrom-Förderung ab 2009 leicht stärker erhöht als zuletzt geplant.

In Koalitionskreisen hieß es, damit wolle man den Ökostrom-Anteil auf mindestens 30 Prozent bis 2020 steigern. Die Solar-Aktien an der Frankfurter Börse reagierten mit Kurssprüngen, die Branche äußerte sich erleichtert.

Nach Angaben des stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Kelber könnte die Gesetzesnovelle für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) noch in der kommenden Woche im Parlament beraten und verabschiedet werden. "Ich bin sehr zufrieden", sagte er Reuters nach der gut achtstündigen Sitzung. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte eine Kürzung der Solarförderung um bis zu 30 Prozent in den nächsten Jahren verlangt.

Ökostrom wird zu gesetzlich festgelegten Fördersätzen ins Netz eingespeist. Die Preisdifferenz zu konventionellem Strom wird durch eine Umlage auf alle Verbraucher verteilt. Das EEG gilt als wichtigste Instrument, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.

Solarbranche mit künftiger Förderung zufrieden

Nach Worten des SPD-Solar-Experten Hermann Scheer wird das Minus für Dachanlagen nun 2009 und 2010 acht Prozent betragen, 2011 dann neun Prozent. Dies entspricht in etwa den Plänen von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Lediglich bei Freiflächenanlagen und solchen mit größerer Leistung sollen die Hilfen etwas stärker abgeschmolzen werden. Durchschnittlich über alle Anlagen beträgt die sogenannte Solar-Degression damit nach Angaben aus der Koalition zehn Prozent im Jahr 2009 und in den folgenden Jahren dann sieben Prozent und acht Prozent.

Der Chef des Solarunternehmens Solarworld, Frank Asbeck, nannte die neuen Fördersätze erträglich. "Damit kann die Branche leben", sagte er Reuters. Auch sei es nun weiterhin möglich, wie angestrebt, 2015 die Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom zu erreichen.

Die Solarbranche beschäftigt in Deutschland rund 40.000 Menschen, davon einen Großteil in Ostdeutschland. Daher hatten auch dortige CDU-Landesregierungen vor großen Einschnitten gewarnt. Die Solarbranche erhält im Vergleich zum Windstrom höhere Hilfen, erzeugt aber weit weniger Strom.

Mehr Förderung für Wind, Biomasse und Wasserkraft

Bei Windstrom wurde die Förderung nach Angaben aus der Koalition gegenüber den Plänen des Umweltministeriums noch einmal erhöht. So soll für die Kilowattstunde Off-Shore-Strom nun 13 Cent statt zwölf Cent gezahlt werden.

Hier soll der größte Zuwachs bis 2020 beim Ökostrom herkommen. Auch Biomasse-Anlagen und große Wasserkraftwerke bekommen auf Drängen von CSU-Vertretern eine noch höhere Förderung als von Gabriel geplant.

Die Solarwerte im TecDax  legten mit Aufschlägen zwischen 4 und 6 Prozent zum Teil deutlich zu.

Analysten raten zur Vorsicht

Analysten raten zur Vorsicht

"Das klingt nach einer vernünftigen Lösung für den deutschen Markt", sagte HSBC-Analyst Burkhard Weiss zu der Koalitionsvereinbarung. Es habe vor der Entscheidung - verstärkt von negativen Analystenkommentaren - große Unsicherheit und Nervosität am Markt gegeben. "Jetzt dürften wir eine Erholungsrally sehen." Die nun nach Kreisen zitierten 8 Prozent Degression für 2009 seien sogar moderater als zuvor angenommen. "Das sollte schon sehr positiv auf die Kurse wirken."

Die teilweise negativen Wachstumsprognosen für den Solarsektor teilt Weiss nicht. Zwar schließt er potenzielle Überkapazitäten für 2009 und 2010 nicht aus, sieht aber in den USA und Spanien weiter hohes Wachstumspotenzial. Auch in Märkten wie Griechenland und Italien sei die Solarindustrie auf dem Vormarsch. Die Kürzungen der Subventionen in Deutschland sollten nach Meinung von Weiss in den kommenden Jahren durch dezentrale Stromversorgung aufgefangen werden. "Dann wird für die Verbraucher der Preis für Strom aus der Steckdose teurer sein als die Elektrizität von eigenen Solarzellen auf dem Dach."

WestLB-Analyst Peter Wirtz schrieb in seiner Analyse zu Solarworld, endgültige Details für das Erneuerbare-Energien-Gesetz würden noch verhandelt und vermutlich am Montag veröffentlicht. Er habe das Worst-Case-Szenario der Subventionskürzungen von 25 oder 30 Prozent aber nie für wahrscheinlich gehalten. Die meisten ostdeutschen Bundesländer hätten so viel Fördergelder in den Solarsektor gesteckt, dass eine solche Kürzung ein Risiko darstelle.

Insgesamt dürfte die Entwicklung der Solar-Aktien aber volatil bleiben, so Wirtz weiter. Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Rückgang der Einspeisungstarife in Deutschland und Spanien, der starke Aufbau von Kapazitäten und die Verfügbarkeit von viel höheren Mengen von Silizium von 2009 an dürften Spekulationen über negative Margentrends in diesem Jahr schüren. Für Solarworld sieht Wirtz nach einem Kursrückgang von mehr als 20 Prozent seit Anfang Mai allerdings gute Erholungschancen.

Equinet-Analyst Sebastian Growe warnte unterdessen davor, aggressiv Positionen bei den Solartiteln aufzubauen, bevor am Montag weitere Details bekannt gegeben würden. Grundsätzlich bleibe er aber bei seiner positiven Einschätzung für Upstream-Player wie Roth & Rau, Ersol und Q-Cells im Gegensatz zu seiner negativen Haltung gegenüber Unternehmen im Downstream-Geschäft wie Conergy.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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