CDU Weiteres Abrücken von Kohl

Die Parteispitze distanziert sich immer mehr vom langjährigen CDU-Chef Helmut Kohl. Ausser ihm habe kein Führungsmitglied von den Konten gewusst. Der Ehrenvorsitzende habe die neue Führung nicht unterrichtet.

Berlin - Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von den schwarzen Konten unter Kohl. "Nein, ich habe von diesen Konten nichts gewusst", sagte Hintze am Sonntagabend in der ARD. "Ich war der festen Überzeugung, dass wir das gesamte Finanzgebaren unserer Partei im Blick hatten. Wir hatten keinen Einblick, dass es neben der ordentlichen Kontoführung noch eine weitere gab."

Der Schweriner CDU-Landtagsfraktionschef Eckhardt Rehberg forderte seine Partei zur Offenheit auf. Die Union müsse "alle Karten offen auf den Tisch legen", sagte Rehberg in Schwerin.

Es wäre fatal, wenn nach der Erklärung des ehemaligen Parteichefs Helmut Kohl nun noch "scheibchenweise delikate Details" an die Öffentlichkeit dringen würden. Das könnte Kohl persönlich und auch die Partei schwer beschädigen. Die Union hätte dann ihren politischen Gegnern in die Hand gespielt.

Schäuble ahnungslos

Kohl waren von einem inzwischen suspendierten hochrangigen Mitarbeiter der Parteizentrale brisante Unterlagen zugespielt worden. Über deren Existenz hatte Kohl weder Parteichef Wolfgang Schäuble noch andere Verantwortliche unterrichtet - auch nicht bei der Krisensitzung des CDU-Präsidiums vergangene Woche in Berlin.

Die Staatsanwaltschaft Bonn will in dieser Woche entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl eingeleitet wird. Der Leitende Oberstaatsanwalt Dieter Irsfeld prüft derzeit, ob es Anlass für ein solches Verfahren gibt.

Der Hauptabteilungsleiter Verwaltung im Konrad-Adenauer-Haus, Hans Terlinden, wurde nach Angaben einer Parteisprecherin am Donnerstag mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Inoffiziell wurde bei der CDU bestätigt, dass es sich bei den Unterlagen, die zu der Suspendierung führten, um das Protokoll der Vernehmung des CDU-Steuerberaters Horst Weyrauch durch die Augsburger Staatsanwaltschaft im November handelte.

Kohl selbst versucht nach Angaben des Magazins "Focus", die Aufklärung der Affäre zu behindern. Bei einer Weihnachtsfeier der Unionsfraktion habe Kohl alte Weggefährten gewarnt: "Haltet die Klappe, Euer Landesvorsitzender hat doch auch Geld gekriegt!"

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