Kirch-Gruppe Murdoch ist drin

Leo Kirch braucht Geld, und das bekommt er jetzt von seinem TV-Kollegen Rupert Murdoch. Der Medienmogul zahlt 2,9 Milliarden Mark für den Einstieg ins deutsche Abonnementfernsehen. 2003 gibt es Anteile an der Börse.

München - Nach dreimonatigen Verhandlungen haben sich Leo Kirch und Rupert Murdoch auf eine Verflechtung ihrer Pay-TV-Unternehmen KirchPayTV und British Sky Broadcasting Group plc (BSkyB) geeinigt.

BSkyB bringt eine Milliarden Mark in bar in die von Kirch betriebene Pay-TV-Plattform 'Premiere World' ein und erhält damit 24 Prozent an dem Unternehmen, Kirch erhält im Gegenzug neue BSkyB-Aktien im Marktwert von 1,9 Milliarden Mark und damit 4,3 Prozent an dem Unternehmen. Teil der am Wochenende unterzeichneten Vereinbarung sind Minderheitsrechte für BSkyB und eine bis zum Jahr 2001 befristete Ausstiegsklausel.

Wenn 'Premiere World' bis dahin seine Ertragsziele und eine bestimmte Abonnentenzahl um mehr als 20 Prozent verfehlt, kann BSkyB ihre Anteile an Kirch zurückgeben - oder, falls dieser sie nicht will, die unternehmerische Führung selbst übernehmen und die Beteiligung auf 51 Prozent aufstocken.

Den Business-Plan, in dem die Kennzahlen festgelegt sind, bezeichnete der stellvertretende Geschäftsführer der KirchGruppe, Dieter Hahn, am Montag in München als "sehr konservativ". "Es sieht so aus, als wären wir deutlich besser", sagte er.

Ab 2003 an die Börse

Auch BSkyB-Chief-Executive Tony Ball sagte, das deutsche Abo-Fernsehen besitze ein großes Wachstumspotenzial. Deutschland habe die niedrigste Penetration aller großen europäischen Länder im Bezahlfernsehen, erklärte Hahn. Im Jahr 2003 sollen maximal 20 Prozent von KirchPayTV, die "ungefähr 2002" den Breakeven erreichen soll, an die Börse gebracht werden.

Mit dem BSkyB-Einstieg wird die KirchGruppe ein Gesellschafterdarlehen über eine Mrd DEM an KirchPayTV in Eigenkapital umwandeln. Damit stünden für 'Premiere World' knapp vier Milliarden Mark Eigenmittel zur Verfügung, rechnete Hahn vor. Mit dem Mittelzufluss wird zunächst ein Überbrückungskredit über 1,56 Milliarden Mark an die Bayerische Landesbank Girozentrale (BayernLB), München, zurück gezahlt. Bis Ende des nächsten Jahres will KirchPayTV auch drei Milliarden Mark Bankschulden langfristig umfinanzieren und eine weitere Milliarde zum Ausbau der Plattform neu finanzieren.

Ein Konsortium unter Führung der Chase Manhattan Corp, New York, werde rund vier Milliarden Mark von Kreditgebern international einsammeln, eine internationale Anleihe über 500 Millionen könne hinzu kommen. Insgesamt wird Kirch für den Aufbau von 'Premiere World' sieben Milliarden Mark aufwenden - Zinsen nicht eingerechnet.

"Überhöhte" Verluste eingeräumt

Bis zum Erreichen der Gewinnschwelle sollen weitere 2,1 Milliarden Mark fällig sein, 400 Millionen Mark mehr als noch im Sommer veranschlagt, die als "Spielraum" für neuen Kanäle und Rechteerwerb dienen sollen. "Der Weg war mit teilweise überhöhten Verlusten gepflastert", gab Geschäftsführer Hahn zu.

Auch bei größeren Transaktionen zwischen der KirchGruppe und KirchPayTV und bei großen Investitionen im Sport hat BSkyB sich ein Mitspracherecht einräumen lassen.

Hahn rückt als Non-Executive-Member in den Board von BSkyB ein, Ball und Martin Pompadour von BSkyB im Gegenzug in den dann sechsköpfigen AR von KirchPayTV.

Abo-Zahlen bis Break-even verdoppeln

PayTV-Geschäftsführer Markus Tellenbach verspricht sich von der neuen Verbindung einen "gezielten Knowhow-Transfer" im Marketing und im Vertrieb. Bis zum Jahresende erwartet 'Premiere World' 2,2 Millionen Abonnenten, nachdem ihre Zahl in den zwei Monaten seit dem Start netto um 100.000 auf 2,1 Millionen gestiegen war. Bis Ende 2000 sollen es mit Hilfe eines Marketingbudgets von 200 Millionen Mark 2,9 Millionen Teilnehmer sein, für den Breakeven seien 3,5 bis vier Millionen vonnöten.

Die Genehmigung aus Brüssel erwartet Dieter Hahn bis spätestens Ende Mai 2000; die Rechtslage, dass die EU-Kommission und nicht das Bundeskartellamt zuständig sei, bezeichnete er als "eindeutig". Die Anmeldung soll umgehend erfolgen.

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