Rekordhoch Ölpreis steigt und steigt

Der Preis für ein Fass US-Öl hat die Marke von 135 Dollar übersprungen. Die US-Notenbank hat ihre Wachstumsprognose für die weltgrößte Volkswirtschaft drastisch gesenkt. Jetzt warnt auch die deutsche Industrie vor Gefahren für die Konjunktur.

Singapur/New York - Der US-Ölpreis hat seine Rekordjagd der vergangenen Handelstage noch einmal beschleunigt und erstmals die Marke von 135 US-Dollar erreicht. Nach enttäuschenden Daten zu den Ölreserven in den USA kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Juli am Donnerstag in der Spitze 135,04 Dollar und damit so viel wie noch nie. Im weiteren Handelsverlauf rutschte der Preis nur knapp unter diese Marke. Die in Europa führende Nordseesorte Brent verteuerte sich auf 134,51 Dollar je Fass. Das ist das zehnte Rekordhoch in den vergangenen 14 Handelstagen.

Der überraschende Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA habe die Rekordjagd an den Ölmärkten noch einmal beschleunigt, hieß es von Händlern. In der größten Volkswirtschaft der Welt sind die Vorräte an Rohöl nach Angaben des US-Energieministeriums um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel gesunken. Auch wenn die Weltwirtschaft nach wie vor gut mit Rohöl versorgt werde, habe sich die Sorge vor künftigen Versorgungsengpässen an den Ölmärkten verstärkt, sagte der Rohstoffexperte Victor Shum vom Beratungshaus Purvin und Gertz in Singapur.

Die Rekordjagd des Ölpreises wird nach Ansicht der deutschen Industrie zunehmend zu einer Gefahr für das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Zwar seien die Auftragsbücher noch gut gefüllt, sagte der Konjunkturexperte des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Matthias Krämer, der "Berliner Zeitung" (Donnerstag). Auch die Produktion sei für die nächsten Monate gesichert. "Es ist jedoch die Gemengelage von steigenden Ölpreisen, starkem Euro, nachlassender US-Konjunktur und Finanzkrise, die den Unternehmen zunehmend zu schaffen macht", sagte er. "Darüber hinaus belasten steigende Ölpreise den Konsum."

Kaufkraft der Bürger schwindet

Besonders betroffen sind Fluggesellschaften und Autobauer. Deren Aktienkurse rutschten in den Keller und zogen die europäischen Börsenindizes am Donnerstag mit nach unten.

"Die Preissteigerungen bei Öl, Gas und Energie haben den Konsumenten erheblich Kaufkraft entzogen", unterstrich auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise in einem Reuters-Interview. Sollte sich der Ölpreis im Jahresverlauf auf einem Niveau von 120 bis 130 Dollar halten, "würde das fast zwei Prozent der Kaufkraft der Bevölkerung kosten", rechnete Heise vor. Öl ist inzwischen fünf Mal so teuer wie 2002.

US-Notenbank senkt Wachstumsprognose

US-Notenbank senkt Wachstumsprognose deutlich

Die US-Notenbank korrigierte angesichts der steigenden Energiekosten ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft nach unten. Wie aus einem Protokoll des Geldmarktausschusses der Federal Reserve hervorgeht, wird nunmehr mit einem Wachstum von zwischen 0,3 und 1,2 Prozent in diesem Jahr gerechnet. Zuvor hatte die Spanne der Wachstumserwartungen zwischen 1,3 und 2,0 Prozent gelegen.

Angesichts immer neuer Rekordpreise für Rohöl und Kraftstoff fordert die Bundestagsfraktion der Grünen einen Krisengipfel der internationalen Gemeinschaft. Durch die drohenden Versorgungsengpässe sei dringender Handlungsbedarf gegeben, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der "Bild"-Zeitung. "Das Problem lässt sich nur international lösen", sagte sie. "Wir brauchen einen Gipfel, um gemeinsam die Nachfrage zu senken und die Spekulation in den Griff zu bekommen." Rund ein Drittel des Ölpreises gehe auf Spekulanten zurück, die die Nachfrage künstlich nach oben trieben, meinte Höhn. Weiteres Ziel einer konzertierten Aktion müsse es sein, unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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