Ölpreis Ungebremste Rekordjagd

Die Ölpreise haben ihre seit Wochenbeginn wieder aufgenommene Rekordjagd fortgesetzt. Nach der US-Sorte WTI überstieg auch das Nordseeöl Brent die 120-Dollar-Marke. Experten von Goldman Sachs halten einen Preis von 200 Dollar je Fass in diesem Jahr für möglich.

New York/London/Wien - Nachdem der US-Ölpreis bereits am Montagabend nach einem Kurssprung von rund vier Dollar erstmals über die Marke von 120 Dollar gestiegen war, kletterte der Preis für US-Leichtöl am Dienstagnachmittag nach einem abermaligen Preissprung erstmals über 122 Dollar. In der Spitze kostete ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni 122,73 Dollar. Zuletzt notierte WTI noch bei 122,20 Dollar und damit um 2,23 Dollar höher als zum Handelsschluss am Vortag.

Auf ein neues Rekordhoch stieg auch der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent, das erstmals mehr als 120 Dollar kostete. In der Spitze kletterte ein Fass Brent zur Juni-Auslieferung mit 120,99 Dollar knapp unter die Marke von 121 Dollar. Zuletzt notierte Brent-Rohöl noch bei 120,59 Dollar. Das waren 2,46 Dollar mehr als am Vortag.

Nachdem die Ölpreise in der vergangenen Woche noch merklich schwächer tendiert hatten, begründeten Händler die neue Rekordjagd vor allem mit geopolitischen Spannungen und unerwartet robusten Konjunkturdaten aus den USA. So hatte sich bereits am Montag die Stimmung im Dienstleistungssektor der USA überraschend aufgehellt. Jüngst wieder etwas günstigere amerikanische Konjunkturdaten signalisierten eine leichte Erholung der angeschlagenen US-Wirtschaft spätestens in der zweiten Jahreshälfte, was die Ölnachfrage zumindest mittelfristig stützen sollte, hieß es.

Zudem verwiesen Marktbeobachter auf politische Spannungen, die preistreibend gewirkt hätten. Genannt wurden insbesondere der anhaltende Konflikt zwischen den USA und dem Iran über dessen Atomprogramm. Zudem hätten neuerliche Anschläge auf Ölförderanlagen im ölreichen Nigeria die Preise getrieben.

Experten sehen kein Ende der Rekordjagd

Trotz der zuletzt kräftigen Preissprünge und Ölpreisen auf Rekordniveau rechnen viele Experten nicht mit einem schnellen Ende der Rekordjagd. So könnte der US-Ölpreis nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs in den nächsten sechs bis 24 Monaten auf 150 bis 200 US-Dollar je Fass steigen. Die Investmentbank hatte bereits im März 2005 einen Ölpreisschub auf mehr als 100 Dollar vorhergesagt. Rohstoffexperte Arjun N. Murti sah den Ölpreis damals, getrieben von einer wachsenden Nachfrage, am Beginn einer mehrjährigen Hausse.

Kräftig gestiegen ist unterdessen auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom Dienstag kostete ein Fass Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells am Montag 111,60 Dollar. Das waren 4,61 Dollar mehr als am Freitag. Der alte Rekord von 111,66 Dollar vom 28. April rückt damit wieder in Reichweite. Die Opec berechnet den Korbpreis auf der Basis von 13 Sorten der Organisation.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.