Konjunktur Robustes Wachstum

Deutschlands Industrie hat der Finanzkrise bisher getrotzt. Jetzt bleiben die Experten auch für den Rest des Jahres zuversichtlich: Nach Meinung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie könne die Wirtschaft hierzulande in diesem Jahr um bis zu 2 Prozent zulegen.

Berlin - Die deutsche Industrie hält ein stärkeres Wirtschaftswachstum als viele andere Wirtschaftsexperten für möglich. "Das deutsche Bruttoinlandsprodukt kann in diesem Jahr immer noch bis zu 2 Prozent wachsen", sagte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), am Montag auf der Hannover Messe. Damit geht der BDI mit seinem neuen Konjunkturreport leicht über den Wert des Frühjahrsgutachtens der Forschungsinstitute von 1,8 Prozent hinaus.

Thumann sagte zur Begründung: "Aufträge und Produktion der Industrie befinden sich auf hohem Niveau. Auch vom Außenhandel gibt es erfreuliche Nachrichten - trotz des starken Euros." So sei die Bereitschaft der Industrie zu Investitionen anhaltend hoch, unterstrich er.

Der Ausblick wird von einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. IW-Direktor Michael Hüther sagte, fast zwei Drittel der optimistisch gestimmten Unternehmen begründeten ihre Zuversicht mit der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt.

Dagegen geht das Vertrauen der 2000 befragten Firmen in die Weltwirtschaft deutlich zurück. Das IW rechnet dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 und 2009 von 1,4 Prozent. Damit lässt das Wachstumstempo zwar nach, der Aufschwung bleibt aber erhalten. Dem IW zufolge spiegelt sich das auch in den Arbeitsmarktvorhersagen wider. Ein Drittel der Unternehmen will noch in diesem Jahr mehr Personal einstellen, nur 16 Prozent planen einen Arbeitsplatzabbau.

Dieses Ergebnis deckt sich fast mit dem der vorangegangenen Umfrage im Herbst 2007. Hüther zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit 2008 um fast 390.000 und 2009 noch einmal um 90.000 auf 3,3 Millionen Menschen im Jahresschnitt zurückgehen: Das wäre eine Quote von 7,6 Prozent. Als besonders erfreulich bezeichnete Hüther, dass die Industrie im Osten mit der Entwicklung Schritt halte. Bei den Beschäftigungserwartungen überholt sie den Westen sogar. Zudem verbesserten sich in Ostdeutschland die Investitionserwartungen.

Ein Schwachpunkt in den Konjunkturerwartungen bleibt jedoch der private Konsum, der durch die steigenden Preise für Energie und Nahrungsmittel belastet wird. Das IW erwartet, dass die zusätzlichen Arbeitsplätze und damit Einkommen in diesem Jahr ihren Effekt auf den Konsum voll entfalten können. Andere Experten bleiben skeptisch. So schrieb das Finanzministerium in seinem Monatsbericht, das kräftige Preisplus bei Erzeugern und Großhändlern habe das Risiko für einen weiteren deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise erhöht. Dabei seien eigentlich die Bedingungen für ein Anziehen des privaten Konsums angesichts einer besseren Beschäftigung und steigender Löhne günstig.

Insgesamt bewertete das Ministerium die konjunkturelle Verfassung aber positiv. Das Wachstum im ersten Quartal werde wohl besser ausfallen als erwartet, dürfte sich aber im weiteren Jahr verlangsamen. Motor der Wirtschaftsentwicklung war im ersten Quartal nach Analyse der Bundesbank ein weiteres Mal die Industrie. Auch das Baugewerbe dürfte nach dem schwachen Vorjahr Boden gutgemacht haben. Insgesamt hätten die Unternehmen ihre Investitionen beträchtlich ausgeweitet. Nach IW-Berechnungen werden die Investitionen 2009 um 40 Prozent über dem Niveau des Jahres 2003 liegen.

Der Bundesbank zufolge führt die Investitionsnachfrage aber auch zu einem kräftigen Anstieg der Importe. Die werden von den Statistikern bei der BIP-Berechnung mit den Exporten verrechnet. Unter dem Strich dürfte damit vom Außenhandel kaum ein positiver Wachstumsimpuls gekommen sein. Das Wachstum sei damit im ersten Quartal voraussichtlich primär von der Inlandsnachfrage getragen worden, erwartet die Bundesbank. Zentralbankchef Axel Weber hatte den BIP-Zuwachs im ersten Vierteljahr jüngst auf rund 0,75 Prozent veranschlagt. Das wäre mehr als doppelt soviel wie im Endquartal 2007 mit lediglich 0,3 Prozent - trotz Finanzkrise.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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