Donnerstag, 22. August 2019

Kurssturz Albtraum für Chinas Anleger

Die Börse in Shanghai hat den höchsten Wochenverlust seit zwölf Jahren erlitten. Anlegerlieblinge wie Petrochina oder Alibaba haben sich seit Januar mehr als halbiert. Die Zeche zahlen vor allem chinesische Bürger, die nicht im Ausland investieren dürfen und mit ihren Ersparnissen die Spekulationsblase aufgepumpt hatten.

Shanghai - Mehr als 11 Prozent hat der wichtigste Aktienindex der Börse in Shanghai, der Shanghai Composite (SSE), in dieser Woche verloren. Das ist der größte Wochenverlust seit 1996. Seit seinem Rekordhoch im Oktober 2007 hat der SSE rund 50 Prozent eingebüßt.

Kurstafel in Shanghai: Seit Herbst hat sich der Shanghai Composite Index halbiert
Der Kursrutsch ist die Fortsetzung eines Albtraums, den zahllose chinesische Anleger seit Jahresbeginn erleben: Allein zwischen Januar und März dieses Jahres sind die Kurse bereits um rund 35 Prozent gestürzt, so stark wie an keinem anderen größeren Aktienmarkt der Welt. Zum Vergleich: Der Dax Börsen-Chart zeigen hatte im gleichen Zeitraum 19 Prozent, der Dow Jones um knapp 10 Prozent nachgegeben.

Die Börse in China ist von der weltweiten Kredit- und Vertrauenskrise so stark betroffen, weil die Kurse sich in den vergangenen drei Jahren versechsfacht haben. Nun entweicht die Luft aus der Spekulationsblase - obwohl chinesische Banken praktisch keine Abschreibungen im Zuge der Subprime-Krise vornehmen müssen. Auch die Konjunktur in China, die in den vergangenen Jahren stets mit zweistelligen Wachstumsraten zulegte, dürfte es trotz konjunktureller Abkühlung noch auf ein Wachstum von rund 8 Prozent schaffen.

Aktien in Shanghai teurer als in Hongkong

Das Problem ist die Abschottung des chinesischen Aktienmarkts. Chinesische Privatanleger dürfen ihr Geld lediglich in sogenannten A- und B-Aktien, nicht aber in H-Aktien der Börse in Hongkong investieren. Dies führt dazu, dass A-Aktien eines Unternehmens am Börsenplatz Shanghai zum Teil deutlich höher bewertet sind als die H-Aktien desselben Unternehmens am Handelsplatz Hongkong.

Eine Marktverzerrung mit Folgen. Während des Börsenbooms der vergangenen Jahre hatten immer mehr chinesische Bürger ihre Ersparnisse am Aktienmarkt investiert - in der Hoffnung, noch rechtzeitig vom beispiellosen Boom der Shanghaier Börse zu profitieren.

Da die Sparzinsen in der Regel unter der Inflationsrate liegen und Aktien über Monate hinweg mit spektakulären Kurssteigerungen lockten, wurde Spekulieren zum Volkssport: Bürger investierten auch kleinere Beträge, nahmen Kredite auf, um Aktien zu kaufen. An den Börsenschautafeln der Banken in Shanghai oder Peking bilden sich regelmäßig Menschentrauben.

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