Milliardenverlust Merrill Lynch baut 4000 Stellen ab

Die weltgrößte Investmentbank hat infolge der Kreditkrise im ersten Quartal des Jahres erneut einen Milliardenverlust verbucht. Nun streicht Merrill Lynch massiv Arbeitsplätze.

New York - Wie das US-Institut am Donnerstag mitteilte, betrug der Verlust in den ersten drei Monaten des Jahres 1,96 Milliarden Dollar oder 2,19 Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal hatte die Bank unter dem Strich noch 2,16 Milliarden Dollar verdient.

Der Verlust fiel noch höher aus als von Analysten erwartet. Die durch die Finanzmarktkrise schwer gebeutelte Bank schreibt damit bereits das dritte Quartal in Folge rote Zahlen. Ein Jahr zuvor hatte sie noch einen Gewinn von 2,11 Milliarden Dollar eingefahren.

Angesichts der Krise gab Merrill Lynch  den Abbau von 4000 der zuletzt mehr als 63.000 Arbeitsplätze in diesem Jahr bekannt. Davon seien bereits im ersten Quartal 1100 Stellen abgebaut werden. Wegen der Umstrukturierungen erwartet das Institut für das zweite Quartal Mehrbelastungen von 350 Millionen Dollar. Weitere Kapitalerhöhungen seien aber nicht nötig.

Die Bank musste wegen der Kreditkrise weitere 9,5 Milliarden Dollar abschreiben. Ein Großteil der Belastungen fiel bei mehrfach strukturierten Anleihe-Produkten (CDOs) an, die im Zuge der Krise dramatisch an Wert verloren haben. Viele dieser Konstrukte sind mit Ramschhypotheken als Sicherheiten unterlegt. Etwa ein Drittel der neuen Wertberichtigungen steht im Zusammenhang mit dem Engagement bei kriselnden US-Anleiheversicherern (Monolinern). Die Wertberichtigungen summieren sich damit auf mittlerweile rund 30 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro).

Merrill Lynch trägt mit den Verlusten klar die rote Laterne unter den Investmentbanken. Im Gegensatz zum kleineren Wettbewerber Bear Stearns  blieb ihr allerdings ein Notverkauf wegen Liquiditätsproblemen erspart.

Im vergangenen Jahr hatte Merrill Lynch wegen der massiven Probleme den Chef ausgewechselt. Der erst seit Dezember amtierende Konzernchef John Thain verschaffte der Bank Finanzspritzen von mehr als zwölf Milliarden Dollar unter anderem von ausländischen Staatsfonds.

Thain erhofft sich insbesondere in Schwellenländern Wachstumsimpulse im Investmentbanking. "An einigen Kreditmärkten hat sich die Lage etwas verbessert", sagte er. Ähnlich äußerte sich am Donnerstag auch UBS-Chef Marcel Rohner. Die Schweizer Großbank  steckt mit Abschreibungen von 37 Milliarden Dollar in Europa mit Abstand am tiefsten in der Krise. Weltweit summieren sich die Belastungen aller Banken mittlerweile auf deutlich mehr als 200 Milliarden Dollar.

Ein Ende ist kaum in Sicht: Am Freitag präsentiert die Citigroup  ihre Quartalzahlen. Vorab kursierten am Markt bereits Spekulationen über neue Wertberichtigungen von 22 Milliarden Dollar allein für die ersten drei Monate. Insgesamt nahmen zuletzt indes die Hoffnungen der Anleger zu, dass die Bankenbranche bald das Schlimmste überwunden haben könnte. So präsentierte das drittgrößte US-Geldhaus J. P. Morgan  am Mittwoch überraschend starke Quartalszahlen. Der Gewinn brach zwar um 50 Prozent auf 2,37 Milliarden Dollar ein, aber Analysten hatten einen noch stärkeren Rückgang erwartet.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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