Münchener Rück Zeit der Rekorde vorbei

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard bereitet die Märkte auf ein schwächeres erstes Quartal vor. Auch auf Jahressicht soll der Konzerngewinn niedriger ausfallen.

München - Der Rückversicherer Münchener Rück  hat im ersten Quartal wegen Naturkatastrophen voraussichtlich einen Gewinnrückgang erlitten. Auch wenn eine Katastrophe wie das Orkantief "Kyrill" ausgeblieben sei, werde der Gewinn voraussichtlich nicht ganz so gut ausfallen wie ein Jahr zuvor, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Donnerstag bei der Hauptversammlung in München. Im ersten Quartal 2007 hatte der Konzern einen Gewinn von 982 Millionen Euro erzielt. Die Aktie rutschte nach diesen Neuigkeiten zeitweise ins Minus.

Auch mit Blick auf das ganze Jahr rechnet der Konzern mit einem niedrigeren Gewinn. Der Überschuss werde in 2008 zwischen 3,0 und 3,4 Milliarden Euro liegen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen unter dem Strich 3,9 Milliarden Euro verdient. Der vierte Rekordgewinn in Folge war allerdings von Sondereffekten positiv beeinflusst worden.

Als Ursache für den Gewinnrückgang im ersten Quartal führte von Bomhard eine Reihe von Großschäden an. Zu den Ursachen zählten das Orkantief "Emma" und Überschwemmungen in Australien. Auch die Industrieversicherung sei von Großschäden belastet worden. Die Zahlen für das erste Quartal will die Münchener Rück am 8. Mai veröffentlichen.

Aus der Subprime-Krise war die Münchener Rück bislang mit Abschreibungen von 166 Millionen Euro glimpflich davongekommen. In zweitklassigen US-Hypothekenkrediten war sie eigenen Angaben zufolge zum Jahreswechsel noch mit 340 Millionen Euro engagiert. Auch künftig werde die Münchener Rück keine intransparenten Produkte erwerben, sagte von Bomhard. Allerdings rechnet das Unternehmen noch nicht mit einem Ende der Finanzkrise. Im derzeitigen Kapitalmarktumfeld wäre der Vorstand mit einer Kapitalanlage-Rendite von 4,5 Prozent bereits "hochzufrieden".

Bekenntnis zur Tochter Ergo

Der Vorstandschef bekannte sich ausdrücklich zur Tochtergesellschaft Ergo, in der die Münchener Rück ihr Erstversicherungsgeschäft gebündelt hat. Ein Verkauf der Ergo komme "nicht in Betracht". Die Münchener Rück-Gruppe sei kein loses Konglomerat aus Unternehmen, die keinen inneren Zusammenhang besäßen.

Im laufenden Jahr soll die Ergo wie bereits angekündigt einen Gewinnbeitrag von 600 bis 800 Millionen Euro liefern. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote soll unter 95 Prozent liegen. In der Rückversicherung wird ein Gewinn von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro erwartet, die Schaden-Kosten-Quote dürfte bei 98 Prozent liegen. Insgesamt erwartet das Unternehmen weiterhin eine Rendite auf das Risikokapital (RoRaC) von mindestens 15 Prozent.

Keine großen Zukäufe geplant

Die Münchener Rück will keine großen Akquisitionen tätigen. "Wir haben, wenn nicht außergewöhnliche Umstände eintreten, nach wie vor nicht die Absicht, im Geschäftsfeld Rückversicherung einen größeren Rückversicherer zu erwerben", sagte von Bomhard weiter. Großakquisitionen hätten erhebliche Risiken und brächten den Konzern strategisch nicht voran. Die Münchener Rück hatte zuletzt mehrere kleine Erstversicherer und Nischenanbieter gekauft.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.