Märkte Nokia drückt die Börsenkurse

Enttäuschende Quartalszahlen von Nokia und Merrill Lynch haben am Mittwoch die Aktienmärkte belastet. Der Dax ging mit leichtem Verlust aus dem Handel. Aktien von Tui waren nach Zukäufen des Großaktionärs John Fredriksen der stärkste Wert im Index.

Frankfurt am Main - Die Enttäuschung über den Quartalsbericht von Nokia  und überraschend schlechte US-Konjunkturdaten haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der Leitindex Dax verlor bis Handelsende 0,31 Prozent auf 6.681,81 Punkte, nachdem er am Vormittag noch bis auf rund 6.743 Zähler gestiegen war. Der MDAX sank um 1,02 Prozent auf 8.973,57 Punkte und der TecDAX gab um 0,91 Prozent auf 816,08 Zähler nach..

Nachdem im frühen Handel vor allem die Stimmung für Technologiewerte sehr positiv war, da die US-Konzerne Intel , IBM  und auch Ebay  mit starken Zahlen überrascht hatten, habe Nokia am frühen Nachmittag den Markt ausgebremst, sagte ein Händler. Am Nachmittag verdarben negative Konjunkturdaten aus den USA den Investoren dann endgültig die Stimmung. Der Philadelphia-Fed-Index war im April deutlich schwächer ausgefallen als erwartet und signalisiert einen Rückgang der Wirtschaftsaktivität in der Region Philadelphia.

Merrill Lynch verliert erneut Milliarden

Vor allem die Zahlen von Merrill Lynch  wurden von den Börsianern im Laufe des Tages immer skeptischer gesehen. Die weltgrößte Investmentbank hat in Folge der Kreditkrise im ersten Quartal des Jahres erneut einen Milliardenverlust verbucht. "Eigentlich hätte der Markt nach den Zahlen in die Knie gehen müssen", sagte ein Händler. "Aber offenbar wurde Schlimmeres befürchtet - wir haben uns anscheinend schon an schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche gewöhnt", sagte ein anderer Marktteilnehmer.

Der Dow Jones  verlor bis zum europäischen Börsenschluss rund 0,3 Prozent auf 12580 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index gab um 0,5 Prozent nach. An der Technologiebörse Nasdaq  fiel der Composite-Index um 0,8 Prozent.

Die europäischen Finanzwerte hielten sich knapp im Plus, der europäische Branchenindex notierte kaum verändert. In Frankfurt verzeichnete die Deutsche-Bank-Aktie  ein leichtes Minus von 0,1 Prozent auf 74,66 Euro, während Papiere der Commerzbank  um 0,4 Prozent auf 21,79 Euro fielen.

Gewinnmitnahmen drückten die Titel der Hypo Real Estate  um 3,57 Prozent auf 22,18 Euro. Tags zuvor war bekannt gegeben worden, dass eine Investorengruppe um den US-Finanzinvestor J. C. Flowers beim Immobilienfinanzierer einsteigen wolle. Daraufhin waren die Aktien um knapp 25 Prozent gestiegen. Aktien der Deutschen Börse  bildeten mit einem Minus von 3,8 Prozent auf 39,58 Euro das Schlusslicht im Dax.

Aktien der Münchener Rück  verloren am Tag der Hauptversammlung leicht und beendeten den Handel 0,18 Prozent tiefer bei 126,75 Euro. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer bestätigte die Gesamtjahresziele und sieht sich trotz hoher Schäden im 1. Quartal für 2008 auf Kurs. "Das ist alles nichts Neues", sagte ein Händler mit Blick auf die Äußerungen von Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. "Der Vorstand hat offenbar die Rede vom vergangenen Jahr in der Hand", sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Bisher hat der Vorstand nichts Neues erzählt. Und die Aussage, dass der Gewinn im ersten Quartal voraussichtlich zurückgegangen ist, haut auch niemanden vom Hocker."

Nokia enttäuscht die IT-Branche

Nokia enttäuscht die Hoffnungen der IT-Branche

Heftige Kursverluste lösten die Ergebnisse von Nokia aus. Der weltgrößte Handy-Hersteller steigerte zwar seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal im Rahmen der Erwartungen. Für das Gesamtjahr rechnet Nokia aber mit einem rückläufigen Umsatz der Handybranche in Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Nokia-Aktienkurs stürzte daraufhin um 12,21 Prozent auf 18,40 Euro ab. Das hinterließ europaweit Spuren: Der Technologieindex war das Schlusslicht unter den europäischen Sektorindizes.

Infineon-Aktien  drehten nach den enttäuschenden Zahlen von Nokia ins Minus. Nach einem Anstieg am Morgen bis auf 5,19 Euro fielen sie bis Handelsende um 1,20 Prozent auf 4,96 Euro. Siemens-Papiere  verloren 0,55 Prozent auf 70,42 Euro. Epcos-Aktien  gaben zwar den Großteil ihrer Gewinne ab, hielten sich aber mit 0,32 Prozent auf 9,43 Euro im Plus.

SAP-Aktien  verloren 0,8 Prozent auf 32,03 Euro. Eine Abstufung von J. P. Morgan von "Overweight" auf "Neutral" belastete die Aktie der Walldorfer Software-Schmiede. "Zwar rechnen wir damit, dass das erste Quartal bei SAP die Markterwartung erfüllen wird, doch wachsende makroökonomische Sorgen und die ersten Anzeichen für rückläufige Ausgaben im IT-Bereich lassen im zweiten Quartal solch eine Tendenz im Makrobereich auch bei SAP erwarten", schrieb der Analyst und senkte zudem das Kursziel von 52 auf 37 Euro.

Machtkampf um Tui steigert den Aktienkurs

Der norwegische Reeder John Fredriksen hat seinen Anteil an Tui  auf 11,75 Prozent aufgestockt und ist nun größter Einzelaktionär des Touristik- und Reederei-Konzerns. Tui-Aktien rückten um 3,04 Prozent auf 17,95 Euro vor und waren damit der stärkste Wert im Index. Händler verwiesen zur Begründung darauf, dass sich der Machtkampf der Großaktionäre wenige Wochen vor der Hauptversammlung verschärft. "Ein solcher Machtkampf ist letztlich immer gut für die Aktionäre", sagte ein Händler.

Ölpreis steigt über 115 Dollar

Der Kurs des Euro  geriet nach einem neuen Rekordhoch unter Druck und entfernte sich wieder von der Marke von 1,60 Dollar. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im späten Nachmittagshandel mit 1,5897 Dollar gehandelt. Im europäischen Vormittagshandel hatte der Euro zeitweise noch einen neuen Rekord bei 1,5982 Dollar erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,5872 (Mittwoch: 1,5928) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,6300 (0,6278) Euro.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,12 (Vortag: 4,01) Prozent. Der Rentenindex sank um 0,32 Prozent auf 118,59 Punkte. Der Bund Future verlor 0,27 Prozent auf 114,55 Punkte. Der Preis für ein Fass US-Öl stieg erstmals über die Marke von 115 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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