Bear Stearns SEC und Fed haben versagt

Die Krise der Investmentbank Bear Stearns hat das Vertrauen erschüttert, dass die beiden Aufsichtsbehörden US-Zentralbank sowie SEC das Bankenwesen ausreichend überwachen. Von einer gelungenen Abstimmung zwischen Fed und SEC kann keine Rede sein.
Von Deborah Sturman

New York - Die Überwachung des US-Finanzmarkts obliegt den beiden Aufsichtsbehörden: Der US-Zentralbank (Federal Reserve, Fed) und der US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC). Die Hauptaufgabe dieser Behörden ist es, die Interessen der Anleger zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Spielregeln am Finanzmarkt eingehalten werden.

Entgegen der Vorgabe der derzeitigen US-Regierung, prinzipiell in die Märkte nur leicht regulierend einzugreifen, haben die Fed und die SEC anscheinend diese Grenze in der Praxis überschritten. Der Beinahe-Zusammenbruch des fünftgrößten US-Wertpapierunternehmens Bear Stearns  und die geplante Übernahme durch J. P. Morgan Chase  konnten das Vertrauen in den Markt und dessen Aufsicht kaum stärker schädigen.

Die SEC als Überwachungsorgan des Finanzmarkts soll laut eigener Website dafür sorgen, dass die Bankindustrie jederzeit über ausreichend Kapital verfügt, um auch während einer "angespannten Periode" ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Die Behörden haben aber bei der Überwachung von Bear Stearns eindeutig versagt.

"Wir sind mit den Rücklagen zufrieden"

Nur Stunden, nachdem die Fed am 13. März ihren Rettungsplan für Bear Stearns enthüllt hatte, deutete die SEC erneut an, dass die Investmentbank noch über ausreichend Kapitalrücklagen verfüge. Christopher Cox, SEC-Vorsitzender, war bereits am 11. März von Journalisten gefragt worden, ob er über die finanzielle Lage von Bear Stearns besorgt sei. Er erklärte: "Wir sind derzeit mit den Kapitalrücklagen des Unternehmens sehr zufrieden."

Nur zwei Tage später stellte die Fed jedoch über J. P. Morgan Chase dem 85 Jahre alten Traditionshaus Bear Stearns Notkapital zur Verfügung. Am 16. März verkündete das Management von J. P. Morgan Chase, dass Bear Stearns übernommen werden soll. Offenbar war die Fed im Gegensatz zur SEC zu der Einschätzung gelangt, dass Bear Stearns dringend auf Notkapital angewiesen ist.

Der Zwangsverkauf von Bear Stearns - nur wenige Tage nach der Aussage des SEC-Vorsitzenden, die Bank verfüge über ausreichend Kapital - wirft die Frage auf, wie die höchsten Wertpapieraufsichtsbehörden arbeiten.

Ist SEC wirklich Herrin der Lage?

Mangelnde Überwachung - SEC wirklich Herrin der Lage?

Die Überwachung von Bear Stearns  war schlicht und einfach inakzeptabel. Die SEC hatte es versäumt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen zu stellen und legte eine mangelhafte Einschätzung der Risiken an den Tag.

Das langfristig größte Problem beim Zusammenbruch von Bear Stearns ist daher die Tatsache, dass die SEC ihre eigenen strukturellen Fehler nicht erkennen will. Sie behauptet weiterhin, dass sie Herrin der Lage sei. Sie müsse lediglich ihre laufende Überwachung verstärken, die Banken sowie deren Finanzkraft besser prüfen, die Informationsverarbeitung verbessern sowie die Qualität ihrer Analysen erhöhen und schon seinen alle Probleme gelöst.

Die Frage aber bleibt: Warum hat die SEC diese Maßnahmen nicht schon viel früher umgesetzt?

Eine bessere Aufsicht erfordert nicht notwendigerweise mehr Regeln. Sie verlangt jedoch die Umsetzung bestehender Regeln und eine wirkungsvolle Überwachung. Fraglich bleibt in diesem Zusammenhang, ob die bisherige Arbeitsteilung zwischen der Federal Reserve und der SEC wirklich funktioniert.

Die SEC behauptete, dass Bear Stearns in Schieflage geriet, weil Investoren ihre Gelder abzogen und dass die Bank ohnehin kollabiert wäre - mit ausreichender Aufsicht oder ohne. Dies ist ein sehr schwaches Argument.

Es mag sein, dass Bear Stearns in jedem Fall dem Untergang geweiht war. Viel wichtiger ist aber, dass es für Bear Stearns bei einer angemessenen Aufsicht messbar wahrscheinlicher gewesen wäre, die Krise zu bewältigen. Die US-Aufsichtsbehörden hätten vermeiden können, die Krise an den Märkten derart anwachsen zu lassen, wenn sie nur ihre Arbeit richtig erledigt hätten.

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