Dienstag, 7. April 2020

George Soros "Schlimmste Krise zu meinen Lebzeiten"

Star-Investor George Soros hält die Finanzkrise für die schlimmste seit den dreißiger Jahren. Die jüngsten Ereignisse deuten an, dass Soros nach zwei verfrühten Untergangs-Warnungen diesmal Recht haben könnte: Mit seinem Quantum-Fonds wettete er früh auf eine Rezession in den USA.

New York - Sie hassen oder lieben ihn. Die einen nennen ihn einen "wirtschaftlichen Kriegsverbrecher", einen "Blutsauger" und eine "Bedrohung für die Demokratie". Die anderen rühmen ihn als einen Meisterinvestor und großzügigen Philanthropen, als "Mega-Spender" und "bescheidenen Milliardär".

George Soros: Der Meisterinvestor sieht die US-Wirtschaft am Abgrund
So oder so: George Soros lässt sich nicht den Mund verbieten. Der streitbar-vorlaute Spekulant, der 1992 massiv gegen das britische Pfund wettete, damit rund eine Milliarde Dollar verdiente und über Nacht zur globalen Investment-Legende wurde, hat aus seinen Ansichten nie einen Hehl gemacht. Weder politisch (entschieden linksliberal) noch ökonomisch (entschieden gegen den Strom).

Es sind diese kontroversen Ansichten, mit denen sich Soros auch jetzt, nach längerer Stille, plötzlich wieder ins Rampenlicht drängt. Und zwar, indem er gegen die offizielle Sprachregelung anstänkert, die US-Konjunktur werde das Schlimmste schon bald hinter sich haben. Soros' Attacken richten sich namentlich gegen Notenbankchef Ben Bernanke, der für "die zweite Hälfte dieses Jahres und nächstes Jahr" wieder neues Wachstum prognostiziert.

Soros widerspricht vehement. "Ich sehe dies als die schlimmste Krise zu meinen Lebzeiten", sagt der gebürtige Ungar, der seit 1956 in den USA lebt. "Früher sind wir aus so etwas relativ leicht herausgekommen. Diesmal glaube ich, dass wir das Ende des Weges erreicht haben."

Der 77-Jährige verbreitet diese finanzielle Armageddon-Warnung seit voriger Woche unermüdlich, in Interviews, Essays, Kolumnen - und nun auch in seinem neuesten Buch, das am Wochenende als eBook erschien und im Mai in den regulären Handel kommt.

"The New Paradigm for Financial Markets - The Credit Crisis of 2008 and What It Means" ("Das neue Paradigma für Finanzmärkte - Die Kreditkrise von 2008 und was sie bedeutet") heißt es, und es beginnt mit der düsteren Feststellung: "Wir stecken in der schwersten Finanzkrise seit den dreißiger Jahren."

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