Varengold Exotenfonds vom Fischmarkt

Die Gründer der Varengold Wertpapierhandelsbank haben sich auf ein Nischenprodukt spezialisiert. Lesen Sie im zweiten Teil der manager-magazin.de-Serie über alternative Investments, wie sie damit auch in fallenden Märkten Gewinne machen.
Von Grit Beecken

Hamburg - Die Geschäftsräume am Hamburger Fischmarkt sind lichtdurchflutet. Dafür sorgen sowohl die Sonne, die durch die großen Fenster scheint, als auch die unzähligen Computerbildschirme, über die Zahlen flirren. Wer die Varengold Wertpapierhandelsbank  betritt, der wähnt sich zunächst in einer Händlerbude. Dabei steht er in den Räumen einer Bank mit Banklizenz - die ein ungewöhnliches Produkt vertreibt.

Die Varengold Bank verwaltet den ersten deutschen Dachhedgefonds mit dem Fokus auf Managed Futures. Hinter dem rätselhaften Namen steht eine Anlageform, bei der professionelle Händler - sogenannte Commodity Trading Advisors (CTA) - das Kapital ihrer Kunden in Termingeschäften investieren. Bei Managed Futures ist es daher entscheidend, einen erfolgreichen CTA zu finden. Und hier sehen die Vorstände, Steffen Fix und Yasin Sebastian Qureshi, ihre Stärke. Sie beobachten jährlich rund 200 CTA und wählen die für ihren Fonds besten aus. "Wir können die Manager qualitativ beurteilen, weil wir lange Zeit einer von ihnen waren", sagt Qureshi.

Denn Fix und Qureshi interessierten sich beide schon als Teenager für Termingeschäfte. 1995 gründeten sie eine GmbH und verabschiedeten sich von der Universität - Termingeschäfte jonglieren statt Bücher stapeln. Dabei setzen die beiden auf die technische Analyse, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen von einem Computer getroffen werden. "Wir sind der Meinung, dass die menschliche Psyche zum rationalen Handeln an den Finanzmärkten nicht imstande ist", sagt Qureshi. Von dieser Idee mussten Investoren jedoch erst überzeugt werden.

Die beiden sammelten mühsam ihr Startkapital zusammen. Fix und Qureshi, heute 41 und 34 Jahre alt, gewannen Kollegen aus ihren Praktika bei verschiedenen Brokern für die Idee - unter ihnen auch ein Medizinstudent. 10.000 D-Mark mussten als Konsumentenkredit für eine fiktive Küche aufgenommen werden, da der Businessplan die Banken nicht überzeugte.

Auch Venture-Capital-Fonds zeigten sich zurückhaltend. Fix und Qureshi reisten auf der Suche nach Kapital durch das Land. Nur ein Berliner Fonds beteiligte sich mit 2 Prozent an der Neugründung - "denen sind wir immer noch sehr dankbar", sagen beide. Die Kapitalgeber aus jener Zeit sind im Unternehmen beschäftigt, auch Mitarbeiter in Schlüsselpositionen sind in der Regel Teilhaber. Das hat der Firma über den Börsencrash nach dem 11. September 2001 hinweggeholfen, da es möglich war, die Gehälter auf ein Minimum einzufrieren.

Exotenfonds schlägt die Indizes

Zunächst richteten die Studenten eine Internetplattform ein, auf der die Aktivitäten der Futures-Händler jederzeit eingesehen werden können - der spätere Geschäftsbereich Capital Markets war geboren. Inzwischen nutzen 7000 Kunden die Plattform und sorgen für ein jährliches Transaktionsvolumen von fünf Milliarden Euro. "Unser Fokus liegt auch heute noch darauf, den Leuten zu zeigen, wie die Produkte funktionieren und dass sie gut rentieren", sagt Qureshi. Man müsse nicht, wie andere Hedgefonds, an Offshore-Plätzen wie den Cayman-Inseln arbeiten, um Rendite zu erwirtschaften.

2006 legten sie den ersten deutschen Dachhedgefonds mit einem Fokus auf Managed Futures auf. So streuen Fix und Qureshi das Risiko, das in der Investition in einzelne Händler liegt. Derzeit verwalten dieser und andere Varengold-Fonds ein Volumen von 400 Millionen Euro. Seit der Auflage legte der HI Varengold CTA um 12,8 Prozent zu.

Die Varengold Bank betreut private und institutionelle Kunden. Da Werbung teuer ist, gibt es keine ganzseitigen Anzeigen in Anlegermagazinen. Der Vertrieb erfolgt über Mund-zu-Mund-Propaganda und auf Seminaren. Auf Umwegen geriet die Bank dabei in Zusammenhang mit den berüchtigten Seminaren des Italieners Alfredo Cuti, gegen dessen Firma Aktienpower derzeit ein Konkursverfahren und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Als sich die Vorwürfe erhärteten habe die Hanseatic Brokerhouse Securities, eine 16-prozentige Beteiligung der Varengold Bank, die Kooperation beendet, sagt Qureshi. Eine Anfrage der Aktienpower, für den geplanten Börsengang das Haftungsdach zu übernehmen, wurde laut Qureshi bereits 2005 abgelehnt.

1998 verlangte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Geschäfte der Varengold Bank eine Banklizenz. Die Jungunternehmer mussten innerhalb von fünf Jahren 730.000 Euro aufbringen. Sie fluchten und grübelten nächtelang zwischen leeren Pizzakartons. Es ist gelungen, 2003 erhielt Varengold die Banklizenz.

Ärgerten sich Fix und Qureshi damals auch kräftig, so hat sich die Lizenz im Nachhinein rentiert: "Das Korsett der Bankenaufsicht und die erforderlichen Eigenkapitalrichtlinien haben uns in den 90er Jahren vor hohen und riskanten Investitionen bewahrt", sagt Qureshi. Das sei einer der Gründe, warum die Varengold nicht, wie so viele andere Start-ups, aufgeben musste.

Fix und Qureshis Ziel ist Wachstum im Nischenmarkt. Zwar erschwere die Diskussion um Heuschrecken-Hedgefonds den Vertrieb in Deutschland. Dennoch: "Im Markt tut sich einiges, das Interesse deutscher Privatanleger wächst", sagt Fix. Und die Varengoldbank sei gerüstet. Die Infrastruktur für das Geschäft - die Handelsplattform und die Abwicklung der Transaktionen - bestehe unabhängig von der Anzahl der Geschäfte. Fix vergleicht das mit dem Betreiben einer Lagerhalle: Die Kosten sind unabhängig davon, wie viel Ware dort lagert.

Anstatt das Gaspedal bis zum Anschlag durchzudrücken, um Wachstumserwartungen von Investoren zu erfüllen, können sich Fix und Qureshi das langsame Wachsen leisten. 2007 setzte die Varengold Bank acht Millionen Euro um. Der Großteil der Kunden sitzt außerhalb Deutschlands, Varengold wächst auf allen fünf Kontinenten gleich stark. "Die derzeit 30-prozentige Wachstumsquote würden wir gerne beibehalten", sagt Fix.

Am 20. März 2007 debütierte die Varengold-Aktie . Das Papier brach ein und gilt als einer der größten Flops des Jahres 2007. Der Einbruch traf auch Fix und Qureshi, die jeder etwa 13 Prozent der Aktien halten. Trotzdem sind sie sich einig: Den Weg würden sie auch ein zweites Mal gehen.

Varengold gegen die Indizes Vergleich Hedgefonds vs. Aktien Stand: März 2008 Quelle und Berechnungen: Absolut Research GmbH, Hamburg

Varengold gegen die Indizes Vergleich Hedgefonds vs. Aktien Stand: März 2008 Quelle und Berechnungen: Absolut Research GmbH, Hamburg

Foto: manager-magazin.de

Fondsdaten HI Varengold CTA Hedge

Erstinvestition mind. EUR 1.000,00
Folgeinvestitionen mind. EUR 100,00
Ausschüttungen keine
Verwaltungsgebühr max. 2,05% p.a. des Nettoinventarwerts
Erfolgsabhängige Vergütung 20 % des Mehrertrages über 3-Monats-EURIBOR (High-Water-Mark)
Ausgabeaufschlag bis zu 5,5% des Zeichnungsbetrages
Rücknahmegebühren bis zu 3% (nach Ermessen der Kapitalanlagegesellschaft)
Quelle: Varengold Wertpapierhandelsbank:

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie, warum der Manager des Hedgefonds Loys Global MH nur selten Kauf- oder Verkaufsaufträge platziert.

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