Märkte Wall Street feiert den Zinsschritt

Die Kurse der New Yorker Börsen sind nach der Zinsentscheidung kräftig gestiegen. Nur kurz zeigten sich Anleger, die eine deutlichere Senkung gehofft hatten, enttäuscht. Zuvor hatten Goldman Sachs und Lehman Brothers die Börsianer aufatmen lassen.

New York - Die US-Börsen haben am Dienstag deutliche Gewinne verbucht. Angesichts einer geringer als erwarteten Zinssenkung der US-Notenbank Fed gaben sie am New Yorker Nachmittag einen Teil ihrer Zuwächse wieder ab, um dann noch stärker zuzulegen. Zuvor gaben überraschend starke Quartalszahlen der US-Banken Goldman Sachs  und Lehman Brothers  dem Markt deutlichen Auftrieb.

Tatsächlich senkte die Fed den Zins dann um 75 Punkte auf 2,25 Prozent, um die weltgrößte Volkswirtschaft im Zuge der Kreditmarktkrise vor größerem Schaden zu bewahren. Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte gab unmittelbar nach der Fed-Entscheidung einen Großteil seiner Tagesgewinne ab und lag noch 1,3 Prozent im Plus. Binnen zwei Stunden erholten sich die Kurse aber wieder und legten rund 3 Prozent zu. Der breiter gefasste S&P-500 und der Technologie-Index Nasdaq Composite  stiegen um nahezu 4 Prozent. Zuvor hatte in Deutschland der Dax  3,4 Prozent im Plus auf 6393 Zählern geschlossen.

Bereits am Wochenende hatten die Notenbanker um Ben Bernanke in einer Dringlichkeitssitzung den Diskontsatz gesenkt, zu dem sich Banken über Nacht bei der Fed Geld besorgen können. "Die Wahrnehmung darüber, wie sich die Fed engagiert und wie erfolgreich sie dabei sein wird, hat sich positiv verändert", sagte Subodh Kumar von Subodh Kumar & Associates. Positiv nahmen die Anleger an der Wall Street zudem die jüngsten Daten zu Wohnbaubeginnen auf: Diese gingen im Februar zwar um 0,6 Prozent zurück - Volkswirte hatten allerdings mit einem deutlicheren Einbruch gerechnet.

Aktien von Goldman Sachs kletterten um mehr als 13 Prozent. Das Geldhaus hatte zwar einen Gewinnrückgang für das erste Quartal bekanntgegeben, aber die Schätzungen der Analysten übertroffen. Ähnlich war die Entwicklung beim Konkurrenten Lehman, dessen Papiere bis zum frühen Nachmittag 34 Prozent nach oben schossen.

Von den Zahlen konnten auch andere Finanztitel profitieren: Aktien der Citigroup  verteuerten sich um 7,7 Prozent. Nach den dramatischen Verlusten vom Montag ließen Gerüchte über einen neuen Bieter für Bear Stearns  die Aktien der angeschlagenen US-Investmentbank in die Höhe schießen. Die Papiere verteuerten sich knapp 39 Prozent. Auch die Papiere von Fannie Mae und Freddie Mac  legten um knapp 20 Prozent zu, da die Regulierer den Hypothekenfinanzierern Kreisen zufolge einen größeren finanziellen Spielraum ermöglichen wollen.

Zu den Gewinnern zählten mit einem Aufschlag von mehr als 5 Prozent auch Yahoo-Titel , nachdem der Internetkonzern Details seines auf drei Jahre angelegten Finanzplans bekanntgemacht hatte. Das Unternehmen bekräftigte darüber hinaus seine Prognose für das erste Quartal und das Gesamtjahr.

Deutsche Bankaktien auf dem Vormarsch

Deutsche Bankaktien auf dem Vormarsch

In Frankfurt hatte der MDax mittelgroßer Werte  um 3,11 Prozent höher auf 8448 Punkten geschlossen. Für den TecDax  ging es um 3,18 Prozent auf 716 Zähler nach oben.

Die Titel deutscher Banken wie der Deutschen Bank  und der Commerzbank  reagierten positiv auf die Zahlen der US-Konkurrenz. Für die Aktien der Deutschen Bank ging es um 6,29 Prozent auf 69,91 Euro hoch, Commerzbank-Aktien legten 5,55 Prozent auf 17,70 Euro zu. Auch Titel der Hypo Real Estate (HRE)  bauten ihre Gewinne auf 5,5 Prozent aus.

BMW verspricht höhere Gewinne

Papiere von BMW  legten 4,89 Prozent auf 32,63 Euro zu. Nach einer Wachstumsdelle zum Start ins neue Jahr und einer Erholung im Februar sieht sich der Autobauer beim Absatz auch im März auf einem guten Weg. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler äußerte sich positiv. "Die Aussagen für 2008 sind in Ordnung und sogar etwas besser als von mir erwartet", sagte der Analyst. Zuvor habe es einige Befürchtungen gegeben, dass sich BMW nicht zu höheren Ergebnissen bekennen werde.

Rätselraten über Volkswagen

Rätselraten über Volkswagen

Rätselraten herrschte am Markt über das Kursplus von 7,3 Prozent beim Konkurrenten Volkswagen . In der Spitze stiegen die Aktien um fast 10 Prozent auf 180 Euro. Händlern zufolge gibt es viele Spekulationen, Konkretes zeige sich aber noch nicht. "Man sollte im Hinterkopf haben, dass am Donnerstag großer Verfall ist - vielleicht müssen einige Fonds oder größere Anleger ihre Positionen glattstellen", vermutete ein Börsianer.

"Zudem gab es viele, die bei den VW-Stämmen 'short' waren und die Vorzüge gekauft haben in der Hoffnung, dass die Vorzüge umgewandelt werden in Stämme. Das ging bislang nicht auf und jetzt wird es knapp", so ein weiterer Händler. Eine weitere Möglichkeit sei, dass der "Stillhalter", von dem sich Porsche  über OTC-Geschäfte angeblich so manche VW-Aktie gesichert haben soll, nun so langsam seine Stücke beschaffen muss. Siemens-Titel  erholten sich nach dem 17-prozentigen Kursrutsch vom Vortag wieder etwas - sie stiegen um 5,8 Prozent.

Metro steht vor schwieriger Sanierung

Aktien von Metro  dagegen verloren am Dax-Ende 6,68 Prozent auf 51,53 Euro. Der neue Chef Eckhard Cordes stellt nach der Bilanzvorlage für das vergangene Jahr die Weichen für eine Neuordnung des größten deutschen Handelskonzerns und erwägt dabei auch den Verkauf seiner Warenhaustochter Kaufhof. Auf die Lebensmitteltochter Real kommen zwei Jahre Sanierung zu, in denen sie die Wende schaffen muss. Ansonsten will Cordes Konsequenzen ziehen und Real möglicherweise verkaufen. "Auf den ersten Blick sind die Zahlen etwas besser als erwartet ausgefallen", sagte ein Händler. Andere bemängelten aber die nur unkonkret klingenden Umbaupläne, die weniger weitgehend erschienen als erhofft, und den entsprechend enttäuschenden Ausblick.

Tui-Anleger nehmen Gewinne mit

Tui-Anleger nehmen Gewinne mit

Für Tui-Titel  ging es um 1,58 Prozent auf 16,87 Euro nach unten. Der Konzern will sich laut Aussagen bei der Vorlage von Jahreszahlen von seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd schnell trennen und einen möglichst hohen Preis erzielen. Mit dem Prinzip "Sell on good news" begründete Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet die Abschläge und verwies auf die positive Kursentwicklung der vergangenen Tage. Fundamental gebe es keine Gründe dafür, da der Ausblick des Reise- und Schifffahrtskonzerns positiv überrascht habe.

Wacker Chemie glänzt mit Jahreszahlen

Im MDax gewannen Titel von Wacker Chemie  nach endgültigen Jahreszahlen satte 9,10 Prozent auf 125,26 Euro. Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern zeigt sich trotz Dollar-Schwäche und Finanzkrise auch für 2008 optimistisch und rechnet mit einem Umsatzsprung von deutlich mehr als 10 Prozent. "Die Zahlen sind keine besonders große Überraschung, nachdem Eckdaten ja bereits bekannt waren", schrieb Analyst Christian Weiz von der Unicredit. Das Hauptaugenmerk liege auf dem Ausblick, der allerdings auch nicht wirklich aufregend klinge. Positiv überrascht habe aber die Dividende, die mit einer Sonderausschüttung nun 3,00 Euro betragen soll.

AWD-Aktie lässt Federn vor dem MDax-Abstieg

Vor dem Abstieg aus dem MDax mussten die AWD-Aktien  kräftig Federn lassen. Die Titel fielen um 8,3 Prozent auf 27,68 Euro und waren damit in einem festen Gesamtmarkt einer der größten Verlierer. "Da ist die Fantasie nach der Übernahme heraus", kommentierte ein Händler. Wegen eines Angebots von Swiss Life  hatten AWD zuletzt nahe der 30-Euro-Marke verharrt. Nach dem Ende der Frist am Freitag holt die Aktie nach Einschätzung von Branchenexperten nun die Entwicklung der Wettbewerber nach, die wegen der Finanzkrise deutlich Federn gelassen haben. Während AWD-Aktien beispielsweise auf Sechs-Monats-Sicht 35 Prozent im Plus liegen, haben die MLP-Aktien  gut 20 Prozent verloren. Swiss Life hält inzwischen rund drei Viertel der AWD-Anteile. AWD wird am Dienstag nach einem Beschluss der Börse von Anfang März aus dem MDax ausscheiden.

Spekulationen über Hochtief-Übernahme

Hochtief-Aktien  verzeichneten Aufschläge von 5,2 Prozent auf 63,07 Euro. Händler verwiesen auf Gerüchte, dass der spanische Baukonzern Actividades de Construccion y Servicios (ACS)  seinen Anteil an dem Wettbewerber weiter aufstocken will. "Auch Spekulationen um eine Komplettübernahme gibt es - es wird ein Preis von 85 Euro je Aktie genannt", fügte ein Börsianer an. "Ich denke nicht, dass da was dran ist, da ACS vor einigen Wochen ein Interesse dementiert hat", sagte ein weiterer Händler.

Versatel-Aktie legt 15 Prozent zu

Im TecDax glänzten Aktien von Versatel  mit plus 15,54 Prozent auf 23,64 Euro an der Spitze. Händler verwiesen insbesondere auf charttechnische Gründe. Bei 20,60 Euro sei die Aktie nach oben ausgebrochen und habe über Stop-Buy-Orders neue Käufe ausgelöst. Die endgültigen Zahlen des Telekommunikations-Anbieters sind unterdessen nach Einschätzung der WestLB nicht signifikant von den vorläufigen Eckdaten abgewichen.

Euro stagniert

Der Kurs des Euro  stieg nur leicht auf 1,5807 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,5771 (Montag: 1,5770) Dollar fest. Der Dollar kostete damit unverändert 0,6341 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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