Mittwoch, 26. Juni 2019

Finanzvertrieb Konkurrenz wildert bei MLP

2. Teil: "Die Leute suchen eine Zukunft"

"Die Leute suchen eine Zukunft"

Nicht nur Berater verlassen MLP. Zuletzt schmiss MLP-Bereichsvorstand Roman Hadjio das Handtuch, angeblich, weil er in Heidelberg keine Perspektiven mehr für sich sah. Seit 1. März ist Hadjio bei Formaxx unter Vertrag.

Wirkt im Stillen: Bernhard Termühlen, ehemals MLP-Vorstandschef, hat in Mayflower Capital investiert. Der Finanzvertrieb zielt auf die wohlhabende Klientel ab und wird im zweiten Halbjahr starten.
Von einem sich abzeichnenden Mitarbeiter-Exodus bei dem Heidelberger Finanzdienstleister kann allerdings (noch) keine Rede sein, räumen selbst die Insider ein. Nachdenklich stimmt jedoch, dass es sich zumeist um "exzellente" Vertriebskräfte handeln soll. "Diese guten Leute könnte man nicht bekommen, wenn sich MLP in einer vernünftigen Verfassung befände", sagt einer der Insider. Weniger das Geld als die fehlende Perspektive treibe sie zur Konkurrenz. "Die Leute suchen eine Zukunft, die sie bei MLP nicht sehen, deshalb wechseln sie."

Bei MLP sieht man die jüngsten Abgänge gelassen. "Wir haben eine Fluktuation im Unternehmen, die mit 11 Prozent der gesamten Beraterzahl auf das Jahr gerechnet extrem niedrig liegt", sagt Sprecher Jan Berg. Ja, mitunter kündigten auch Geschäftsstellenleiter und fingen bei der Konkurrenz an. Dies sei jedoch ein "ganz normaler Vorgang". Und angesichts von insgesamt 260 Geschäftsstellenleitern deutschlandweit könne MLP die jüngsten Abgänge auch gut verkraften. Ohnehin sieht man in Heidelberg dem Thema zu viel Bedeutung beigemessen.

Gut möglich, dass MLP die letzten Abgänge an qualifizierten Mitarbeitern leicht verkraften kann, zumal das Unternehmen ja auch neue und hoffnungsvolle Kräfte einstellt. Die müssen in der Regel jedoch aufwendig geschult und eingearbeitet werden, sich ihre Sporen noch verdienen, kosten MLP zunächst einmal Geld. Richtig ist zudem, dass die Zahl der MLP-Berater im vergangen Jahr mit einem Wachstum von 2 Prozent auf 2613 nahezu stagnierte und das Ziel der anvisierten 2750 Berater nicht erreicht wurde.

Das bestreitet MLP nicht, sieht sich deshalb aber nicht in der Defensive. Man habe schon so manchen Newcomer am Markt kommen aber auch wieder verschwinden sehen. Zudem ziele Formaxx auf eine andere Klientel ab als MLP. "Wir sind in einem anderen Markt tätig."

Schenkt man den Ankündigungen von Formaxx-Vorstand Bucher Glauben, könnte sich das allerdings bald ändern. Zum einen besitze der jetzt zu Formaxx gewechselte Hadjio "tiefes Knowhow" über das klassische Zielgruppengeschäft von MLP. Zum anderen beabsichtige der neue Finanzvertrieb, ein dichtes Netz von Berufsgruppenspezialisten am Markt zu implementieren - und das "sehr viel dichter und feiner als man sich das in Wiesloch bei Heidelberg vorstellen kann".

Bleibt abzuwarten, was von den Ankündigungen am Ende übrig bleibt. Klar ist allerdings schon jetzt, der Wettbewerb um Spitzenkräfte und Kunden zwischen etablierten und aufstrebenden Finanzvertrieben in Deutschland geht in eine neue Runde. Und die könnte womöglich viel härter werden, als man es bei MLP offiziell derzeit einzuräumen bereit ist.

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