Ölpreis Schwarzes Platin

Der Preis für US-Leichtöl hat am Mittwoch erstmals die Marke von 104 Dollar überschritten. Kein Wunder also, wenn der Opec als verlässlichster Öllieferant steigende Bedeutung zukommt. Doch die Organisation will die Fördermenge nicht erhöhen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Eigentlich dürfte nicht mehr die Rede vom schwarzen Gold sein; schwarzes Platin wäre der passende Name für Öl . Denn der Preis für den Rohstoff steigt immer höher und notiert aktuell bei knapp 104 Dollar je Barrel der Sorte WTI. Und die Entwicklung ist voraussichtlich noch nicht am Ende.

Dafür spricht schon die gern zitierte überschlägige Rechnung. Auf der einen Seite steht der steigende Bedarf. China und Indien vor allem benötigen für ihre fortschreitenden Industrialisierung immer mehr Öl. Dem steht auf der anderen Seite bestenfalls ein konstantes Angebot gegenüber. Die meisten Experten gehen inzwischen davon aus, dass es immer teurer wird, weiteres Öl zu finden und zu fördern. Der BP-Chefvolkswirt Christof Rühl sagte Anfang des Jahres, dass die Gewinne der Ölkonzerne 2008 geringer ausfallen würden als noch 2007. Die logische Folge dieser Kalkulation - einstweilen werden die Preise weiter steigen.

"Der Energieverbrauch in den Emerging Markets ist nur ein Bruchteil des Verbrauchs in den entwickelten Ländern und weil sich diese jungen Märkte weiter entwickeln, muss die Welt mehr Öl produzieren. Und eine deutliche Ausweitung der Produktion ist schwierig vorherzusagen", bestätigt Stephen Thorber, Fondmanager des Threadneedle Global Equity Income Fund. Kurzfristig kann sich an den einzelnen Parametern allerdings einiges ändern.

Ein paar Zahlen: Das weltweite Ölangebot lag im Januar zum Beispiel bei 87,2 Millionen Barrel pro Tag, errechnet die Internationale Energiebehörde (IEA). Davon stammen 32 Millionen Barrel pro Tag übrigens aus Quellen der Opec-Länder. Damit liegt die globale Förderung etwas über der des Vormonats.

Die Nachfrage liegt bei 87,6 Millionen Barrel und sinkt derzeit etwas - weil die Weltwirtschaft lahmt. Kommt allerdings eine Kältewelle über zum Beispiel die USA oder vor allem Nordasien, dann steigt die Nachfrage wieder etwas. Ralph Sims, Ölanalyst, hält das für durchaus möglich und verweist in einem Fernsehinterview auf entsprechende Analysen der IEA. "Die sind im Allgemeinen recht genau."

Von Politik und Inflation

Von Politik und Inflation

Die allgemeine Unsicherheit der Investoren können diese Zahlen also nicht lösen. In Nigeria wurde jüngst ein Rebellenführer getötet - und das befeuerte prompt Sorgen über den Nachschub aus dem afrikanischen Land.

Die Opec selbst tagte am Mittwoch. Sie hätte die Fördermengen anheben können, wie US-Präsident Georg W. Bush es anregte. Doch die Organisation scheint nicht gewillt, die Produktion zu steigern. Erhofft wurde zwar etwas anderes, erwartet hatte es aber keiner.

Der hohe Ölpreis birgt noch ein weiteres Problem - das der Inflation. Das zeigt schon der Blick zurück in den vergangenen September. Die Geldentwertung in Deutschland lag damals bei 2,5 Prozent. "Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate nur bei 1,6 Prozent gelegen", erklärten die Statistiker seinerzeit gegenüber manager-magazin.de. Das gleiche Bild auf europäischer Ebene. Auch der Europäischen Zentralbank scheint diese Entwicklung langsam Sorgen zu bereiten.

Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums, hatte auf einer Rede vor dem Bayerischen Bankenverband erklärt, die Jahresrate der Verbraucherpreise im Euroraum dürfte den größten Teil des Jahres 2008 über der Marke von 2 Prozent liegen. Eine gewichtige Rolle dürften dabei die hohen Rohstoffpreise spielen.

Zumindest der Ratschlag der IEA ist in diesen unsicheren Zeiten deutlich: "Bei Preisen auf diesem Niveau sollten wir eher darüber besorgt sein, die Marktnachfrage zu befriedigen als über ein Überangebot."

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