Fed Bernanke deutet Zinssenkung an

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vor einem weiteren Abschwung der amerikanischen Wirtschaft gewarnt. Die Federal Reserve werde "zeitnah handeln", kündigte er an. Der Finanzmarkt sieht darin ein klares Zeichen dafür, dass der Leitzins im März weiter sinkt.

Washington - Die US-Notenbank wird nach den Worten ihres Chefs Ben Bernanke auch in Zukunft alles nötige tun, um der schwächelnden Wirtschaft in den Vereinigten Staaten unter die Arme zu greifen.

"Die Fed wird alle Informationen bezüglich ihrer Auswirkungen auf den Wirtschaftsausblick abwägen und falls nötig zeitnah handeln und eine adäquate Versicherung gegen Abwärtsrisiken zur Verfügung stellen", sagte Bernanke am Mittwoch bei der regelmäßigen halbjährlichen Anhörung des Chefs der Zentralbank vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

Er deutete damit nach Einschätzung von Analysten erneut weitere Zinssenkungen durch die Federal Reserve an. Es gebe weiterhin bedeutende Risiken für die Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft, sagte Bernanke.

Vor allem die Lage am krisengeschüttelten Immobilienmarkt sei ernster als ursprünglich angenommen. Auch die Finanzmärkte stünden wegen der Immobilien- und Kreditkrise weiterhin unter hohem Druck. Wie zeitgleich zu der Anhörung Bernankes bekannt wurde, sank die Zahl der Eigenheimverkäufe in den USA im Januar auf das tiefste Niveau seit 13 Jahren.

Bernanke forderte erneut striktere Regeln bei der Vergabe von Hypothekenkrediten. "Wir brauchen mehr Verantwortung und zwar Verantwortung am Ursprung (der Kredite)." Die Krise in den USA, die mittlerweile große Teile des Weltfinanzsystems erfasst hat, war durch Spekulation auf rapide steigende Hauspreise entstanden, so dass auch finanzschwache Hausbesitzer massenhaft Hypothekenkredite bekamen.

Nachdem die Blase im vergangenen Sommer platzte, wurden die Folgen der laxen Kreditvergabe Schritt für Schritt bei vielen Banken und Immobilienfinanzierern sichtbar und erreichten schließlich auch den Geldmarkt und die Aktienbörsen.

Die Inflationsgefahr bleibt

Die Inflationsgefahr bleibt

Was die Stabilisierung der Finanzmärkte betreffe, seien die bisherigen Maßnahmen der Fed wohl hilfreich gewesen, sagte Bernanke. Die US-Notenbank hatte im Januar den Leitzins für die USA aggressiv auf mittlerweile 3 Prozent gesenkt. Experten erwarten bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank Mitte März eine weitere Lockerung der Geldpolitik, um eine Rezession zu vermeiden.

Gemeinsam mit anderen Zentralbanken hatte die Fed zudem über den Jahreswechsel mit großzügigen Liquiditätsspritzen ein Austrocknen der angeschlagenen Geldmärkte verhindert. Der Fed-Chef sagte, es müsse dafür gesorgt werden, dass es nicht wieder zu heftigen Verspannungen im Geldhandel zwischen den Banken kommen könne. Dafür sei auch eine größere Transparenz bei den Kreditinstituten notwendig.

Bernanke betonte vor dem Ausschuss auch, dass die Fed die Inflation nicht aus den Augen verlieren werde. Obwohl die Notenbank davon ausgehe, dass sich der Preisdruck bei Energie und Rohstoffen wieder abschwächen werde, gebe es Risiken für diese Annahme. Sollte die Öffentlichkeit beginnen am Willen der Fed zu zweifeln gegen die Inflation etwas zu unternehmen, wäre dies laut Bernanke eine Hürde für die Fähigkeit der Notenbank, das Wachstum zu unterstützen. Die Flexibilität, kurzfristig auf eine Wachstumsschwäche zu reagieren, ginge dann verloren.

Am Devisenmarkt verlor der Dollar nach den Äußerungen Bernankes weiter an Boden. Der Euro , der in der Nacht erstmals die Marke von 1,50 Dollar geknackt hatte, sprang über 1,51 Dollar. "Die Worte Bernankes deuten darauf hin, dass die kurzfristigen Zinsen weiter sinken werden. Er ist mehr besorgt über das Wirtschaftswachstum als über die Inflation", sagte Jim Cusser von der Vermögensverwaltung Waddel & Reed.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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