Hedgefonds Heuschrecke in der Klemme

Den Hedgefonds D.B. Zwirn kennt hierzulande kaum einer. Wohl aber jene Firmen, in die die Amerikaner investieren. Walter oder Rinol - alles Firmen, deren schwierige Finanzsituation D.B. Zwirn zum Einstieg nutzte. Nun ist der Investor anscheinend selbst in Schwierigkeiten.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Den Heuschreckengegnern müsste diese Nachricht Balsam auf die wunden Seelen sein. D.B. Zwirn, Anbieter von Hedgefonds mit Sitz in New York und bislang als Investor in sieche Unternehmen wie die deutsche Rinol oder das Bauunternehmen Walter aufgefallen, scheint nun selbst in Schwierigkeiten zu stecken. Das zumindest legen die umlaufenden Gerüchte und die verstreuten Faktenschnipsel nahe.

Hinweis eins: Das Unternehmen will seine zwei größten Fonds liquidieren. Denn angeblich, so Hinweis zwei, wollen die Anleger der US-Firma Gelder in Milliardenhöhe aus den Fonds abziehen. In der Summe ist die Rede ist von zwei Milliarden Dollar. In Relation zu dem Gesamtvolumen der Fonds von vier Milliarden Dollar ist das eine Menge Geld. Doch so schnell geht das nicht.

Zum einen ist die zögerliche Auszahlung Standard in der Hedgefondsbranche. Das liegt weniger an den Firmen selbst als vielmehr an der Art der Investments. Denn oftmals würde die prompte Auszahlung, wie sie zum Beispiel bei Investmentfonds gewährleistet ist, den Anlagezweck und den Bestand des Restfonds gefährden. Das aber verbietet sich schon, weil die übrigen Anleger geschützt werden müssen. Ein Vierteljahr Lock-up-Frist ist in der Branche vollkommen üblich, teilweise sogar deutlich länger.

Aber das scheint noch nicht alles zu sein. Denn erst im März will D.B. Zwirn darüber entscheiden, wie die Fonds genau abgewickelt werden sollen. Bei den Fonds handelt es sich um die US- und Auslandsversion des Special Opportunities Fund. Für deutsche Anleger sind sie nicht zugänglich. Der Name indes, Sondersituationen, scheint Programm zu sein. Denn D.B. Zwirn unter dem Vorsitz von Unternehmensgründer David Zwirn investiert das Geld seiner Anleger regelmäßig in solche Unternehmen, die selbst in Schräglage, in Sondersituationen eben, gekommen sind. Beispiel Rinol.

Der Renninger Fußbodenproduzent ging 1996 an die Börse und rutschte 2003 in Probleme. Das notwendige Geld zur Lösung bekam er von Morgan Stanley  und D.B. Zwirn, die 2004 alle Anleihen der Firma sowie alle Geschäftskredite kauften. In der Summe waren die Darlehen rund 38 Millionen Euro wert - gezahlt hat das Konsortium nur rund acht Millionen. Dennoch blieben die Probleme. 2006 stellten die beiden Investoren dann alle Kredite fällig, Rinol konnte nicht zahlen und musste Insolvenz anmelden.

Ähnlich sah es bei Walter Bau aus. Das insolvente Unternehmen wurde 2005 von einem Konsortium um den Baukonzern Bilfinger Berger  übernommen. Walter hielt seinerzeit einen 48-Prozent-Anteil an dem Baukonzern Züblin. Mit im Konsortium vertreten war die Stuttgarter Familie Lenz - und D.B. Zwirn.

Es köchelt seit Längerem

Es köchelt seit Längerem

Probleme hat der US-Investor angeblich schon seit Längerem; Hinweis Nummer drei: Bereits 2006 wurde "improper accounting" entdeckt, wie die Agentur Reuters es nennt, Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Dabei wurde das Unternehmen erst 2001 gegründet. Seit 2007 überprüft PricewaterhouseCoopers diese Vorwürfe. Und Anleger wollten schon damals fast 500 Millionen Dollar aus den Fonds abziehen.

2006 wurde die Finanzwelt noch aus einem anderen Grund auf das Unternehmen aufmerksam. D.B. Zwirn trennte sich von einem Händler, der seine Profite aufblähte, um seinen Bonus zu vergrößern.

Immerhin, die Wirtschaftsprüfer haben ihre Untersuchungen angeschlossen. Ein Sprecher wird zitiert, D.B. Zwirn sei "das unglückliche Opfer des Fehlverhaltens gewisser früherer Angestellter." Ob Zufall oder nicht, Perry Gruss, Finanzchef des Unternehmens, trat im Oktober 2006 zurück - dem Monat des Beginns der Untersuchungen.

Ein Einzelfall ist das nicht. Das "Wall Street Journal" berichtet, der Hedgefonds CSO Partners habe die Gelder seiner Anleger erst einmal eingefroren. Angeblich wollten Investoren 30 Prozent aus dem 500-Millionen-Dollar-Fonds abziehen.

Ein Gutes haben solche Fälle für die Hedgefondsindustrie: Denn wenn sieche Fonds aus den Statistiken fallen, sehen die überlebenden Produkte umso besser aus. "Survivorship bias" nennen das die Finanzexperten.

D.B. Zwirn selbst schweigt. Statt die Angelegenheit offensiv aufzuklären, ziert die Homepage des Unternehmens nur ein braunstichiges Bild des New Yorker Central Parks. Eine Stellungnahme sucht man vergebens. Nicht einmal eine Telefonnummer wird genannt. Die Heuschrecke im Netz der eigenen Strategie verstrickt - ob sich bei den ehemaligen Angestellten von Rinol nun so etwas wie Häme regt, ist nicht bekannt.

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