Kreditkrise Die Guten ins Töpfchen ...

Der weltgrößte Anleiheversicherer MBIA setzt die eigene, angeschlagene Branche unter Druck. Sie soll ihr Geschäft trennen - in einen guten und schlechten Teil. Das erinnert an das "Aschenputtel"-Prinzip. Im Märchen findet die Figur ihren Prinzen und ist alle Sorgen los. In der Realität könnte die Geschichte anders ausgehen.

New York/Hamburg - Der US-Anleiheversicherer MBIA  hat einen Strategiewechsel seiner von der Kreditkrise gebeutelten Branche gefordert. Sie müsse ihre Geschäfte mit Kommunalanleihen von risikoreicheren Deals wie jenen mit hypothekenbesicherten Bonds trennen, forderte jetzt der neue MBIA-Chef Joseph Brown.

Der Weltmarktführer MBIA trat zudem nach 22 Jahren aus der Branchenvereinigung AFGI aus und begründete den Schritt mit Differenzen über das richtige Vorgehen. Brown war erst am Dienstag an die Spitze von MBIA zurückgekehrt und hatte sich zuversichtlich gezeigt, ein Hilfspaket für die angeschlagene Branche schnüren zu können.

MBIA war wie seine Konkurrenten in den Strudel der Hypothekenkrise geraten. Die Bondversicherer haben neben den als relativ sicher geltenden Anleihen von US-Kommunen auch Garantien für komplexe und oft mit Ramschhypotheken (Subprime) besicherte Schuldverschreibungen übernommen. Diese haben in den vergangenen Monaten im Zuge der Finanzkrise massiv an Wert eingebüßt und bei den sogenannten Monolinern wie MBIA , FGIC und Ambac  für schwere Verluste gesorgt.

Nun droht den Anleiheversicherern der Verlust ihrer Spitzenratings und damit parallel eine Herabstufung der von ihnen versicherten Bonds. Das hat unmittelbar Konsequenzen für die Anleiheemittenten, die sich mit den Garantien ein höheres Rating und damit bessere Refinanzierungsmöglichkeiten eingekauft hatten. Sie müssen die betroffenen Papiere nun künftig mit mehr Eigenkapital unterlegen. Investoren wiederum, die auf die Garantien vertraut hatten, droht hoher Abschreibungsbedarf.

Die Ratingagentur Moody's hatte unlängst in einem Aufsehen erregenden Schritt das Rating für FGIC drastisch um sechs Stufen auf "A3" herabgestuft. FGIC kündigte daraufhin an, sein Geschäft zu spalten. Auch hier soll die Sparte der Kommunalkredite von dem verlustträchtigen Geschäft mit sogenannten strukturierten Anleihen getrennt werden.

FGIC hat Garantien für Wertpapiere in einem Volumen von 314 Milliarden Dollar übernommen. Nach Schätzungen von Experten hat die Branche insgesamt Garantien für Wertpapiere mit einem Volumen von 2,5 Billionen Dollar ausgesprochen. Eine Billion Dollar sollen dabei allein auf strukturierte Produkte entfallen. Der US-Milliardär Warren Buffett hatte unlängst angeboten, von den angeschlagenen Bondversicherern die Kommunalanleihen zu übernehmen.

Die Aufspaltung des Geschäfts in einen guten und einen schlechten Teil - also in Garantien für öffentliche Emittenten einerseits und Garantien für risikoreichere, strukturierte Produkte andererseits - hatte unlängst auch die US-amerikanische Versicherungsaufsicht gefordert. Denkbar ist nun, dass die risikoreicheren hyothekenbesicherten Anleihen und damit die Abwicklung der Garantien für diese vom Ausfall bedrohten Verbriefungen in eine Zweckgesellschaft ausgelagert werden.

Das erinnert irgendwie an das "Aschenputtel"-Prizinp: Die Guten ins Töpfchen die Schlechten ins Kröpfchen. Doch sind damit auch die Probleme beseitigt? Wohl kaum. Denn völlig offen ist, wer - um im Bilde zu bleiben - die aus dem Kröpfchen resultierenden Verluste tragen wird. Im Märchen findet Aschenputtel seinen Prinzen und ist somit alle Sorgen los. Im richtigen Leben würde es vermutlich anders laufen: Kritische Kommentatoren gehen nämlich davon aus, dass in den USA letztlich die öffentliche Hand - also der Steuerzahler - für die Verluste aufkommen muss.

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