Post-Aktie Die Razzia und die Rally

Die Aktie der Deutschen Post gehörte zu den größten Gewinnern im Dax - obwohl Steuerfahnder Räume von Post-Chef Klaus Zumwinkel durchsuchten. Ein vorzeitiger Abgang des langjährigen Konzernchefs, so scheint es, wäre an der Börse willkommen: Es könnte der Abschied von Zumwinkels "Welt AG" sein.

Frankfurt am Main - Knapp 4 Prozent hat die Aktie der Deutschen Post  bis Donnerstagnachmittag an Wert gewonnen und war damit mit Abstand der stärkste Wert im Deutschen Aktienindex Dax . Und das, obwohl der Mann, der seit 18 Jahren an der Spitze des Konzerns steht, am Donnerstag einen der schlimmsten Tage seines Lebens erlebte: Wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung wurde Klaus Zumwinkel von Polizisten aus seiner Villa eskortiert, Fahnder durchsuchten sowohl seine Privaträume als auch Büros in der Konzernzentrale.

Analysten erklärten die Kursreaktion mit Spekulationen darauf, dass Zumwinkel möglicherweise sehr rasch den Chefsessel der Post räumen wird. Dies wiederum könnte bedeuten, dass die Post sich binnen kurzer Zeit von der US-Tochter DHL trennen oder zumindest die fällige Sanierung schneller vorantreiben wird als derzeit. Zumwinkels Investitionen in den USA haben sich seit 2003 zu einem Milliardengrab entwickelt: Bislang hat das US-Abenteuer der Post mehr als 5 Milliarden Euro Verlust beschert.

Abschied von der weltweit tätigen Post?

Analysten von Morgan Stanley haben das defizitäre US-Geschäft der Post bereits mit der desaströsen Allianz zwischen Daimler  und Chrysler verglichen. Eine Trennung von DHL sowie eine Überprüfung der internationalen Aktivitäten der Deutschen Post World Net sowie eine strategische Neuausrichtung könnten der Post-Aktie neue Kursphantasie einhauchen, ergänzte ein Analyst in Frankfurt.

Während andere Unternehmen wie Daimler  sich bereits wieder von ihrem Anspruch verabschiedet hätten, weltweit aufgestellt sein zu wollen, habe die Post unter ihrem Vorstandschef Zumwinkel diesen Schritt bisher noch nicht vollzogen, sagte Klaus Stabel, Analyst bei ICF Kursmakler.

Die Expansion in die USA habe die Post sehr viel Geld gekostet. Zur Erinnerung: Beim überraschenden Abgang von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp sprang die Aktie um rund 10 Prozent.

"Der starke Kursanstieg ist fundamental übertrieben", sagte dagegen Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet. Zumwinkels Vertrag würde ohnehin Ende 2008 auslaufen, ergänzte der Experte. Eine Verlängerung galt schon vor dem heutigen Tage als unwahrscheinlich. Zumwinkel ist 64 Jahre alt.

Spekulationen um Postbank stützen

Appeal führt die Geschäfte

Die "Financial Times Deutschland" berichtete unterdessen, dass der designierte Zumwinkel-Nachfolger Frank Appel vorerst die Führung des Konzerns übernehme und sich dabei mit Aufsichtsratschef Jürgen Weber abstimme. Der Post-Vorstand bleibt ungeachtet der Ermittlungen voll handlungsfähig. Bei der US-Tochter DHL hat ohnehin Finanzchef John Allan bereits mit der Sanierungsarbeit begonnen.

Die Deutsche Post hat unterdessen Berichte über einen Rücktritt von Noch-Vorstandschef Klaus Zumwinkel dementiert. Solche Gerüchte seien falsch, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Bonn.

Ein anderer Analyst merkte an, dass Zumwinkel in Investoren- und Analystenkreisen ohnehin "nicht sehr beliebt und besonders geschätzt" gewesen sei. Insofern verwundere ihn die positive Kursreaktion nicht.

Spekulationen um Postbank stützen

Stabel führte auch einen charttechnischen Grund für die starken Kursgewinne an. So hätten die Titel des Logistikunternehmens am Vormittag die bei der Marke von 22,20 Euro ein wichtiges Kaufsignal ausgelöst.

Für den jüngsten Aufwärtstrend der Post-Papiere mitverantwortlich ist auch der erwartete Verkauf der Postbank. Zumwinkel hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Spekulationen geschürt, dass die Postbank  noch in diesem Jahr mit einem weiteren Geldinstitut fusioniert werde. Dies hat nicht nur der Postbank seit November eine Kursrally beschert, sondern auch der Kursentwicklung der Konzernmutter Post geholfen.

Außerdem hat die Commerzbank  am Donnerstag ihr Interesse an der Postbank bekräftigt. Dies könnte den Preis für die Postbank weiter in die Höhe treiben, da die Commerzbank sicher nicht der einzige Bieter für Deutschlands größte Privatkundenbank sein dürfte, hieß es in Frankfurt.

Die Postbank hat zudem angekündigt, die Bekanntgabe ihrer Jahreszahlen auf diesen Freitag vorzuziehen. Bislang hat sie einen Vorsteuergewinn von knapp über einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Auch dies dürfte der Konzernmutter Deutsche Post  helfen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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