Commerzbank Rekordjahr trotz Finanzkrise

Die Frankfurter Commerzbank hat im vergangenen Jahr so viel Geld verdient wie nie zuvor in ihrer Firmengeschichte - trotz der Kreditkrise. Das Management weckt sogar Hoffnung auf mehr: Mit etwas Glück könnte 2008 noch besser werden als das Rekordjahr 2007. Die Aktie fällt am Donnerstag dennoch.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank  hat wie der Branchenprimus Deutsche Bank  das Krisenjahr 2007 mit einem Rekordüberschuss beendet. Für weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten sieht sich Deutschlands zweitgrößte Bank gut gerüstet und will ihre Position auch durch Zukäufe - namentlich der Postbank  - stärken. Zwar hätten die ersten Wochen des Jahres gezeigt, "dass 2008 kein einfaches und ein eher volatiles Banken- und Börsenjahr werden wird", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Donnerstag in Frankfurt mit Verweis auf die eingetrübten Konjunkturaussichten.

Für den Dax-Konzern zeigte sich Müller aber zuversichtlich: "Wenn uns gravierende Negativ-Überraschungen erspart bleiben, werden wir in diesem Jahr das gute Ergebnis des Jahres 2007 wieder erreichen. Wenn die Märkte es zulassen, können wir dieses Ergebnis auch übertreffen." 2007 steigerte das Institut seinen Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel auf den Rekordwert von 1,92 Milliarden Euro.

Allerdings hinterließ die Krise an den internationalen Finanzmärkten deutliche Bremsspuren in der Bilanz: Im vierten Quartal musste die Commerzbank im Zusammenhang mit den Turbulenzen am Markt für zweitklassige (Subprime) US-Hypothekenkredite nochmals 248 Millionen Euro abschreiben. Damit summierten sich die Einbußen in dem 1,2 Milliarden Euro schweren Subprime-Portfolio der Commerzbank auf 583 Millionen Euro. Hinzu kommen fast 200 Millionen Euro sogenannte Neubewertungsrücklagen, die nicht ergebniswirksam sind.

Weitere Wertberichtigungen seien nicht auszuschließen, sagte Müller: "Natürlich kann noch etwas kommen. Es handelt sich um Werte, die täglich neu bewertet werden." Allerdings dürften sich weitere Belastungen nach Einschätzung des Vorstandes gering halten: "Das, was uns noch treffen kann, hat eine überschaubare Dimension - wenn es überhaupt kommt", sagte Müller. Finanzvorstand Eric Strutz bekräftigte, mit einer neuen Schockwelle für die Finanzbranche wegen aktueller Probleme bei US-Kreditversicherern, sogenannten Monolinern, rechne die Commerzbank nicht.

"Interessiert, wenn die Postbank auf den Markt kommt"

Auf das Ergebnis des vierten Quartals drückten zudem ein Verlust der mittlerweile integrierten Tochter Essen Hyp sowie Belastungen aus der Neuordnung der Staatsfinanzierung. Das operative Ergebnis der Commerzbank brach von Oktober bis Ende Dezember auf 169 (Vorjahr: 652) Millionen Euro ein.

Wachstum erwartet Müller 2008 vor allem in Mittel- und Osteuropa, er zeigte aber auch Interesse an Übernahmen im Inland: "Wenn die Postbank auf den Markt kommt, sind wir daran interessiert." Dabei wolle die Bank aber keinen Partner ins Boot holen: "Wir denken, dass sich Gemischtwarenlösungen für die Commerzbank nicht anbieten." Seit Monaten wird spekuliert, dass sich die Post von ihrer Beteiligung an der Postbank trennen will. Die Postbank ist mit etwa 15 Millionen Kunden nach Kundenzahl Deutschlands größte Privatbank. Auch Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann hatte Interesse an ihrem Kauf gezeigt.

"Wir sind an einem Erwerb der IKB nicht interessiert"

Dagegen kommt eine Übernahme der kriselnden Mittelstandsbank IKB  für die Commerzbank nicht infrage: "Wir sind an einem Erwerb der IKB nicht interessiert", sagte Müller. An dem neuen milliardenschweren Rettungspaket sei die Commerzbank auch nicht direkt beteiligt, sondern nur indirekt über den Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Insgesamt retteten vor allem das beste erste Halbjahr der Unternehmensgeschichte sowie das Geschäft mit Mittelstands- und Privatkunden das Jahresergebnis der Commerzbank. Größter Ertragsbringer war das Mittelstandsgeschäft, das seinen operativen Gewinn binnen Jahresfrist um knapp 54 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro steigerte. Seit Herbst 2006 wurden den Angaben zufolge im Filialgeschäft und bei der Online-Tochter comdirect netto insgesamt 400 000 Kunden gewonnen. Die Zahl der inländischen Privatkunden liegt damit bei 5,5 Millionen und soll bis Ende 2009 auf mehr als sechs Millionen zulegen. Die Zahl der Mitarbeiter nahm 2007 weltweit auf 36 767 (35 975) zu.

An dem Rekordgewinn des Jahres 2007 sollen die Aktionäre mit einer um 25 Cent höheren Dividende von 1,00 Euro je Aktie beteiligt werden. Am Donnerstagnachmittag rutschen Commerzbank-Papiere mit einem Minus von gut 5 Prozent ans Dax-Ende .

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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