Kurssturz Anleger flüchten aus IKB-Aktien

Der Aktienkurs der Mittelstandsbank IKB brach heute um mehr als 20 Prozent ein. Grund sind Spekulationen über eine weitere milliardenschwere Kapitalspritze für das angeschlagene Institut. Analysten raten Anlegern jetzt zum Verkauf ihrer IKB-Aktien - trotz der aktuellen Minipreise für die Anteilsscheine des Geldhauses.

Frankfurt am Main - Die Papiere der Mittelstandsbank IKB  brachen am Montag um bis zu 22 Prozent auf 4,92 Euro ein und blieben damit nur knapp über dem Mitte Januar markierten Rekordtief bei 4,77 Euro. Dabei hatten nach weniger als zwei Handelsstunden bereits mehr IKB-Titel den Besitzer gewechselt als an einem kompletten gewöhnlichen Handelstag. Der MDax ,in dem die IKB-Titel geführt werden, gab gleichzeitig nur um 0,31 Prozent auf 8619,46 Punkte nach.

Händler verwiesen auf einen Medienbericht, wonach eine Bankenrunde beim Schnüren eines weiteren milliardenschweren Rettungspakets für die angeschlagene Mittelstandsbank am Wochenende ohne Lösung geblieben sei. Mit der Angelegenheit vertraute Personen hatten den zusätzlichen Finanzbedarf für die durch Fehlspekulationen mit US-Hypotheken in Schieflage geratene Mittelstandsbank auf zwei Milliarden Euro beziffert. Mit diesen zusätzlichen Milliarden würde sich das Gesamtrisiko des Düsseldorfer Instituts auf rund 11,5 Milliarden Euro summieren.

Branchenexperten halten es für wahrscheinlich, dass die IKB weitere Milliardenspritzen benötigt: "Solange der Kursverlust bei Wertpapieren sich fortsetzt, wird sich das nicht stabilisieren", sagte der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust.

Lösungen zum Stopfen der möglichen neuen Milliardenlöcher sollen indes diesen Mittwoch gefunden werden. In Berlin kommt dann der Verwaltungsrat der staatlichen KfW unter Vorsitz von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zusammen, die mit gut 38 Prozent größter Eigentümer der IKB ist. Weder das Wirtschafts- noch das Finanzministerium wollten sich zu den Spekulationen äußern. Die Förderfähigkeit der KfW stehe aktuell nicht zur Disposition, hieß es.

Analysten reagierten mit Verkaufsempfehlungen auf die Berichte. So nahm Andreas Weese von der UniCredit seine Einstufung von "Hold" auf "Sell" zurück. Es gebe klare Anzeichen für ein geringes Übernahmeinteresse und weitere Belastungen seien nicht unrealistisch, so der Experte. Bislang habe er empfohlen die Aktie zu meiden, Restbestände sollten nach der jüngsten Erholung nun verkauft werden. Das Kursziel bleibe bei 6,10 Euro.

Bislang haben die Muttergesellschaft KfW und ein Banken-Pool der IKB gut sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. "Die Entwicklung bei der IKB zeigt, dass der bislang zur Verfügung gestellte Risikoschirm von sechs Milliarden Euro nicht ausreicht, weil die Verluste der Bank offensichtlich größer sind als erwartet", betonte LBBW-Analyst Olaf Kayser. Er bekräftigte seine Verkaufsempfehlung und senkte das IKB-Kursziel auf von zehn auf vier Euro.

Sein Kollege Philipp Häßler vom Brokerhauses Equinet urteilte ähnlich. "Angesichts der weiteren Verschärfung der Subprime-Krise seit November, wären wir nicht überrascht, wenn die IKB zusätzliches Kapital benötigen würde", schrieb er in einem Kommentar. Vor diesem Hintergrund stufte er die IKB-Papiere auf "Sell" von "Reduce" herunter und bekräftigte sein Kursziel von fünf Euro.

Die IKB war infolge der Krise am Markt für zweitklassige US- Hypothekenkredite (Subprime) in Existenznot geraten. Um das Institut zu retten, war die KfW Ende Juli eingesprungen. Daneben beteiligte sich fast die gesamte deutsche Kreditwirtschaft an einem milliardenschweren Rettungspaket.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und dpa-afx

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