Quartalszahlen Infineon weitet Verlust aus

Der Halbleiterkonzern Infineon hat im ersten Geschäftsquartal 2007/2008 schwer unter seiner Speicherchip-Tochter Qimonda gelitten. Auch in den Kernsparten läuft das Geschäft nicht rund. Die Aktie stürzt um mehr als 18 Prozent ab.

München - Zwar sei es weiterhin Ziel, im Geschäftsjahr 2009 eine Ebit-Marge von 10 Prozent zu erreichen, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart am Donnerstag. Das Erreichen dieses Ziels würde allerdings durch die "Unwägbarkeiten der globalen Wirtschaft" und "die ungünstige Entwicklung des Wechselkurses" erschwert. Infineon  hat bereits die Prognosen für das laufende zweite Quartal und das Jahr 2008 zurückgenommen.

Die Anleger sahen angesichts eines bereits schlecht gelaufenen ersten Geschäftsquartals rot: Die Aktie stürzte im Handelsverlauf um mehr als 18 Prozent ab und schloss mit minus 13,6 Prozent auf 5,79 Euro. Zuletzt war das Papier im März 2003 so schwach bewertet gewesen. Bis zum Allzeittief von 5,03 Euro aus dem Oktober 2002 ist es nur noch ein kurzes Stück. Analyst Günther Hollfelder von der Unicredit  nannte den Ausblick "enttäuschend", sein Kollege Thomas Becker von der Commerzbank  verwies auf die Gefahren aus der weiterhin hohen Qimonda-Beteiligung.

Die Speicherchip-Tochter hatte mit ihrem Rekordverlust auch die Mutter tief in die roten Zahlen gerissen. Von Oktober bis Dezember verbuchte Infineon einen Verlust von knapp 400 Millionen Euro. Grund des Qimonda-Debakels waren die dramatisch gefallenen Preise für Computer-Speicherchips (DRAM). Infineon-Chef Ziebart sagte zwar, es gebe "sehr viele Anzeichen" für eine Erholung der Preise. Doch ob die Preise "jetzt, im nächsten Quartal oder im übernächsten Quartal" wieder stiegen, könne er nicht sagen.

Bis zum Frühjahr 2009 will sich Infineon von der Mehrheit an Qimonda  trennen. Bis dahin werden etwaige Verluste aber noch konsolidiert. Doch das ist nicht das einzige, was den Börsianern Sorge bereitet: Sie rechnen auch mit einem weiteren Abschreibungsbedarf auf die Qimonda-Anteile. In den Büchern steht das in den USA gelistete Unternehmen zu zwölf Dollar je Aktie. An der Börse liegt der Wert derzeit allerdings bei 5,17 Dollar. "Es besteht grundsätzlich das Risiko, dass der Anteil an Qimonda weiter abgeschrieben werden muss", sagte Finanzchef Peter Fischl. Er wollte sich aber nicht festlegen, wann dies geschieht.

Dickes Minus bei Com erwartet

Verkaufsgespräche für Qimonda dementiert

Viele Börsianer hatten auf einen baldigen Komplettverkauf von Qimonda  gehofft. Entsprechende Spekulationen kursieren seit einiger Zeit am Markt. Vorstandschef Ziebart bestritt Gespräche mit dem US-Speicherchiphersteller Micron . Dass Infineon  ob des Einbruchs seiner eigenen Aktien selbst Ziel einer Übernahme werden könnte, glaubt Ziebart nicht. Derzeit müsste ein Investor noch gut vier Milliarden Euro in die Hand nehmen, um die Münchener zu kaufen.

Auch im Kerngeschäft läuft es bei Infineon derzeit mau. Zwar gelang dem Unternehmen im ersten Quartal vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit plus 65 Millionen Euro der Sprung in die schwarzen Zahlen. Doch sank der Umsatz im Vergleich zum vorangegangenen Quartal auf 1,1 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Geschäftsjahres im September soll der Umsatz unter Herausrechnung von Qimonda im "hohen einstelligen Prozentbereich" wachsen, wobei Infineon noch vor Kurzem "bis zu 10 Prozent" in Aussicht gestellt hatte; vor Zinsen und Steuern wollen die Münchener einen Gewinn ausweisen.

Dickes Minus bei Com erwartet

Besonders schlecht sieht der kurzfristige Ausblick für die kleinere Sparte Kommunikation (Com) aus. Neben einem Umsatzrückgang erwartet der Konzern im laufenden zweiten Geschäftsquartal auch ein operatives Minus von 30 Millionen Euro. Dabei betonte Ziebart, dass der Bereich ebenso wie das darin enthaltene Mobilfunkgeschäft unter Herausrechnung von Sondereffekten im ersten Quartal profitabel war: "Wenn man bedenkt, dass uns mit BenQ Mobile unser Hauptkunde weggebrochen ist, können wir auf diese Leistung schon ein wenig stolz sein."

Ziebart hatte die Sparte nach der Insolvenz von BenQ Mobile nicht geschlossen, sondern durch Zukäufe ausgebaut. Er gewann unter den Herstellern von Mobiltelefonen viele neue Kunden und punktete dabei vor allem mit multifunktionalen Steuerungschips für Billighandys. "Ab dem dritten Quartal wächst Com wieder", sagte Ziebart. Den Durchhänger begründete er mit saisonalen Schwächen. Analysten zeigten sich verwundert angesichts guter Ausblicke von anderen Branchengrößen.

Die einzig profitable Sparte von Infineon war im ersten Quartal abermals Auto und Industrie (AIM). Allerdings fielen Umsatz und operativer Gewinn im Vergleich zum vorangegangenen Quartal, was nicht zuletzt an rückläufigen Bestellungen der US-Autobauer gelegen hatte. Hier sieht der Konzern Besserung, rechnet gleichzeitig aber mit einem saisonal bedingten Abflauen der Nachfrage nach Chips für Computer und Unterhaltungselektronik. Unterm Strich rechnet Infineon mit einem Umsatz von 743 Millionen Euro im zweiten Quartal - bei jedoch gut einem Drittel weniger Gewinn (zuletzt 93 Millionen Euro). Im Gesamtjahr sollen Umsatz und Gewinn leicht zurückgehen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

Verwandte Artikel