HSH Nordbank IPO soll verschoben werden

Die HSH Nordbank wird ihren für 2008 erwarteten Börsengang wegen der Finanzmarktkrise wohl verschieben. Zusätzliches Kapital soll nun bei den Eigentümern eingesammelt werden.

Hamburg - "Wir halten unverändert an dem Ziel des Börsengangs fest", sagte ein Sprecher der Landesbank gegenüber manager-magazin.de am Mittwoch. "Es gibt lediglich die Überlegung, den Börsengang nicht mehr in diesem Jahr durchzuführen." Der Zeitpunkt - bislang war die Rede vom vierten Quartal dieses Jahres - hänge "maßgeblich vom Marktumfeld ab".

Der schleswig-holsteinische Finanzminister Rainer Wiegard (CDU), der im Aufsichtsrat der Bank sitzt, hatte von der "Perle" HSH Nordbank gesprochen. Sie solle nicht "um jeden Preis" an die Börse gebracht werden, hieß es in Kreisen der Bank. Eine Verschiebung des Initial Public Offerings (IPO) auf 2009 sei "kein Beinbruch".

Eine Entscheidung des Aufsichtsrats steht noch aus. Nach Informationen von manager-magazin.de werden die Kontrolleure auch über einen Plan befinden, weitere 685 Millionen Euro an stillen Einlagen in Eigenkapital umzuwandeln. Diese Summe war ursprünglich für den Börsengang gedacht, könnte aber auch unabhängig davon noch in diesem Jahr eingesetzt werden.

Bereits Ende 2007 hatten die Eigner der Bank etwa 700 Millionen Euro an stillen Einlagen in Eigenkapital umgewandelt. Der Finanzinvestor J.C. Flowers hatte damals 200 Millionen Euro eingebracht, um seinen Anteil nicht verwässern zu lassen. Diese Transaktion sei schon zum Einstieg von Flowers vor zwei Jahren vereinbart worden, hieß es im Umfeld der Bank.

In Finanzkreisen wird das Volumen der Kreditpakete im HSH-Portfolio auf vier Milliarden Euro geschätzt. Darunter soll ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro mit Hypothekendarlehen bonitätsschwacher US-Hausbesitzer (Subprime) unterlegt sein. Diese Zahl wird von der Bank nicht bestritten. Rund 190 Millionen Euro an Subprime-Papieren hat die HSH Nordbank bereits im vergangenen Jahr abgeschrieben, gleichzeitig aber verkündet, damit seien die wesentlichen Belastungen aus den Büchern gestrichen. Ob es gleichwohl weiteren Abschreibungsbedarf gibt, will die Bank nicht kommentieren.

Klarheit am 9. April

Klarheit am 9. April

Die Wahrheit wird wohl erst am 9. April ans Licht kommen, wenn die Bank ihren Jahresabschluss vorlegt. Dann wird erstmals nach dem internationalen Regelwerk IFRS bilanziert, bislang richteten sich die Abschlüsse nach dem deutschen Handelsgesetzbuch. Wegen dieser Umstellung sind derzeit die Wirtschaftsprüfer damit beschäftigt, das Vermögen der Bank, darunter auch die Subprime-Papiere, neu zu bewerten. Im Konzert mit den anderen Landesbanken, die ebenfalls im Frühjahr ihre Abschlüsse vorlegen, will man dann reinen Tisch machen.

Als erste und bislang einzige öffentlich-rechtliche Bank in Deutschland hat die HSH Nordbank einen privaten Anteilseigner: Flowers hatte 2006 den 27-Prozent-Anteil der WestLB an der HSH übernommen. Größter Eigner ist die Stadt Hamburg mit 35 Prozent, das Land Schleswig-Holstein hält 20 Prozent und der Sparkassen- und Giroverband des nördlichsten Bundeslandes 18 Prozent.

Der HSH war es zuletzt inmitten der Finanzmarktkrise gelungen, Risiken aus Immobilienkrediten von 7,6 Milliarden Euro an andere Banken zu verkaufen. Finanzkreisen zufolge gehören die Münchener Hypo Real Estate , die französische Bank BNP Paribas  und die US-Investmentbank Lehman Brothers  zu den Käufern. Durch den Wegfall dieser Risiken kann die Bank mit ihrem Eigenkapital neue Darlehen unterlegen. Zu dem Deal gibt es keine offizielle Bestätigung. Üblicherweise wird in solchen Fällen Stillschweigen vereinbart.

Die HSH Nordbank bestätigte Presseberichte, denen zufolge der bisherige Leiter des Unternehmensbereichs Immobilien, Claudio Lagemann, die Bank zum 31. Januar verlassen hat. Lagemann hatte seinen Posten erst im April 2007 angetreten. Nach Angaben der Bank schied Lagemann "auf eigenen Wunsch" aus. Der Vorstand bedauere diesen Schritt außerordentlich und danke Lagemann für die "hervorragende Arbeit bei der Weiterentwicklung des Unternehmensbereichs".

manager-magazin.de mit Material von reuters