Bergbau Rio Tinto lehnt neues BHP-Gebot ab

Es wäre die zweitgrößte Fusion der Geschichte: Im milliardenschweren Kampf um den Rohstoffkonzern Rio Tinto hat der australisch-britische Konkurrent BHP Billiton sein Angebot erhöht. Doch Rio Tinto weist die 147-Milliarden-Dollar-Offerte zurück. Jetzt könnte es zu einer Bieterschlacht kommen.

Sydney - Angetrieben vom Rohstoffboom steht die Bergbaubranche wohl vor ihrer bislang größten Übernahme: Weltmarktführer BHP Billiton  stockte am Mittwoch sein Angebot für die Nummer zwei Rio Tinto  trotz Störversuchen vor allem aus China um 13 Prozent auf und will den Rivalen nun für 147,4 Milliarden Dollar (100,6 Milliarden Euro) auch gegen dessen Willen übernehmen. Dies wäre nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone die zweitgrößte Fusion in der Wirtschaftsgeschichte.

Allerdings könnte es noch zu einer Bieterschlacht kommen. Denn das chinesische Staatsunternehmen Chinalco war zuletzt zusammen mit dem amerikanischen Aluminium-Giganten Alcoa  bei Rio Tinto eingestiegen. Experten schließen eine gemeinsame Gegenofferte nicht aus.

Aus einem Zusammenschluss von BHP und Rio Tinto würde ein Bergbaugigant entstehen, der bei einer Reihe von industriell genutzten Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle, Kupfer oder Uran die Märkte kontrollieren könnte. Kunden wie die deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp  und Salzgitter  befürchten einen weiteren Druck auf die Preise. Daher lehnen etwa die Stahlverbände in Europa und Asien die Fusionspläne ab. China sieht seine boomende Stahlindustrie besonders betroffen.

BHP besserte seine Offerte vom November nach, die nicht die Zustimmung der Rio-Tinto-Führung fand. Der Konzern bietet nun 3,4 eigene Aktien für jeden Rio-Anteilsschein. Bislang hatte BHP lediglich drei eigene Aktien in Aussicht gestellt. Am Markt wurde seit langem über eine Nachbesserung spekuliert. Für eine formelle Offerte war eine Frist bis zum 6. Februar gesetzt. "Dies ist unser erstes und einziges Angebot", sagte BHP-Chef Marius Kloppers. Später wollte er sich auf Nachfrage aber nicht dazu äußern, ob dies tatsächlich das endgültige Angebot ist.

Rio erklärte zunächst, die Offerte zu prüfen. Später hieß es dann, man habe das Angebot einstimmig abgelehnt, da es nicht den Interessen der Aktionäre diene. Rio hatte sich monatelang gegen eine Übernahme durch BHP gestemmt, zuletzt eine Fusion aber nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Kloppers, der seinem Übernahmevorhaben in Anlehnung an Cäsars Krieg gegen die Gallier den Codenamen "De Bello" gab, betonte, er gehe davon aus, dass die Offerte Unterstützung finde. Es sei ein überzeugendes Angebot.

Reicht das Angebot aus?

Reicht das Angebot aus?

Auch Branchenexperten zeigten sich verhalten optimistisch: Die Offerte sollte reichen, um Rio zu Gesprächen mit BHP zu bewegen, meinte etwa Rob Patterson von Argo Investments. Die Nachbesserung des Angebots sei wohl sinnvoll gewesen. "Es sieht fairer aus als zuvor, aber es ist kein K.O.-Angebot", sagte Fondsmanager Bertie Thomson von Aberdeen Asset Management. Einige Analysten bezweifelten aber, ob die Höhe des BHP-Angebots ausreiche. "Angesichts der Marktbedingungen und des Ausblicks und im Vergleich zu anderen Übernahmen wird es vermutlich so nicht hinhauen", sagte Ken West von Perennial Growth Management.

Vor allem der gemeinsame Vorstoß von Chinalco und Alcoa könnte die Pläne von BHP durchkreuzen. Die britische Zeitung "Times" berichtete am Mittwoch, der staatliche Aluminiumhersteller aus China und sein US-Partner bereiteten eine Gegenofferte vor. Von mit der Situation vertrauten Personen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters allerdings, dass die Chinesen sich nicht zur Eile gezwungen sähen. Das Investment-Joint-Venture von Chinalco und Alcoa erklärte, die Entwicklung genau zu verfolgen, aber zunächst die Reaktion Rio Tintos abzuwarten.

Analysten zeigten sich aber überzeugt, dass das chinesische Unternehmen bereits konkrete Pläne habe. "Chinalco ist sicher nicht so groß bei Rio Tinto eingestiegen, ohne darüber nachzudenken, was passiert, wenn BHP ein Angebot vorlegt", sagte James Wilson von DJ Carmichael & Co. BHP hatte kurz vor der Vorlage des Rio-Angebots seine Halbjahreszahlen veröffentlicht und darin einen Rückgang beim Netto-Gewinn um 2,4 Prozent auf gut sechs Milliarden Dollar ausgewiesen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern belief sich auf 9,6 Milliarden Dollar - zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 5,4 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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