US-Wahl Kapital trifft Capitol

Super Tuesday in den USA: Heute entscheiden die Wähler in 24 Bundesstaaten, wer sich im November um die Nachfolge von Präsident Bush bewerben soll. Auch deutsche Anleger fiebern dem Großereignis entgegen - mit Wetten auf die möglichen Gewinner und Verlierer.

Hamburg - Wenn ein aktuelles Thema große Aufmerksamkeit bekommt, macht die Zertifikateindustrie daraus einen Anlagetrend. Mehr als 275.000 verschiedene Papiere zählt das Deutsche Derivate-Institut inzwischen am deutschen Markt. Die Anleger können auf alle bedeutenden Aktienindizes wetten, auf Firmen, die vom Klimaschutz profitieren, oder auch von der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz.

Natürlich beschäftigt auch der Countdown für US-Präsident George W. Bush die Börsianer. Im November wird sein Nachfolger (oder seine Nachfolgerin) gewählt. Das System der Vorwahlen sorgt dafür, dass die Kandidatensuche monatelang im Licht der Öffentlichkeit bleibt.

Die Deutsche Bank  hat daraus eine Investmentgelegenheit für ihre Kunden gemacht. Wer glaubt, dass erneut ein Vertreter der Republikanischen Partei ins Weiße Haus einzieht, kann diese Erwartung mit dem US-Republikaner-Basket-Zertifikat  zu Geld machen. Für die Gegenseite gibt es das US-Demokraten-Basket-Zertifikat . Beide Papiere laufen bis Juni 2009. Dann ist der 44. Präsident der USA noch relativ frisch im Amt.

Die beiden Zertifikate basieren auf zwei eigens konstruierten Körben aus jeweils zehn Aktien. Im Republikaner-Korb sind mehrere Bluechips, darunter einige Börsenstars der Bush-Jahre wie der Ölmulti Exxon Mobil , die Pharmafirmen Merck & Co.  und Eli Lilly  oder die Rüstungskonzerne Lockheed Martin  und Raytheon . Bei den Demokraten sind eher Nebenwerte zu finden, darunter gleich fünf alternative Energiefirmen, aber auch der private Hochschulbetreiber Devry  und die halbstaatliche Hypothekenbank Fannie Mae .

"Wir haben die Auswahl danach getroffen, welche Themen von den Parteien präferiert werden", erklärt Nicolai Tietze vom X-Markets-Team der Deutschen Bank, das die Zertifikate entwirft und vermarktet. "Die Republikaner sind weniger reformfreudig. Davon könnten Öl- und Pharmawerte profitieren." Auch im Demokraten-Korb findet sich mit der israelischen Teva  jedoch ein Arzneimittelhersteller. Der Marktführer für Generika würde von einer Gesundheitsreform profitieren, glaubt Tietze.

Die begrenzte Macht der Großspender

Die begrenzte Macht der Großspender

"Zusätzlich haben wir uns das Spendenaufkommen angesehen", sagt Tietze. Und das erklärt, warum der Marktwert der Firmen im Republikaner-Korb mehr als eine Billion Dollar beträgt, fast zehnmal so viel wie die im Demokraten-Korb. "Die meisten der Unternehmen im Republikaner-Basket haben mehr als 80 Prozent ihrer Wahlspenden an die Republikaner fließen lassen", so Tietze.

Ob sich die siegreiche Partei von 2009 an tatsächlich loyal an ihre Großspender oder an ihr Wahlprogramm hält, steht auf einem anderen Blatt. Ebenso wenig ist es möglich, mit den Zertifikaten programmatische Unterschiede der einzelnen Kandidaten abzubilden.

Das sind nicht nur Nuancen, auch wenn Senator Dennis Kucinich, der ein staatliches Gesundheitssystem nach europäischem Vorbild will, chancenlos aus dem Rennen ausgeschieden ist. Hillary Clinton beispielsweise plant eine gesetzliche Pflicht zur Krankenversicherung, während ihr schärfster Konkurrent Barack Obama auf mehr steuerliche Anreize setzt.

Vor allem aber werden die Aktienkurse noch von anderen Faktoren als der Sympathie des amtierenden Präsidenten für das Unternehmen geleitet. Der Wert von Fannie Mae, dem Schwergewicht im Demokraten-Korb, hat heftig unter der Hypothekenkrise gelitten. Bessere Chancen für das Investment unter einem demokratischen Präsidenten wären nur mit der Annahme zu erklären, dass dieser die Krise besser lösen könnte als ein Republikaner. Vor dem Absturz hat das Demokraten-Zertifikat der Bildungskonzern Devry bewahrt, der auch unter Bush gute Gewinne einfährt.

Selbst bei dem Paradebeispiel für ein politisiertes Unternehmen liegt der Fall nicht so eindeutig. Der Energie- und Militärdienstleister Halliburton , früher von Bushs Vizepräsident Richard Cheney geleitet, hat zwar einen großen Teil vom Kuchen der Aufträge für den Wiederaufbau des Irak abbekommen. Der Aktienkurs lief aber über die gesamte Regierungszeit Bushs betrachtet eher seitwärts. Vom Börsenboom der vergangenen zwei Jahre haben die Halliburton-Aktionäre nichts mitbekommen.

Auch ein republikanischer Präsident, unabhängig von seiner Haltung zum Irak-Krieg, dürfte wenig Spielraum haben, um den Militäretat in gleichem Tempo auszudehnen wie Bush. Viel Fantasie ist nicht mehr in den Wachstumsaussichten der Kriegsgewinner.

Das Wettbüro als Alternative

Das Wettbüro als Alternative

Wenn es nach der gespendeten Summe geht, steht übrigens der Sieger der Wahl schon fest: Die großen Wall-Street-Banken haben in alle aussichtsreichen Kandidaten investiert. Goldman Sachs  taucht sogar an der Spitze der Spenderlisten von Barack Obama, Hillary Clinton, Mitt Romney und John McCain zugleich auf.

"Die Baskets sind als Depotbeimischung gedacht", räumt Deutsche-Bank-Mann Tietze ein. Die Papiere seien aber nicht spielerisch gedacht, sondern durchaus als ernsthafte Investmentalternative etwa zum Dow Jones . Interessant für das Marketing ist der Fokus auf die Präsidentenwahl aber auch. Der Verkauf laufe zufriedenstellend, sagt Tietze. "Jetzt in der Vorwahlzeit wächst das Interesse. Ein Konkurrenzprodukt gibt es wohl nicht mehr."

Anleger, die mit ihrem Geld auch spielen wollen und die auf kurzfristige hohe Gewinne setzen, dürften eher zu den klassischen Wettbüros neigen. Allerdings kommen sie da spät. Clinton gilt seit Langem als "unvermeidliche Kandidatin". Laut der britischen Vergleichsseite Bestbetting.com haben die Buchmacher seit dem vergangenen Sommer nie mehr als den zweifachen Einsatz für den Fall eines Clinton-Siegs geboten.

Obama und McCain liegen derzeit zwischen 2 : 1 und 3 :1. Auf den republikanischen Spitzenreiter McCain hätte man immerhin Mitte Dezember noch mit einer Quote von 50 : 1 setzen können. Jetzt sind solche Gewinnchancen nur noch möglich, wenn man auf einen Kandidaten setzt, den kaum jemand auf dem Zettel hat: den New Yorker Bürgermeister und Finanzunternehmer Michael Bloomberg, der als unabhängiger Kandidat mit eigenem Milliardenbudget noch zur Wahl antreten könnte, wenn die Kandidatenkür der Parteien längst gelaufen ist.

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