Finanzbranche Kreditangst geht um

Die Angst vor weiteren Hiobsbotschaften aus dem Banken- und Versicherungssektor hat die Finanzwerte europaweit in die Knie gezwungen. Die Nervosität der Anleger wurde am Donnerstag gleich von mehreren Seiten neu geschürt.

Frankfurt am Main - Selbst eine erneute Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte auf 3,00 Prozent konnte den durch die US-Hypothekenkrise gebeutelten Finanztitel keine Erleichterung verschaffen. "Wenn eine nur im Ansatz negative Nachricht in den Markt schwappt, reagiert der Markt sehr sehr sensibel", sagte Helaba-Marktanalyst Christian Schmidt.

Die Nervosität der Anleger bekam gleich von mehreren Fronten Futter: So sorgte in den USA ein Fernsehbericht über weitere mögliche Rating-Abstufungen für starke Kursverluste bei den angeschlagenen Anleiheversicherern Ambac Financial Group und MBIA. "Es gibt immer noch jede Menge Unsicherheit darüber was bei den Banken noch passieren kann. Dabei spielen die Sorgen wegen den Monoline-Versicherern die größte Rolle", sagte ein Händler.

Anleiheversicherer geben Investoren wie Banken oder Versicherungen eine Ausfallgarantie auf von ihnen gehaltene Schuldverschreibungen. Sie haben weltweit Anleihen im Volumen von rund 2,5 Billionen Dollar versichert. Zudem haben die Monoliner verstärkt auch für komplexe Schuldverschreibungen wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) oder Asset-backed Securities (ABS) Garantien übernommen, die oft mit Ramschhypotheken (Subprime) besichert waren. Wird die Bonitätsbewertung der Monoliner nun von den Ratingagenturen heruntergestuft, würde das auch die von ihnen versicherten Anleihen unter Druck bringen.

Standard & Poor's warnt vor weiteren Verlusten

Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte, die Krise sei noch lange nicht überwunden. Die Verluste der Kreditinstitute dürften auf insgesamt mehr als 265 Milliarden Dollar steigen. Nach den bereits veröffentlichten Verlusten von über 90 Milliarden Dollar bei mehreren Großbanken sei nun vor allem bei kleineren US-Finanzhäusern mit Hiobsbotschaften zu rechnen. Zudem dürften einige Großbanken in Europa massive Verluste ausweisen.

Die Schweizer Bankenkommission (EBK) warnte unterdessen vor möglichen weiteren Abschreibungen bei den Schweizer Großbanken UBS  und Credit Suisse . "Solange die Krise andauert, kann es weitere Abschreibungen geben", sagte EBK-Chef Daniel Zuberbühler der Tageszeitung "Blick" (Donnerstagsausgabe). "Die Risiken beschränken sich heute nicht mehr auf den Subprime-Hypotheken. Sie greifen über auf die Kreditkarten, Kleinkredite und Gewerbekredite."

An der Züricher Börse brachen die Aktien von UBS daraufhin in der Spitze um bis zu 9 Prozent ein. Angesichts der vielen Negativnachrichten gaben europaweit Finanztitel nach. Auf der Liste der größten Verlierer standen ausschließlich Finanzwerte: Barclays  und HBOS  fielen bis zum Nachmittag um rund 7 Prozent. BNP Paribas , ING Groep , Fortis  und Credit Agricole  gaben um bis zu 5 Prozent nach.

Commerzbank  und Allianz  zählten mit Kursverlusten von jeweils bis zu 5 Prozent zeitweilig zu größten Verlierern im Dax, konnten ihre Verluste aber ebenso wie Deutsche Bank , die zusätzlich von Spekulationen um eine mögliche Gewinnwarnung gedrückt wurden, zum Handelsschluss deutlich verringern.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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