US-Zinssenkung "Das reicht noch nicht"

Die US-Zentralbank hat die Leitzinsen am Mittwochabend um zusätzliche 50 Basispunkte gesenkt. Für Vermögensverwalter Markus Zschaber ein Grund, weitere Zinssenkungen zu fordern. Aber kein Grund, der Börse fern zu bleiben.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Die Fed hat die Zinsen noch einmal gesenkt - ist das ausreichend?

Zschaber: Die Fed hat in der letzten Woche den Basiszinssatz in einem historisch noch nie da gewesenen Schritt um 75 Basispunkte von 4,25 auf 3,5 Prozent gesenkt. Unser Haus wie auch der Marktkonsens hatten eine nochmalige Senkung des Zinssatzes erwartet. Das war unbedingt notwenig, um den massiven Ausverkauf an den Märkten zu stoppen.

mm.de: Reicht das aus?

Zschaber: Nein. Wir erwarten im Laufe des Jahres noch zwei bis drei weitere Zinssenkungen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt in den USA ist im vierten Quartal annualisiert von 4,9 in den Sommermonaten auf 0,6 Prozent gefallen. Analysiert man das aktuelle Marktumfeld unter Berücksichtigung der am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des BIP-Wachstums, so werden die bisher vorgenommenen Zinssenkungen noch nicht ausreichen. Dazu kommen die Auswirkungen der US-Subprime-Krise, die ebenfalls einen nachhaltigen Einfluss auf die US-Wirtschaft haben werden. Wir erwarten, dass über die nächsten drei bis sechs Monate sowohl die Häuserpreise, als auch die Anzahl der Hausverkäufe sowie Baugenehmigungen weiter rückläufig sein werden.

Noch unterstützen die auch weiterhin vorhandenen Lohnsteigerungen, so dass der amerikanische Konsument noch nicht so stark zurückhaltend mit seinen Ausgaben ist, wie allgemein erwartet wurde. Ein interessantes Phänomen des US-Konsumenten bezüglich seines Verhaltens in Punkto Tanken gibt zusätzliche folgende Unterstützung: Steigen die Preise für Kraftstoff an den Tankstellen, so werden über einen wesentlich längeren Zeitraum die gestiegenen Preise nicht mit weniger Konsum im allgemeinen ausgeglichen, sondern die ohnehin schon sehr niedrige Sparquote wird weiter reduziert.

"Gegen die Rezession"

mm.de: Welche Wirkung hat der Zinsschritt auf die Inflation?

Zschaber: Ben Bernanke hat schon lange vor seinem Amtsantritt als US-Notenbank-Chef verdeutlicht, dass er sowohl das Zinsniveau als auch zusätzliche Liquidität dem Markt bereitstellen werde, um eine starke Rezession entgegenzuwirken, auch auf die Gefahr hin, dadurch temporär eine erhöhte Inflation zu haben. Sein primäres Ziel ist das Wachstum der US - amerikanischen Wirtschaft und erst danach kommt das Eindämmen der Inflation.

Die US-Inflation ist aktuell auf einem hohen, aber noch nicht bedrohlichen Niveau. Rechnen wir die stark volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise heraus, so fällt die Gesamtinflation von 4,1 auf 2,4 Prozent, was auch aus heutiger Sicht schon leicht über der so genannten Komfortzone von 2 Prozent liegt.

mm.de: Was bedeutet das für den Anleger - den Aktien erst einmal fernbleiben? Kann sich der Ottonormalanleger diesen Schritt leisten?

Zschaber: Grundsätzlich werden die Kapitalmärkte diese Schwankungsintensität erst einmal beibehalten, da die Verunsicherung an den Kapitalmärkten immer noch vorhanden ist und wir noch am Anfang der Berichtssaison sind. Für einen Großteil der US-Banken haben wir schon extremes Abschreibungspotenzial der Arrangements im US-Subprime-Segment gesehen. Die europäischen sowie die deutschen Banken folgen erst in den kommen Tagen.

Anleger sollten sich in den kommenden Wochen eventuell auch über die kommenden Monate eher mit großer Vorsicht an den internationalen Kapitalmärkten bewegen. Empfehlenswert ist es, an besonders schwachen Tagen gute Einzelwerte aufzustocken, jedoch sollte nicht das komplette Pulver auf einmal verschossen werden.

Langfristig orientierte Anleger, vor allem aber junge Anleger, kommen ohne eine Investition im Aktienmarkt gar nicht aus, denn die langfristige Zusatzrendite des Aktienmarktes über dem Rentenmarkt oder Geldmarkt, ist für den Aufbau der Altersvorsorge ein wichtiger Baustein. Jemand, der keine Verluste haben möchte und nur minimal in Aktien investiert, hat zum jetzigen Zeitpunkt nichts an der Börse zu suchen.

mm.de: Wurde mit dem US-Schrittt Druck aufgebaut für die EZB, gleichfalls die Zinsen zu senken?

Zschaber: Ich würde der europäischen Notenbank vorwerfen, was André Kostolany der deutschen Notenbank 30 Jahre lang vorgeworfen hat. Man sieht hierzulande das Gespenst der großen Inflation - bei einer durchschnittlichen Inflation vielleicht mal ein halbes Prozent oder ein Prozent höher als im 20-, 30-Jahresvergleich. Damit kann jeder leben. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich als typischer Europäer hinzustellen, gegen sämtliche globalen Ökonomen gegen anzusprechen und zu behaupten, der Zins muss auf diesem Niveau bleiben. Dieses ist vollkommener Unsinn. In Europa hoffe ich, dass wir einen Zinsschritt sehen, dieses würde einiges erleichtern. Ich persönlich gehe von mindestens 0,25 Prozent aus.

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