Börsenschluss Die Nervosität bleibt

Die Börsen bieten auch nach der US-Leitzinssenkung ein Bild der Unsicherheit und Nervosität. Auf breiter Front ging es am Donnerstag lange Zeit abwärts. Erst mit der Kehrtwende an der Wall Street erholten sich die Kurse. Finanztitel konnten ihre Verluste begrenzen.

Frankfurt am Main/ New York - Zum Handelsschluss in Frankfurt konnte der Dax jedoch seine zwischenzeitlichen Verluste von rund 2,70 Prozent weitgehend wettmachen. Zwischen dem Tagestief und dem Tageshoch des deutschen Leitindex lagen knapp 200 Punkte.

Die Aufholjagd am Nachmittag führten Händler vor allem auf die stark steigenden Kurse in New York zurück. Dort hatte der Dow Jones  zunächst mit einem Verlust von mehr als 1 Prozent eröffnet, notierte aber gegen 18.15 Uhr (MEZ) mit 0,60 Prozent auf 12.514 Zähler im Plus. Der Nasdaq Composite  gewann rund ein halbes Prozent auf 2360 Punkte hinzu. Der Dax  schloss mit minus 0,34 Prozent bei 6851 Punkten. Der MDax  drehte leicht ins Plus und gewann 0,09 Prozent auf 8718 Zähler, der TecDax  sank um 0,15 Prozent auf 789 Punkte.

Schwache US-Konjunkturdaten drückten die Stimmung

"Das Hin und Her zeigt, wie nervös die Anleger sind", sagte ein Händler. "Keiner weiß so recht, was er machen soll." Auslöser der Talfahrt am Vormittag war die andauernde Angst der Investoren vor einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft. Die US-Notenbank (Fed) hatte am Vorabend wie von den Finanzmärkten gefordert die Zinsen um weitere 50 Basispunkte auf drei Prozent gekappt und die Tür für weitere Zinssenkungen offengelassen.

"Jetzt wird unterstellt, dass es für die US-Wirtschaft noch schlechter aussieht als angenommen, und eine Rezession unumgänglich sein könnte", fasste Helaba-Analyst Christian Schmidt die Stimmung zusammen. Der überraschend deutliche Anstieg von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche sowie der unerwartet deutliche Rückgang des Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago im Dezember verstärkten diese Ängste noch.

Börsianer fürchten Abstufungen der Anleiheversicherer

Viele Börsianer fürchten zudem weitere Rating-Abstufungen für die angeschlagenen US-Anleiheversicherer, die für Hypothekenanleihen von Banken und anderer Finanzinstitute Garantien ausgesprochen haben. Fällt die Bonität dieser Spezialversicherer, sind die ausgesprochenen Garantien weniger wert und Banken müssen womöglich auf ihre Anleihen weitere Abschreibungen vornehmen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte, die Krise sei noch lange nicht überwunden und einige Großbanken in Europa könnten noch massive Verluste ausweisen. In der Schweiz verwiesen Vertreter der Bankenaufsicht darauf, dass sich die Ausfälle nicht mehr nur auf den Subprime-Bereich bezögen, sondern auch Kreditkarten oder Gewerbekredite beträfen.

Kehrtwende im späten Geschäft

Die Kehrtwende der Aktienindizes an der Wall Street begründeten Händler eben dann mit Kursgewinnen bei US-Anleiheversicherern. So steuerten am Donnerstag zum Beispiel Aktien des US-Anleiheversicherers MBIA auf Erholungskurs, obwohl das Unternehmen wegen massiver Abschreibungen im vierten Quartal in die Verlustzone gerutscht war. Das Papier hatte zuvor einen Abschlag von knapp 13 Prozent erlitten. MBIA teilte mit, dass der Kurseinbruch der Aktie trotz der Verluste im Quartal nicht gerechtfertigt sei. Auch der Branchenkollege Ambac schaffte mit einem Plus von zweitweilig 13 Prozent den Turnaround.

Gerüchte um die Deutsche Bank

Deutsche Finanztitel unter Druck

Spekulationen auf eine Gewinnwarnung drückten die Titel von Branchenprimus Deutsche Bank  um rund 2 Prozent ins Minus. Die Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Auch die Aktien der Commerzbank  verloren über 2 Prozent und die der Allianz  – dem Mutterkonzern der Dresdner Bank - 1,7 Prozent. Alle Finanztitel hatten im Handelsverlauf noch deutlich höhere Verluste verbuchen müssen.

"Alle fragen sich, wie die Zahlen der deutschen Banken ausfallen werden und wie hoch die Abschreibungen sind", sagte ein Händler. Die Deutsche Bank hat den Geschäftsbericht für nächste Woche angekündigt. Die Commerzbank will in der Woche darauf folgen.

Mit vielen Werten wird Pingpong gespielt

Mit Beginn des Börsenhandels in New York zogen die Kurse an. Für manche Bewegung hatten Händler keine Begründung. "Mit vielen Werten wird Pingpong gespielt, an einem Tag 7 Prozent runter, am nächsten vier Prozent hoch und dann wieder runter", spielte ein Händler auf die Kursbewegung beim Lkw-Bauer MAN  an, dessen Aktien am Donnerstag mehr als 3 Prozent im Minus schlossen. Schlusslicht waren die Aktien von Henkel  mit einem Abschlag von 3,8 Prozent.

Als Gewinner empfahlen sich - ohne erkennbar fundamentale Faktoren - die Aktien von Bayer , Merck KGaA , Linde  und BASF  mit Kursanstiegen von 2 bis 3,6 Prozent. Im TecDax  profitierte die Aktien des Laserhersteller Rofin-Sinar von der Vorlage der Quartalszahlen und dem Ausblick und zogen um 18,5 Prozent an. Im MDax  ragten die Aktien von Beiersdorf  nach einer Analystenempfehlung mit einem Plus von 4,5 Prozent heraus.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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