Samstag, 21. September 2019

Finanzkrise US-Zinssenkung findet geteiltes Echo

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins erneut gesenkt, diesmal um 50 Basispunkte auf 3 Prozent. Die Reaktionen waren geteilt. Der Dow Jones drehte nach einer kurzen Rally wieder ins Minus, der Euro nähert sich der Marke von 1,50 Dollar.

Washington - Angesichts der Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten hat die US-Notenbank binnen weniger Tage ihren Leitzins erneut kräftig gesenkt. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve nahm den Satz für Tagesgeld um 0,5 Punkte auf 3 Prozent zurück.

Diese Entscheidung war von den meisten Marktteilnehmern erwartet worden. Erst vergangene Woche hatten die Währungshüter in Washington den Leitzins überraschend um 0,75 Prozentpunkte verringert. Der Leitzins in den USA liegt nun 100 Basispunkte unter dem der Euro-Zone (4,0 Prozent).

Erneuter Eingriff: Fed-Chef Ben Bernanke hat den Zins nochmals gesenkt
Wie die Notenbank zu ihrer Entscheidung vom Mittwoch mitteilte, sollte der jüngste Zinsschnitt gemeinsam mit dem in der vorigen Woche "im Zeitverlauf maßvolles Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaft mindern". Dennoch gebe es weiter Gefahren für das Wachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte noch "unter beträchtlichem Stress". Die Notenbank erwartet darüberhinaus, dass sich der Preisauftrieb in den nächsten Quartalen abschwächt.

Neue Konjunkturdaten offenbarten unterdessen eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Im vierten Quartal 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,6 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Im Vorquartal lag das Wachstum noch bei robusten 4,9 Prozent. Die jüngsten Angaben sind allerdings nur eine erste Schätzung, die sich noch deutlich ändern kann. Auf Basis dieser vorläufigen Daten wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent und damit so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Kritik von der Deutschen Bank

Wirtschaftskommentatoren unterstrichen nach den Konjunkturdaten, dass sich das Wachstum trotz aller Rezessionsgefahren immer noch im positiven Bereich bewegt. Die ersten beiden Quartale werden nach Einschätzungen von Ökonomen ebenfalls schwach ausfallen. Frühestens vom Sommer an könne die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen.

Vor diesem Hintergrund kritisierte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, die neuerliche Senkung der US-Leitzinsen. "Die jüngsten Konjunkturdaten, vor allem zu den langlebigen Gütern, signalisieren keine Rezession in den USA", sagte Walter der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). Gerechtfertigt wären Zinssenkungen aus seiner Sicht nur, wenn "die Rezession da und die Inflation weg ist", sagte Walter. Dies sei aber nicht der Fall. Die Zinssenkung der Fed von 3,5 auf 3,0 Prozent sei daher riskant, denn sie habe große Nebenwirkungen. Wenn die Fed den Geldhahn weiter aufdrehe, drohe die Gefahr einer neuen Vermögenspreisblase.

Auch andere Experten stehen der Fed-Politik kritisch gegenüber. "Die Fed betreibt schon zu lange eine Politik des billigen Geldes", kritisiert etwa Marvin Goodfriend, ein früherer Berater des Fed-Ablegers aus Richmond, laut Spiegel-Online. Die Wirtschaft müsse sich nun selbst heilen. Anna Schwarz vom National Bureau Of Economic Research in New York wirft der US-Notenbank laut Spiegel-Online sogar völliges Versagen vor. "Die Fed versäumte, die offensichtlichen Probleme anzugehen", habe die 92-jährige Ökonomin dem SPIEGEL gesagt.

Bereits vor der Entscheidung der Fed hatte das US-Abgeordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit ein 146 Milliarden Dollar (98,6 Milliarden Euro) umfassendes Konjunkturprogramm verabschiedet, um der schwächelnden Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Das Paket sieht Steuerrückzahlungen für Privatbürger zwischen 300 und 1200 Dollar sowie Investitionsanreize für Firmen vor. Präsident George W. Bush will das Programm noch im Februar in Kraft setzen. Zustimmen muss auch noch der Senat. Dort streben Republikaner sowie Demokraten eine Ausweitung des Programmes an.

Nach Einschätzung von US-Finanzminister Henry Paulson wird die US-Wirtschaft weiter wachsen. Allerdings dürfte das Wachstumstempo nicht mehr so kräftig ausfallen wie in den vergangenen Jahren, sagte Paulson am Mittwoch in Washington im Zusammenhang mit dem geplanten milliardenschweren US-Konjunkturpaket. Die Risiken seien aber klar abwärts gerichtet.

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