Donnerstag, 14. November 2019

Société Générale Kerviel setzte 50 Milliarden Euro ein

Die Société Générale hat erstmals die Summe beziffert, mit der ihr Angestellter Jérôme Kerviel bei seinen schief gelaufenen Aktienwetten hantierte. Der Händler wird noch bis Montag von der Polizei verhört. Seine Rolle als Einzeltäter wird bezweifelt.

Paris - Der mutmaßliche Verursacher des Milliardenschadens bei der französischen Großbank Société Générale (SG) Börsen-Chart zeigen ist am Sonntag den zweiten Tag in Folge verhört worden. Jérôme Kerviel sei kooperativ und gebe bereitwillig Auskunft, hieß es am Sonntag in Justizkreisen in Paris.

Großes Rad gedreht: Zentrale der Société Générale in La Défense
Der 31-Jährige hatte sich am Vortag der Polizei gestellt, die ihn in Gewahrsam nahm. Er soll am Montag einem Richter vorgeführt werden, der entscheidet, ob ein Verfahren gegen ihn eröffnet wird. Nach ersten Erkenntnissen hat Kerviel sich durch seine Geschäfte nicht selbst bereichert.

Beamte der Finanzbrigade hatten seine Wohnung im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine sowie den Firmensitz der Société Générale in der Bürostadt La Défense durchsucht. Dabei wurden unter anderem Computer-Festplatten konfisziert.

Société Générale beschuldigt den Juniorhändler, der Bank durch riskante Geschäfte einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingehandelt zu haben. Die von Kerviel eingegangenen Positionen seien rund 50 Milliarden Euro wert gewesen. Kerviel sei bei seinen hochriskanten Geschäften unbefugt in Computersysteme eingedrungen und habe "verschiedene Betrugstechniken" angewendet. Finanzexperten bezweifeln die These eines Einzeltäters.

In einer fünfseitigen Erklärung versuchte die SG-Führung dem Eindruck entgegen zu treten, sie habe mit einem massiven Verkauf der von Kerviel aufgebauten Positionen die Börsenmärkte in der vergangenen Woche zusätzlich unter Druck gebracht. Sie habe zwar in der vergangenen Woche Kontrakte über die Börsen-Indizes Eurostoxx 50 Börsen-Chart zeigen, Dax Börsen-Chart zeigen und FTSE 100 Börsen-Chart zeigen verkauft, dies sei aber auf eine kontrollierte Art und Weise erfolgt.

Staatsanwalt Jean-Michel Aldebert teilte zuvor mit, Kerviel habe sich am Samstag den Behörden gestellt und verhalte sich kooperativ. "Er ist dazu bereit, sich zu erklären", sagte Aldebert. Die Aufdeckung des Skandals hatte ein Beben ausgelöst und die Frage aufgeworfen, ob der Broker tatsächlich völlig eigenständig gehandelt hatte.

Einige Analysten vermuteten außerdem, die SG habe den Zwischenfall mit ihrem Handeln noch verschlimmert. "Das ist absurd", sagte SG-Chef Daniel Bouton in einem Interview der Zeitung "Le Figaro". Jeder könne sich ausrechnen, inwieweit die französische Bank an den Entwicklungen der internationalen Finanzmärkte in den vergangenen Tagen beteiligt gewesen sei.

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